Satirischer Jahresrückblick

Bernd Gieseking brillierte in Oberaula

Oberaula. Silbernes Jubiläum feierte der Kabarettist Bernd Gieseking mit seinem satirischen Jahresrückblick „Ab dafür" im Oberaulaer Hotel zum Stern.

Dass der Auftritt im Oberaulaer Hotel zum Stern zu den ersten der jeweiligen Spielsaison zählt, ist dabei, sehr zum Leidwesen manch renommierter Großveranstalter, ebenso Tradition wie das Outfit des Künstlers – Jeans, schwarzes T-Shirt, dunkles Sakko oder der erklärende Hinweis zum Beginn der Veranstaltung: „Dieses Jahr mit neuem Text.“

Zu den Ritualen gehören Telefonate mit den Großen – nicht nur – dieser Welt, seit einem Jahr höchst lustvoll zelebriert mit dem einzigen Requisit der Veranstaltung, einem alten grauen Wählscheibentelefon, bei dem jüngere Besucher in die Löcher drücken statt an der Scheibe zu drehen. Nicht zu vergessen die Besuche in der Fisch-Lounge, in der nicht gesprochen wird und in der sich in diesem Jahr herausstellt, dass Sand nach Wasser die knappste Ressource auf unserem Planeten ist.

Dann ist da noch der Blick in Joachim Sauers Tagebuch, immer nur rein zufällig und nur wegen des beeindruckenden Schriftbildes, aber immer auch mit tiefen Einblicken in „Muttis Seelenleben“. Bleibt noch der große ostwestfälische Philosoph Konfusion, die hohe Affinität zu Finnland und die Einblicke in das Leben der Eltern Herrmann und Ilse in Minden-Kutenhausen.

Und aktuell? Zunächst das Wichtigste: „Der Lindenstraße wurde gekündigt“. Und dann sind sie natürlich alle dran, die Großen und die nicht so großen, die sich im Laufe des Jahres mit Ruhm oder was auch immer bekleckert haben. Die unkaputtbare Angie, Bollwerk und Ballerina zugleich auf internationalem Parkett, Seehofer, Merz, Frauenkleiderfetischist Söder, „Bambi“ Lindner, Alice Weigl, oder AKK, die Doris Day der CDU, Maaßen, Dobrinth und Scheuer, die nur an ihren Brillengestellen zu unterscheiden sind und einige mehr.

Dann sind da noch Landtagswahlen, der Dieselskandal, der gar keiner ist, die Autobauer und die Bundesbahn, die Digitalisierung oder Gedanken zu Heimat und Integration.

Ein wahres Feuerwerk brennt Gieseking ab, wenn er zum Ende seines Auftritts einen Rückblick auf die 68er Jahre hält, das weiße Album der Beatles, 50 Jahre Flower-power, der Kampf um jeden Zentimeter Haarlänge, Fidel Castro und Che Quevara, sexuelle Befreiung und Pille. Und dann verabschiedet sich bestens gelaunte Protagonist von seinem hochzufriedenem Publikum mit einer letzten Zugabe, einem Sprichwort aus Finnland: „Man ist nicht zu betrunken, solange man auf dem Boden liegen kann, ohne sich fest zu halten.“ (lö)

Rubriklistenbild: © Bernd Löwenberger

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