Künstler aus Olberode

Jaruslav Beck: Metall ist sein Element

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Detailverliebt: Jaruslav Beck liebt den Umgang mit dem kühlen Werkstoff Metall.

Olberode – Ein angepasstes Durchschnittsleben kommt für Jaruslav Beck nicht in Frage. Der 55-Jährige braucht Freiraum für sein künstlerisches Talent.

Der Künstler steht zu, wie er selbst sagt: „Seinen erworbenen Ecken und Kanten und auch zu seinen verteilten und erhaltenen Narben“.

Fast täglich zieht es den Olberöder in seine Metallwerkstatt, wo im Winter ein Holzofen für Behaglichkeit sorgt und auch gute Musik nicht fehlen darf.

Beck liebt die Vielfalt und so kann er nicht nur in seinem Lebenslauf auf unterschiedlichste Berufsausbildungen blicken, sondern auch im künstlerischen Handwerk auf Bilder, Grafiken, Metallskulpturen in Armlängen-Größe bis hin zu monumentalen Objekten von fast sechs Metern Höhe stolz sein. Schornsteinfeger, Altenpfleger, Sterbebegleiter und eben Metallgestalter finden sich als berufliche Stationen in der Vita des 55-jährigen. „Die Ehrlichkeit und Offenheit der Menschen, die kurz vor dem Tod nichts mehr zu verlieren haben, hat mich ermutigt, den Weg der Kunst zu gehen, um mir selbst im Leben nichts mehr vorzumachen“, erklärt der Künstler, dem es wichtig ist, dass seine Skulpturen, seien sie auch aus noch so hartem und kalten Material gefertigt, eine gewisse Leichtigkeit zeigen und vor allem mit viel Sorgfalt und Detailverliebtheit gefertigt sind.

„Da arbeite ich an einer Krawatte der Skulptur schon einmal 40 Stunden“, so Beck, der auch den Beruf des Schneiders als Weg für sein künstlerisches Talent in Betracht gezogen hatte. So hat Beck seinem metallenen Mieder der Skulptur „Maria Magdalena“ auch jeden einzelnen Saumstich von Hand eingemeißelt. Selbst ein Wäschezeichen gäbe es an der Skulptur zu entdecken.

Jedem Großformat geht eine kleine Metallskulptur als Modell voraus, doch dennoch ist jedes Werk ein handwerkliches Unikat. Computer- oder Lasertechnik nutzt Beck nicht. Beck, der heute neben seinem künstlerischen Dasein in einer klassischen Metallbauwerkstatt arbeitet, fertigt neben den Skulpturen, auch kunstvolle Stühle oder auch schon mal einen Grabstein, der in Form eines Buches mit dem Namen des Verstorbenen versehen ist und im Todesfall des Partners mit dessen Namen zum Gedenken um eine Buchseite ergänzt wird.

Er lässt aber auch schon mal einen frechen Pinguin für des Nachbars Hoftor entstehen, wo inzwischen auch sein gefertigtes Konterfei von Udo Lindenberg einen Platz gefunden hat. „Ich liebe die Kunst und freue mich auf die Zeit, wenn ich als Rentner noch mehr Zeit habe“, so Beck, der seinen Traum ganz von der Kunst zu leben auf spätere Jahre verschob, weil ihm das „Anpreisen“ seiner Werke nicht lag. „Da bin ich einfach nicht der Typ für.“

Dennoch waren seine Werke schon auf Ausstellungen in ganz Deutschlands zu sehen. Ein Werk schaffte es ins Deutsche Museum für Buch und Schrifttum in Leipzig, ein weiteres nach St. Alfio auf Sizilien und auch am Frankfurter Riedberg hat der „Schlittenjunge“ seinen bleibenden Platz gefunden. (rzd)

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