Schöne Worte – klare

Helmut Battenberg aus Oberaula liebt Gedichte und musiziert seit 75 Jahren

Einer von vier Gedichtbänden in den Händen von Jutta Dalz und das Tenorhorn in eigener Hand sind die Symbole für die Leidenschaften, die große Teile des Lebens von Helmut Battenberg bestimmt haben.
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Einer von vier Gedichtbänden in den Händen von Jutta Dalz und das Tenorhorn in eigener Hand sind die Symbole für die Leidenschaften, die große Teile des Lebens von Helmut Battenberg bestimmt haben.

Helmut Battenberg ist seit 75 Jahren Bläser im Posaunenchor Oberaula und hat mehr als 200 Gedichte selbst verfasst.

Oberaula – Was ist er denn nun, der Helmut Battenberg, ein dichtender Musikant oder ein musizierender Dichter? Eines ist sicher, beide Hobbys haben den 86-jährigen Oberaulaer sein Leben lang begleitet.

Der erste Blick ins Wohnzimmer von Helmut Battenberg weist zunächst mal auf den Musiker hin. Überall auf dem Tisch liegen Notenblätter und auf einem Notenständer vor dem Schrank ist die „Försterliesel“ aufgeschlagen.

Und dann beginnt der Helmut zu erzählen: Mit zehn Jahren sei er dem Posaunenchor beigetreten und somit kürzlich für 75 Jahre aktive Mitgliedschaft geehrt worden. Das hat ihn sehr gefreut. Überhaupt: „Das Blasen hat mir immer viel Spaß gemacht“, sagt er und erinnert sich an ein Vereinsjubiläum, bei dem sich einer auf den anderen verlassen hatte und zum Festbeginn niemand eine Eröffnungsrede vorbereitet hatte. Zum Glück hatte Battenberg ein ausführliches Gedicht über die Chronik des Vereins geschrieben und konnte damit die Situation retten.

Er berichtet von der jungen Nachwuchsmusikerin, für die man kein Instrument parat hatte. Als man ihn bat, ihr sein „altes“ Tenorhorn auszuleihen, lehnte er das kategorisch ab. Stattdessen hat er der jungen Frau sein Instrument geschenkt.

Jetzt will Battenberg sich aber langsam aus dem aktiven Chor zurückziehen, besonders auch, weil die Augen nicht mehr so richtig mitspielen und das Notenlesen immer schwieriger wird.

Bevor wir zum Dichter Battenberg kommen, muss der Helmut erst noch erzählen, auf welch besondere Art er seine Frau Gerda kennengelernt hat. Als er eines Tages im Jahr 1954 mit seinem Moped an einem bei den Jungen beliebten Treffpunkt vor dem Geschäft Diehl ankam, sagte einer seiner Freunde: „Do ess groad a ganz schee Mensch nien gegenn“ (Da ist gerade ein ganz schönes Mädchen rein gegangen). Als das Mädel nach einiger Zeit raus kam, schien sie es sehr eilig zu haben und machte sich mit ihrem Fahrrad umgehend auf den Weg Richtung Olberode, erinnert sich Battenberg. „Ich hab gar nicht lange nachgedacht“, erzählt er weiter, „bin einfach mit meinem Moped hinter ihr her gedüst, hab mit meiner Hand den Gepäckträger des Rades gegriffen und sie so den ganzen langen Anstieg bis zur Wasserscheide hoch geschoben.“ Während des „Abschleppmanövers“ habe man sich für die Kirmes in Asterode verabredet, und spätestens da habe es dann gefunkt.

„In dieser ‘verliebten Zeit´ habe ich auch meine ersten Gedichte geschrieben“, erzählt Battenberg, „und wenn ich ein Gedicht zustande gebracht hatte, dann hatte ich eine ganze Woche Freude.“ Vor einiger Zeit habe er auf den Grundmauern der Holnsteinkapelle am archäologischen Rundwanderweg auf dem Eisenberg gesessen. „Da ist mir was eingefallen, ich hab’s aufgeschrieben und fertig war das Gedicht“, beschreibt Helmut die Art und Weise, wie seine Texte zustande kommen und beginnt es zu rezitieren (siehe Kasten).

Mehr als 200 Gedichte hat der Hobbydichter verfasst, sortiert und abgeheftet in vier Kategorien: „Der Eisenberg und seine Täler“ und „Oberaula“ sind selbsterklärend, in „Ein langer Weg“ beschäftigt sich Battenberg mit seinem eigenen Leben, und in „Tage“ geht es um besondere Ereignisse, Jubiläen, Geburts- und Hochzeitstage, und auch den Tod seiner Frau im Jahr 2016 hat Battenberg hier für sich verarbeitet. Papier und Stift habe er damals immer dabei gehabt und so immer gleich aufschreiben können, wenn ihm eine Idee gekommen sei. „Das fällt mir immer einfach so zu, wo’s herkommt, ich weiß es nicht.“ Teils handschriftlich teils per Computerausdruck sind die Werke gesammelt. Da haben dann die Kinder geholfen. „Ich kann kein Computer“, sagt Helmut. Dafür kann er viele seiner Gedichte auswendig – erstaunlich viele.

Aufmerksam gemacht auf den Hobby-Künstler hatte uns seine langjährige gute Bekannte Jutta Dalz. Am heutigen 10. September werde der Helmut 86 Jahre alt, und da wäre es doch schön, ein oder zwei seiner vielen Gedichte in der Zeitung zu lesen, hatte sie uns geschrieben. (Bernd Löwenberger)

Notenblätter und Gedichtbände dominieren das Wohnzimmer von Helmut Battenberg in Oberaula. Sie zeugen von 75 Jahren Bläser im Posaunenchor und mehr 200 selbst verfassten Gedichten.

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