Erfolgreich im Job trotz Behinderung

Jana Pistor sitzt im Rollstuhl und hat Kontakte in die ganze Welt

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Fühlt sich wohl an ihrem Arbeitsplatz: Jana Pistor (Mitte) hält von hier aus Kontakt zu Menschen rund um den Globus. Bei Fragen und Problemen hilft Kollegin Sissy Sepp (rechts). Ansprechpartner Joachim Pankow (links) von der Arbeitsagentur in Bad Hersfeld beriet und unterstützte das Unternehmen.

Wegen eines Nervendefekts im Rücken ist Jana Pistor aus Breitenbach am Herzberg seit ihrer Geburt querschnittgelähmt. Nichtsdestotrotz ist sie voll im Berufsleben angekommen.

Der Weg, den die 26-Jährige bis zu ihrer jetzigen Anstellung bei der Eco-Consult GmbH in Oberaula zurücklegen musste, war nicht leicht. Eigentlich führt die junge Frau, die sich selbst als „Musikfreak“ bezeichnet, ein ganz normales Leben. Sie verreist gern, geht auf Konzerte. „Durch meinen Großvater bin ich mit klassischer Musik aufgewachsen“, sagt sie. Das prägt ihren Geschmack bis heute.

Aber sie musste erleben, dass die Jobsuche für Menschen mit Behinderung sehr schwierig sein kann. 150 Bewerbungen hat sie geschrieben. Nur zehn Betriebe meldeten sich überhaupt zurück. „Fünf davon lehnten mich ab, weil sie nicht behindertengerecht seien“, erzählt sie. Bei den restlichen fiel die Antwort noch drastischer aus: „Wir stellen Sie nicht ein, weil Sie behindert sind.“

Anstellung durch persönliche Verbindung 

Dabei ist Jana Pistor qualifiziert, hat eine kaufmännische Ausbildung in der Diakonieeinrichtung Hephata absolviert. Dass sie jetzt eine Anstellung hat, liegt insbesondere an persönlichen Verbindungen. „Meine Erkenntnis ist, dass die meisten Leute Menschen, die im Rollstuhl sitzen auch als Menschen mit geistiger Behinderung wahrnehmen“, berichtet sie. Das sei auch ein Grund für die vielen Absagen gewesen.

Bei der Eco-Consult kümmert sich Jana Pistor um die Personal-Datenbanken. Sie hält den Kontakt zu den potenziellen Arbeitskräften aus der ganzen Welt und sorgt dafür, dass die Daten immer aktuell sind. Die sind für die Firma von elementarer Bedeutung. Denn Bewerbungen für Ausschreibungen im Ausland erfolgen oft sehr kurzfristig. Die Eco-Consult betreut Projekte in der internationalen Entwicklungsarbeit.

Tochter des Chefs als Patin 

Ihre Patin im Unternehmen ist Sissy Sepp, die Tochter von Geschäftsführer Dr. Dietrich-Steve Sepp. Sie hilft der jungen Breitenbacherin bei Fragen und Problemen. „Eigentlich war es kein großer Unterschied“, findet sie. Nur logistisch gab es kleinere Schwierigkeiten: „Eine Führung durchs Haus war nicht möglich.“

Das Gebäude des Firmensitzes in Oberaula ist zu großen Teilen nicht barrierefrei. Damit Jana Pistor trotzdem zu ihrem Arbeitsplatz kommt, musste umgebaut werden. Dabei stand die Arbeitsagentur dem Unternehmen beratend und finanziell zur Seite.

Das Fazit von Eco-Consult-Chef Dr. Dietrich-Steve Sepp ist durchweg positiv: „Mit der Unterstützung durch die Arbeitsagentur ist es für uns eine Win-Win-Situation.“

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