Dem Dörfchen wurde 1323 das Stadtrecht verliehen

Der kleine Ortsteil Hausen von Oberaula ist eigentlich eine Stadt

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Fühlen sich der Ortsgeschichte verbunden: Ortsvorsteher Peter Albert (links) und sein langjähriger Vorgänger Karl-Heinz Klinger.

Kein Scherz: Das kleine Dörfchen Hausen bei Oberaula mit seinen 650 Einwohnern wurde 1323 zur Stadt erhoben. Heute ist das fast in Vergessenheit geraten. 

Hausen – Hausen hat adeligen Charakter. Und nicht nur das. Der Oberaulaer Ortsteil ist nämlich eine Stadt. Wer an einen Aprilscherz denkt, dem sei gesagt: Mitnichten. Tatsächlich wurde Hausen, genannt Husen, 1323 zur Stadt erhoben.

Fühlen sich der Ortsgeschichte verbunden: Ortsvorsteher Peter Albert (links) und sein langjähriger Vorgänger Karl-Heinz Klinger. Foto: Sandra Rose

Dass die Stadtrechte verliehen wurden, ist heute weitestgehend in Vergessenheit geraten. Das damit verbundene Marktrecht lassen die 650 Hausener seit der 850-Jahrfeier 2010 regelmäßig wieder aufleben.

Der gebürtige Hausener Dr. Hans Günther Bickert (Marburg) beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der Ortshistorie und hat zum Thema bereits mehrere Publikationen verfasst. Auch der frühere Ortsvorsteher Karl-Heinz Klinger und sein Nachfolger Peter Albert fühlen sich der Geschichte verbunden. Aktuell richtet Ulrich Allendorf im Dorfgemeinschaftshaus ein Archiv ein.

Die Verleihung der Stadtrechte belegt eine Urkunde Ludwigs des Bayern, sie findet sich im Hessischen Staatsarchiv in Marburg. Aus dem Hessischen Gemeindelexikon geht hervor, dass König Ludwig eine Stadt als Konkurrenzmarkt zum ziegenhainischen Schwarzenborn anlegen durfte. „Hausen erlangte jedoch nie die wirtschaftliche Bedeutung einer Stadt“, berichtet Klinger. Der Ort habe aber mit Mauern und Gräben umgeben werden dürfen. 1324 wird die neue Stadt urkundlich als Landstädtchen geführt. Damals kommt der Sinnspruch „Oberaula liegt bei Hausen“ auf – wobei es Oberaula nie zu Stadtrechten brachte.

Nach der Plünderung 1356 durch den hessischen Landgrafen Otto der Schütz entwickelte sich der Ort wieder zum „unbedeutenden Dorf“. Die ursprüngliche Stadtanlage ist jedoch innerhalb des heutigen Ortsgrundrisses noch deutlich nachvollziehbar. Zu sehen ist ein für ein Dorf ungewöhnlicher Rechteckgrundriss, der auf drei Seiten von Wegen und im Nordosten vom späteren Adelsgut eingeschlossen wird.

Die Kirche, die im Kern weit älter ist als die Siedlung, und die Burg befinden sich außerhalb des städtischen Grundrissgefüges. Die Hauptachse bildet die Aulatalstraße, von ihr gehen die beiden Stichstraßen ab. Im 14. Jahrhundert wurde die Stadtwerdung abgebrochen – weite Teile blieben unbebaut, im Westen wurde das Hofgut der Burg angelegt und mittels eines Wassergrabens vom Ort getrennt.

Fortan wurde die Entwicklung Hausens durch den Adelssitz bestimmt. Johann von Dörnberg veranlasste, dass die Kapelle in Hausen 1466 selbstständige Pfarrei wurde.

Adelig geprägt: Die frühere Burg wurde zum Schloss Hausen umgebaut, hier eine Abbildung aus 1850. Foto: LAGIS HESSEn

Die mittelalterliche Burg verwandelte um 1600 ihr Gesicht in ein Renaissanceschloss. Die Ortsstruktur mit ihren bescheidenen Bauernhäusern kündet noch heute vom Einfluss des Adels und der Abhängigkeit der Dorfbewohner – ähnlich wie in Rommershausen und Willingshausen. Reste der Stadtwälle Hausens verschwanden erst im 18. Jahrhundert.

Ob die Gemeinde 2023 der Verleihung der Stadtrechte gedenke, darüber will der Ortsbeirat noch beraten: „Ich kann es mir sehr gut vorstellen“, sagt Karl-Heinz Klinger.

VON SANDRA ROSE

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