Ofenfrisch in die Zukunft

Mit einer Schnapsidee zum neuen Backhaus in Friedigerode

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Viele Gäste begrüßte der Vorsitzende der Thekenmannschaft Friedigerode, Dirk Mehlstäubl, im neuen Backhaus.

„Am Anfang der schönsten Geschichten steht immer eine Schnapsidee“, zitierte Ortsvorsteher Ewald Manz die Schlagersängerin Mary Roos.

Dann setzte er mit den Worten „Ein bescheuerter Plan“ (Zitat Roos), und weiter „Wir bauen in Freierod ein neues Backhaus und die EU bezahlt's!" noch einen oben drauf.

Dann konnte Manz aber während der Einweihung des neuen Backhauses auf dem Friedigeröder Festplatz neben dem Dorfgemeinschaftshaus vor knapp zwei Wochen etliche weitere Freiererer Schnapsideen aufzählen, die im Endeffekt zu Erfolgsgeschichten geworden sind. Dazu gehörten unter anderem die Gründung der Thekenmannschaft als solches und die Durchführung eines jährlichen Backhausfestes als eine der ersten Vereinsaktivitäten Ende der achtziger Jahre.

Als aber mit Schließung des Gasthauses zur Krone das letzte von acht im Dorf befindlichen Backhäuser verschwand, konnte man zwar das Fest erhalten, indem Brot und Kuchen bei dem Oberaulaer Bäcker Martin Schneider in den Ofen geschoben wurden. „Dadurch fehlte aber die Hauptattraktion wie das Herausnehmen der frisch gebackenen Brote und Kuchen aus dem Ofen, was immer von vielen begeisterten Zuschauern verfolgt worden war“, sagte der Vorsitzende der Thekenmannschaft Friedigerode, Dirk Mehlstäubl.

Überzeugungsarbeit

Gemeinsam mit dem Heimat- und Kulturverein entwickelte man die Idee zum Bau eines neuen Backhauses. Die stellt man 2012 dem Gemeindevorstand vor und war dabei immerhin so überzeugend, dass dieser zumindest nicht „Nein“ sagte. „Bevor aber eine Finanzierung mit Hilfen geldgebender Unterstützer nicht gesichert war, wären alle weiteren Gedanken über das Backhaus zum Scheitern verurteilt gewesen“ erläuterte Mehlstäubl. Es folgten viele Gespräche und Verhandlungen, Beantragung von Fördergeldern und die Suche nach Sponsoren bis im August 2017 endlich mit dem Bau begonnen werden konnte.

Das „Einbacken des neuen Backofens“ sei 2018 nicht nur eine mühselige, sondern auch sehr gesellige Veranstaltung gewesen, berichtete Bürgermeister Klaus Wagner. Durch die Wärme habe es „reichlich Durst gegeben“ und die Backhausbesichtigung sei ziemlich „anstrengend“ geworden.

Zudem war sich der Bürgermeister sicher, dass jetzt in dem 230 Seelendörfchen das „neuste Backhaus der Bundesrepublik Deutschland“ stehe. Man habe mit der Entscheidung für Tradition und Heimat ganz bewusst eine Verbindung aus der Vergangenheit in die Zukunft geschaffen, stellte der Vizelandrat des Schwalm- Eder-Kreises, Jürgen Kaufmann, fest.

Rund 20.000 Euro wurden für Material und Bauaufträge investiert. Dazu kamen noch mehrere tausend Euro an Eigenleistung der Friedigeröder, die auch den modernen Ofen, der als Bausatz geliefert wurde, selbst eingebaut haben. Mit fast 10.000 Euro beteiligte sich die LEADER- Förderung an dem Projekt, rund 7000 Euro kamen an Spenden zusammen und knappe 3000 Euro wurden der Vereinskasse entnommen. Die Gemeinde habe die Kosten für die Baugenehmigung übernommen, teilte der Bürgermeister schmunzelnd mit: exakt 100 Euro.

Bei frischem Brot, jeder Menge dem Ofen heiß entnommener Bleche mit süßen und deftigen Kuchen konnten sich die Friedigeröder aufs Angenehmste davon überzeugen, dass der bescheuerte Plan aufgegangen und der Fortbestand des alljährlichen Backhausfestes gesichert ist.

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