Treffen unter Tränen: Stammzellenspende eines Kirchheimers rettete einer Frau das Leben

+
Emotionales Treffen: Mehr als zwei Jahre ist es her, dass der Kirchheimer Joachim Ruppel mit seiner Stammzellenspende der mit 29 Jahren an Leukämie erkrankten Anne Schielke aus Wismar das Leben rettete. Da mussten sich die beiden bei ihrem ersten persönlichen Treffen am Samstagabend ihrer Tränen nicht schämen.

Kirchheim. Im April 2016 spendete Joachim Ruppel aus Kirchheim sein Knochenmark einer leukämiekranken jungen Frau. Jetzt haben sich die beiden das erste Mal getroffen.

Da steht sie, auf der letzten Stufe der Treppe oberhalb des Kirchheimer Feuerwehrgerätehauses, und wartet. Groß, schlank, hübsch, die blonden Haare hochgesteckt, sieht sie aus wie das blühende Leben. Aber die Anspannung ist ihr anzusehen, der Versuch, ein paar Tränchen zu unterdrücken, hat nur bedingt funktioniert.

Im Raum hinter der Tür feiert Joachim Ruppel mit ein paar Freunden in seinen 54. Geburtstag hinein. Ehefrau Silke spricht über Leukämie, Knochenmarkspende, Lebensrettung – was genau sie sagt, ist hier draußen nicht zu verstehen. Dann, laut und deutlich, der alles entscheidende Satz: „Hier kommt Anne Schielke mit ihren Freunden.“

Noch einmal geht ein Ruck durch die Frau, dann geht sie mit festen Schritten durch die Tür.

Ein emotionales erstes Treffen 

Und dann stehen sie sich erstmals gegenüber. Die todgeweihte Anne und ihr Lebensretter Joachim. Tränen kullern, Ergriffenheit macht sich in der gesamten Gesellschaft breit. Endlose Sekunden scheinen zu vergehen, bis sich die beiden wortlos in die Arme fallen.

Was jetzt in diesen zwei Menschen vorgeht, welche Emotionen sie durchleben, welche Gedanken ihnen durch die Köpfe schießen, das können alle Umstehenden bestenfalls erahnen.

Später, wenn die Gefühle wieder beherrschbar, Pulsschlag und Adrenalinspiegel wieder heruntergefahren sind, haben sich die kürzlich noch schwer kranke Frau aus Wismar und ihr Lebensretter aus Kirchheim viel zu erzählen – aber das gehört hier nicht hin.

Ende März 2016 hatte sich Joachim Ruppel zur Stammzellenspende in das DRK Blutspendezentrum Frankfurt begeben müssen. Hier wurden die Stammzellen über zwei Venenzugänge aus dem Blut gefiltert. „Gerade mal zweieinhalb Stunden hat das gedauert und tat überhaupt nicht weh“, berichtete der Kirchheimer schon damals. Typisieren lassen hatte sich Ruppel im Jahr 2004 während einer groß angelegten Aktion der Wildecker Feuerwehren für deren damaligen Gemeindebrandinspektor.

Die niederschmetternde Diagnose erhielt die junge Frau im Dezember 2015

Glück für Anne Schielke. Im Dezember 2015 erhielt sie die niederschmetternde Leukämie-Diagnose und die Information, dass nur eine Stammzellentransplantation der damals 29-jährigen Altenpflegerin das Leben retten könne; bereits im Januar war Ruppel als möglicher Spender ausgemacht. Am 1. April 2016 folgte die Spende, und bereits im Juni gab es einen ersten anonymen schriftlichen Kontakt. Antworten konnte Anne nicht, zu groß war ihre Angst vor einem Rückschlag. Achim wusste damals nur: weiblich aus Deutschland; Anne wusste: männlich, deutsch und das Geburtsdatum.

Daten werden erst zwei Jahre nach der Spende herausgegeben

Erst zwei Jahre nach der Implantation gibt die Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS) die Adressen zwischen Spender und Empfänger frei, danach gab es Kontakte via Whatsapp und Telefon, und schließlich einigten sich Anne Schielke und Silke Ruppel auf die Geburtstagsfete als günstigen Termin für ein erstes persönliches Treffen, von dem Joachim allerdings nichts wissen durfte.

Kommentare