1150-jähriges Jubiläum

Oberaula: Der Mittelpunkt im Aulatal

Infotafeln auf dem Marktplatz: Erstellt hat die Übersicht Hobby-Historiker und Knüllgebirgsvereins-Mitglied Heinz Herget, rechts Klaus Baschnagel vom Jubiläumsverein Ovilah Historia. Alle Fotos:  Sandra Rose

Oberaula. Die Oberaulaer blicken in diesem Jahr auf die 1150 Jahre alte Geschichte ihres Ortes zurück: Jetzt nähert sich das Jubiläum seinem Höhepunkt.

Gemeint ist die bereits  laufende Festwoche mit Historischem Markt am Sonntag, 1. Juli.

Urkundlich erwähnt wurde Oberaula im Jahre 856 unter dem Namen Ovilaha. Mit der Geschichte des Ortes kennt sich unter anderem Hobby-Historiker Heinz Herget bestens aus. „Im 12. und 13. Jahrhundert gab es in Oberaula zwei Kirchen. Während die einstige Kapelle auf dem Frauenberg verfallen ist, wurde die Kirche in der Ortsmitte im Jahre 1717 gebaut“, erklärt er. Dass es zwei Kirchen gab, bewiesen zwei Massengräber, die bei einer Renovierung in der heutigen Kirche gefunden wurden. „Das waren Pesttote aus dem Jahr 1626.“

Prägend: Einst gab es eine große jüdische Gemeinde. Heute ist an Stelle der Synagoge die Pfarrscheune.

Oberaula galt als wirtschaftlicher Mittelpunkt des oberen Aulatals: Bereits im 14. und 15. Jahrhundert, zur Zeit der Landgrafen von Ziegenhain, hatte der Ort Marktrecht. Seit alters her war Oberaula auch Gerichtsort.

Zur Zeit der Ziegenhainer Grafen wurde Gericht auf dem Frauenberg gehalten. Nach dem Aussterben der Grafen fiel 1450 die Gerichtsbarkeit an Hessen.

Später gab es in Oberaula ein Amtsgericht, das 1969 ganz aufgelöst wurde. „Bis 1847 war das Amtsgericht im heutigen Gasthaus Zur Linde untergebracht“, erläutert Herget. Mitgeprägt hat den Ort einst eine große jüdische Gemeinde. Die frühere Synagoge, abgerissen wurde sie 1968, befand sich an der Stelle der heutigen Pfarrscheune. Letzte Zeugen sind wertvolle Grabsteine auf dem jüdischen Friedhof.

Schon um die Jahrhundertwende schätzte man Erholungsaufenthalte in Oberaula. Der Gründer des Knüllgebirgsvereins (1884), Forstmeister Hugo Borgmann, warb auf Vortragsreisen für den Knüll und Oberaula. Durch die Entstehung des Verkehrsvereins im Jahre 1955 und die Initiativen der Kreisverwaltung nahm der Fremdenverkehr einen besonderen Aufschwung. Meilenstein in der wirtschaftlichen Entwicklung Oberaulas war der Bau der Eisenbahnstrecke 1906/07, alsbald begann der großflächige Basaltabbau im Nöll.

Backsteine prägen das Bild

Steine prägen bis heute manch markantes Haus im Ort: Maurermeister Weppler aus Friedigerode bereicherte ab 1900 – neben dem Fachwerk – mit der Verwendung von Backsteinen das Ortsbild. Lange Tradition hat in Oberaula das Bäckerhandwerk: Bereits in den 1850er-Jahren eröffnete die Familie Schneider (heute Gronowski) aus Schwarzenborn eine Bäckerei. Weil der Sohn, der erben sollte, verstarb, kehrte der zweite Sohn 1910 aus London zurück: „Dort hatte er es zum Oberschießer – der Name geht auf das Einschießen des Brotes in den Ofen zurück – gebracht. Er eröffnete die Backstube im ersten Stock des Hauses in Oberaula, wie damals so auch in England üblich“, berichtet Herget.

Kommentare