Pferde aus Oberaula-Hausen sind international erfolgreich

Pferdezucht von Weltruf auf dem Höny-Hof

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Erfolgreiches Comeback: Nach einer Zwangspause wegen eines Abszesses am Huf ist Carpathian seit Mai wieder zurück auf der Rennbühne.

Oberaula. Seit 17 Jahren werden auf dem Höny-Hof zwischen Oberaula und Hausen international erfolgreiche Vollblut-Pferde gezüchtet.

 Imposante Gebäude, weitläufige Wiesen, Stille – ein bisschen verwunschen liegt er in den Feldern zwischen Oberaula und dem Ortsteil Hausen, der Höny-Hof. Seit 2001 werden hinter dem schmucken Tor, das sich Besuchern nach dem Klingeln lautlos öffnet, Pferde gezüchtet. Das Gestüt ist weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt für seine Vollblutzucht und aus der internationalen Rennsport-Szene nicht mehr wegzudenken. „Höny-Hofer“, so nennt Gestütsleiter Simon Minch seine Pferde, gewannen Rennen in den USA. Eine Zuchtstute wurde bis nach Japan verkauft.

Im Deutschen Derby, das ist die wichtigste und bedeutendste Zuchtprüfung für Vollblüter, starteten in diesem Jahr gleich drei Pferde aus Hausen. Wer züchte, müsse vor allem geduldig sein, erklärt Minch: „Es dauert zehn Jahre, um einen Jahrgang zu züchten.“ Der Ire verdeutlicht: „Man züchtet mit den Besten, füttert das Beste – und hofft auf das Beste.“

Hengste sind Machos

Ob ein Pferd fürs Rennen geeignet ist, hänge von verschiedenen Faktoren ab, sagt Minch. Etwa der psychologischen Belastung. Junge Hengste verhielten sich wie Machos: „Die müssen auf der Koppel erst noch reif werden“, sagt Minch. Bei Top-Rennpferden verhalte es sich wie mit Menschen: „Sie müssen ehrlich sein, Herz und Talent haben und bereit sein, alles zu geben.“ Die Rennpferde des Höny-Hofes jedenfalls sind gefragt. Kürzlich wurde Salve del Rio, der Derby-Vierte, in den Stall des englischen Trainers John Best verkauft. Ein Mitglied der Herrscherfamilie von Dubai schickte eigens einen Jet, um ein Pferd aus Hausen auf der eigenen Rennbahn in den Vereinigten Arabischen Emiraten laufen zu sehen. Kürzlich trat die Stute Wish You Well beim Preis der Winterkönigin im mit 105 000 Euro dotierten Championatsrennen an. Minch: „Eine hoffnungsvolle Stute, sie belegte den vierten Platz.“

Im Wettbewerb: All of Arthur (Mitte) in den Farben des Höny-Hofes (Lila und Weiß) im Kampf mit Ninario (rechts). Foto: Höny-Hof

Der Wert eines Pferdes hänge vom Zuchtwert ab, erklärt der Rennmanager. Dabei steht der Pferderennsport in Deutschland aus Sicht der Tierschützer immer wieder in der Kritik. „Der Sport ist für Mensch und Tier sicherer geworden“, ist Minch überzeugt.

Verletzungsrisiko hat sich halbiert

Das Verletzungsrisiko habe sich in den vergangenen 30 Jahren halbiert. „Einer von 1000 Startern verletzt sich. Aber jede Sportart birgt ein Risiko.“ Den Pferden die Sporen zu geben sei mittlerweile verboten. Regeln gebe es auch für die Starts. Bei der Mitteldistanz beispielsweise – das sind 3000 Meter – dürfe ein Pferd nur drei bis vier Mal im Jahr laufen. Das Rennen gilt übrigens unter Züchtern als Zuchtprüfung.

Deutsche Pferde sind laut Minch gefragt. „Vor allem die alten Linien.“ Mit 750 Fohlen würden im Rahmen der Zucht in Deutschland vergleichsweise wenige geboren, in Irland kämen pro Jahr knapp 10 000 zur Welt. Zur Philosophie des Hofes gehöre mit seiner kleinen Zucht auch die moralische Verpflichtung, den Tieren nach dem Karriereende ein gutes Zuhause zu bieten.

Hintergrund: Neubau des Gestüts im Jahr 2002

Gestütseigner sind Manfred Hellwig, Steuerberater aus Bad Homburg, und seine Frau Edith. Anfang der 1980er-Jahre begeisterte sich der Unternehmer zusehends für den Pferderennsport, ab 1984 engagierte sich Hellwig als Besitzer und Züchter. 1985 gründete er das Gestüt Höny-Hof im ostfriesischen Moormerland, 2002 folgte der Neuaufbau in Nordhessen in Oberaula. Mit Architekt Ferdinand Leve wurde ein Experte für die Stallbauten beauftragt. Anstelle der Boxenklappen wurden im Jährlingsstall beispielsweise Windnetze angebracht, sodass ein optimaler Ausgleich zwischen Innen- und Außentemperatur herrscht und keine Zugluft entsteht. Damit sind die Pferde von Erkältungen geschützt. Zu den modernsten Ställen in Deutschland zählt mit drei Boxen der Abfohlstall. Zum Höny-Hof gehören insgesamt 50 Hektar Grünland, die teilweise auch zur Heugewinnung genutzt und selbst bewirtschaftet werden. Weitere 650 Hektar Wald gehören ebenfalls zum Hof.

Zur Person

Simon Minch (48) ist Ire und seit 2005 Gestütsleiter. Seine Ausbildung absolvierte er in Coolmore, Erfahrungen sammelte er als Mitarbeiter beim irischen Champion-Hindernis-Trainer A.L.T. Moore, im Gestüt Atlanta, als zweiter Futtermeister bei Peter Rau und als Jährlings-Manager im Gestüt Schlenderhan. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder. (sro)

Von Sandra Rose

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