Die weite Welt und wir

Lena Schneider aus Oberaula lebt in Malaysia

Lena Schneider mit ihrem Partner Christoph Hux am indischen Neujahrsfest Deepavali im Oktober 2019. Foto: Foto: loENA SCHNEIDER/NH

In unserer Serie „Die weite Welt und wir“ erzählen Menschen aus unserer Region, die im Ausland leben, ihre Geschichte.

Wenn Lena Schneider nach links aus ihrem Bürofenster schaut, sieht sie in der Ferne graubraune Makaken. Die Affen hangeln sich an grünen Schlingpflanzen von Ast zu Ast. Schweift ihr Blick dann auf die andere Seite, sieht sie einen riesigen grauen Industriekomplex. Dort ist die Landebahn des Flughafens von Penang in Malaysia zu sehen. Der Flughafen grenzt an den B. Braun-Standort in Penang. „Es sind zwei völlige Gegensätze“, sagt die 28-jährige Oberaulaerin. Sie lebt seit eineinhalb Jahren auf der Insel Penang und arbeitet dort für B. Braun Medical Industries.

Traumhafte Strände wie hier in Layan-Layangan findet man in Malaysia. Foto: dpa-bildfunk

Um sich an das Leben im fernen Südostasien zu gewöhnen, habe sie ein ganzes Jahr gebraucht. „Die kulturellen Unterschiede sind einfach sehr groß – auch fernab von der Arbeit“, erzählt sie. Trotzdem denkt sie darüber nach, noch länger in Penang zu bleiben. Sie ist dort im Personalwesen, dem Talent Management für den Bereich Asien-Pazifik, zuständig. Bei B. Braun arbeitet sie insgesamt seit dreieinhalb Jahren. Ihren Freund hat sie bei der Arbeit in Melsungen kennengelernt – auch er arbeitet bei dem Medizintechnikhersteller. Gemeinsam sind sie nach Penang gegangen.

Einen strikt geregelten Arbeitsalltag wie in Melsungen gibt es dort nicht. Das fängt schon beim Verkehr an, erzählt Lena Schneider. „Für den Weg zur Arbeit brauche ich eigentlich 15 Minuten – es können aber auch mal eineinhalb Stunden werden“, sagt sie. „Der Verkehr ist, na ja, sagen wir mal, gewöhnungsbedürftig.“ Linksverkehr, und viele, viele Rollerfahrer, die sich durch den Stau schleichen, machten den Weg zur Arbeit zu einem Abenteuer.

Ihre Wohnung ist 15 Kilometer von ihrem Arbeitsplatz entfernt. Mit der Wohnungssuche habe es keine Probleme gegeben. Vor dem Auslandsaufenthalt gibt es einen „Look-and-see-trip“ (Besichtigungstour). Ein Makler ist dann dabei, der einem die Wohnung vorstellt. Lena Schneiders etwa 160 Quadratmeter große Wohnung liegt am Meer. Das Wasser sei aber nicht sehr sauber, sagt Schneider. „Durch die Industrie hat das Meer Schaden genommen – das sieht man“, sagt sie. Trotzdem genießt sie den Ausblick.

In ihrer Freizeit versuchen sie und ihr Freund, so viel wie möglich von Asien kennenzulernen. „George Town ist eine sehr lebendige Stadt – dort sind wir fast jedes Wochenende“, sagt sie. Die populären Nachtläufe über die Penang-Bridge, die zum Malaysischen Festland führt, seien eine Attraktion, die es auf Penang zu entdecken gibt.

Am B. Braun-Standort arbeiten 7700 Mitarbeiter. Der Großteil ist muslimisch, der andere Teil kommt aus China und Indien. Aus Melsungen sind es 15 Kollegen. „Die Vielfalt prägt das Kollegium“, sagt Schneider. Täglich hört sie bis zu vier Sprachen. Sie selbst habe malaysisch gelernt.

Lena Schneiders Schwerpunkt bei der Arbeit liegt im Vertrauensmanagement. Sie beurteilt die Mitarbeiter nach ihrer Leistung. „Denn das Gehalt der Mitarbeiter ist an ihre Leistung gekoppelt“, erklärt sie. Dafür führt sie Gespräche mit den Mitarbeitern. Gemeinsam arbeiten sie die Ziele für den Mitarbeiter und die Firma heraus. In Malaysia gibt es einen Mindestlohn – der liegt bei 1200 Ringgit, also umgerechnet etwa 260 Euro im Monat.

Was das Essen angehe, habe die 28-Jährige viel Zeit benötigt, um sich daran zu gewöhnen. „Was bei uns das ‘Hallo, wie geht es?’ ist, ist hier das ‘Was hast du heute gegessen?’“, witzelt sie. „Essen nimmt einen viel höheren Stellenwert im Alltag ein als bei uns“, sagt sie. In der Kantine wird halal zubereitet. Schweinefleisch ist absolut tabu. „Ich habe einmal Schweinebratwürstchen im Kühlschrank gelagert – das kam gar nicht gut an.“

Lockerer geht es im Großraumbüro zu: Die Mitarbeiter wechseln täglich die Schreibtische, erzählt die 28-Jährige. Da kann dann jeder mal die Affen am Morgen beobachten oder aber den Smog zwischen den grauen Gebäuden.

Von Linett Hanert

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