Ein Leben für den Laden

Jutta und Konrad Rös schließen ihr kleines Familienunternehmen in Oberaula

Mitten in Oberaula, direkt an der B 454, liegt das Haus der Familie Rös. Nach der Schließung steht es zum Verkauf.

Oberaula. Zum letzten Mal und endgültig wird Konrad Rös die Ladentür seines Geschäftes an der Niederrheinischen Straße in Oberaula am Samstag, 30. September, abschließen.

Seit 70 Jahren gibt es das Textilgeschäft im Zentrum der Knüllgemeinde. Gegründet wurde es seinerzeit von dem Heimatvertriebenen Anton Hub und seiner Frau in Kooperation mit Anneliese und Georg Rös unter der Firmenbezeichnung „A. Hub und Co. Textil, Kurz und Seilerwaren“. 1958 trat Konrad Rös in das Geschäft ein. „Mein Vater war auch mein Lehrherr“, erzählt er. Nach der Hochzeit führte er gemeinsam mit seiner Ehefrau bis heute unter dem Namen „A. Rös Textilhaus“ das kleine Familienunternehmen. Jetzt ist Schluss.

„Es geht gesundheitlich einfach nicht mehr und ein Nachfolger war nicht zu finden“, berichtet das Ehepaar. Der 73-Jährige sitzt nach einer Beinamputation im Rollstuhl, die 67-jährige Ehefrau war im vergangenen Jahr lebensgefährlich erkrankt. „Die Kinder und Enkel helfen zwar so gut es geht“, sagt Konrad Rös, „aber die haben ihre eigenen Berufe und ihr eigenes Leben aufgebaut und kein Interesse an dem Geschäft.“

„Der Laden war mein Leben“, sagt er und kämpft gegen eine Träne im Auge. So richtig mag er sich das Leben ohne den Kontakt zu den Kunden und die tief verwurzelten Routinen des Alltags noch nicht vorstellen. Angesichts der täglichen Belastung freut sich Jutta Rös hingegen eher darauf, dass jetzt bald Schluss ist. „Jetzt setzen wir uns zur Ruhe und zanken uns ein bisschen“, meint sie mit einem Augenzwinkern.

Ein breites Sortiment hatten die Rösens zuletzt im Angebot. Kleidung und Wäsche für Frauen und Männer, Tisch- und Bettwäsche, Kurzwaren vom Reißverschluss über Wolle bis zum Stopfgarn. Ergänzt wurde dies durch Tabakwaren, Zeitschriften, Postkarten und Souvenirs. Für zusätzliche Kunden sorgte die Lottoannahmestelle.

Mitten in Oberaula, direkt an der B 454, liegt das Haus der Familie Rös. Nach der Schließung steht es zum Verkauf.

So traf man sich in dem Geschäft nicht nur zum Einkaufen, sondern nutzte den Besuch dort zu einem kleinen Plausch oder verabredete sich gar zu einem Vormittagskaffee oder Feierabendbier an den runden Tisch, der mitten im Laden seinen Platz hat.

Der Umzug von Jutta und Konrad Rös in eine seniorengerechte Wohnung ist bereits im Gange. Bis Ende September aber werden sie noch in ihrem Laden das verkaufen, was noch da ist. „Alles muss raus, die Ware und auch die Theken und Kleiderständer. Wir haben jetzt nur noch vier Preise“, sagt Konrad Rös. „Ein, zwei, fünf und zehn Euro.“ Was dann noch übrig ist wollen sie spenden, an das DRK, das Kleiderstübchen oder andere karikative Einrichtungen. Möglich ist auch das Einschalten eines professionellen Resteverkäufers. Das große Haus mit 28 Zimmern über drei Etagen und fast 150 Quadratmetern Ladenfläche steht ebenfalls zum Verkauf. Somit weiß heute niemand, ob der Laden je wieder geöffnet wird. (lö) 

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