Im Porträt

Marie-Luise von Dörnberg - Unerschrocken und mit Elan

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Das ist doch ...! Gemeinsam alte Fotos angucken macht Marie-Luise von Dörnberg, ihrer Tochter Donata und ihren Urenkeln Fernanda, Stella und Gustav Freude.

Hausen – Aufgaben hat Marie-Luise von Dörnberg stets unerschrocken und mit Elan angepackt. Das war schon als junges Mädchen so, als sie sich in Hans-Eppo von Dörnberg verliebte.

Von Landwirtschaft hatte sie, obwohl auf dem Land in Groß-Karben im Kreis Friedberg aufgewachsen, wenig Ahnung. Doch da klar war, dass sie mit ihrem Mann einen Hof würde übernehmen müssen, absolvierte sie ein halbes Jahr auf einem Bauernhof, wo sie das Nötigste lernte, unter anderem, wie man Wäsche richtig aufhängt oder Hühner schlachtet.

Im Jahr 1950, da war Marie-Luise von Dörnberg noch keine 20 Jahre alt, übernahm sie dann den großen Haushalt, kochte jeden Tag für 20 Leute, denn auch die Angestellten wurden mit verköstigt. Auch kochen konnte die junge Frau da nicht wirklich. Funktioniert hat es trotzdem. „Ich esse viel zu gerne, als dass ich etwas Schlechtes kochen würde“, sagt sie.

„Learning by doing – Lernen, während man etwas tut“, war immer ihr Prinzip. Denn schließlich galt es, nicht nur jeden Tag etwas Schmackhaftes auf den Tisch zu bringen, sondern auch die Ernte einzukochen und haltbar zu machen. „Wir haben jeden kleinen Apfel aufgesammelt, geschält und verarbeitet“, erinnert sich ihre Tochter Donata von Schenck zu Schweinsberg. Vier Kinder hat Marie-Luise von Dörnberg zur Welt gebracht und großgezogen.

Nicht alles funktionierte so, wie es sollte. Als die von Dörnbergs ihren Hof auf biologisch-dynamische Landwirtschaft umstellten, ließen die Erträge zu wünschen übrig. Um finanziell über die Runden zu kommen, wurden Hühner angeschafft, die eifrig Eier legten. Jeden Morgen um 6 Uhr ging von Dörnberg durch die Ställe und sammelte hunderte von Eiern ein. Die lieferte sie dann an die Bundeswehr und ein Kirchheimer Hotel, zum Teil wurden sie auch von einer Eierfrau abgenommen, erzählt die alte Dame, die heute 88 Jahre alt ist.

Als die Kinder groß waren, hatte Marie-Luise von Dörnberg das Bedürfnis, noch einmal etwas Neues anzufangen. „Ich wollte gerne einen Abschluss haben“, sagt sie. Und so begann sie mit 46 Jahren ein Studium der Sozialpädagogik in Fulda. Das konnte sie sich so gestalten, dass sie nachmittags wieder zu Hause war. Nach dem Abschluss arbeitete sie zunächst in Sassen, einer anthroposophischen Einrichtung in der Nähe von Schlitz. 1979 gründete Marie Luise von Dörnberg den Lebens- und Arbeitskreis Hausen, eine Einrichtung für psychisch erkrankte Menschen. So wurde im Hofgut Hausen das Gutshaus für diesen Zweck eingerichtet und im Dezember 1979 die ersten Bewohner aufgenommen. Die Landwirtschaft wurde verpachtet.

Fast 40 Jahre lang hat Marie Luise von Dörnberg all ihre Energie und sehr viel Liebe praktisch rund um die Uhr in ihr Projekt gesteckt. „Urlaub brauche ich nicht“, habe sie immer gesagt, erzählt ihre Tochter. Ihren Schützlingen, von denen viele dauerhaft blieben, war sie mütterliche Ratgeberin und Betreuerin zugleich. Noch heute – seit zwei Jahren ist sie im Ruhestand – kommen viele regelmäßig zu Besuch. Wichtig war Marie-Luise von Dörnberg, den von ihr betreuten Menschen sinnvolle Arbeit anzubieten. Es gab Werkstätten, Bienenvölker und einen großen Gemüsegarten, der auch zur Versorgung der Einrichtung diente.

„Ich hatte ein erfülltes Leben“, sagt die 88-Jährige heute zufrieden. „Ich würde nichts anders machen.“ Und sie freut sich, wenn ihre Kinder, neun Enkel oder zwölf Urenkel zu Besuch kommen.

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