Viele Duschen und Toiletten geschlossen

Manchmal muss ein Eimer her: Lastwagenfahrer und ihre Erfahrungen mit der Coronakrise

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Bis zu 14 Tagen „wohnt“ Karl-Heinz Busch in seinem Lkw: Auf das Corona-Virus hat er sich gut vorbereitet, auch mit unkonventionellen Lösungen. Die Einsamkeit allerdings lässt viel Zeit zum Nachdenken. Trotzdem liebt er seine Arbeit.

Zwischenstopp am Kirchheimer Dreieck: Lastwagenfahrer berichten über ihre Erfahrungen in der Corona-Krise. 

Mit „Nix Deutsch“ wehren die meisten Lkw-Fahrer trotz deutschen Kennzeichens jeden Versuch, mit ihnen auf dem Rasthof am Kirchheimer Dreieck ins Gespräch zu kommen schon beim Näherkommen ab. „Ich Polski“, blockt ein weiterer, der gerade mit einem Gaskocher auf einer Pfanne vor seinem Lkw ein zumindest optisch ansprechendes Gulasch oder Ähnliches zubereitet und ein wunderbares Fotomotiv abgegeben hätte.

„Ich mach’ nur meine Zwangspause“, entschuldigt sich Karl-Heinz Busch, weil er seinen Lastzug ziemlich unkonventionell geparkt hat, als er die Tür öffnet und sich einen Mundschutz umlegt. Vier Stunden und 31 Minuten, also eine Minute zu lang, sei er jetzt gefahren, da bleibe keine Zeit für langes Einparken, erklärt der Fahrer aus Erkenrath. Aktuell ist er mit einer Ladung Rohren aus Senden im Münsterland nach Königsberg in Unterfranken unterwegs. Viel mehr weiß er noch nicht, außer, dass er vermutlich die nächsten 14 Tage in seinem Truck verbringen wird. Und Corona? „Hör mir uff. Kannst ja kein Radio mehr hören, nur Corona, Corona, Corona. Und abends am Fernsehen genau so.“

Auf „die Merkel“ ist er nicht so gut zu sprechen. Alles lahm legen, aber Flüchtlinge ins Land holen. „Wenn du zwei Wochen alleine auf dem Bock sitzt, da kommen dir schon so manche Gedanken“, echauffiert sich der 57-Jährige. Ansonsten fühlt er sich recht sicher, aber ohne Mundschutz und Handschuhe verlässt er sein Reich nicht. „Ich fass nix an.“ Nur die vielen geschlossenen Toiletten und Duschen nerven ihn. „Und wenn mal eine Station offen ist, dann willst du die lieber gar nicht benutzen.“ Er greift neben den Fahrersitz und bringt einen Eimer und eine Toilettenrolle zum Vorschein. „Plastikbeutel rein, hinterher zuknoten und ab in die nächste Mülltonne“, erläutert er knapp.

Da meldet sich der Disponent: Karl-Heinz kann erst morgen früh abladen. Eine gute Nachricht. Jetzt hat er Zeit und kann die Fahrt auf der fast pkw-freien Autobahn genießen, und dass er die Nacht in der Kabine schlafen würde, war ja so wieso klar.

Manche Touren führen Siegfried Traub abends nach Hause. Oft aber muss er auch in seiner Kabine übernachten.

Mit der riesigen Werbung für einen Arzneimittelhersteller scheint ein ankommender Sattelzug für eine Geschichte rund um die Pandemie geradezu prädestiniert, aber Fehlanzeige: Siegfried Traub transportiert Tiefkühltorten von Osnabrück nach Ulm. Da wohnt er auch und wenn alles gut läuft, kann er den Abend zu Hause verbringen.

Manchmal ist aber auch er mehrere Tage in seinem Laster unterwegs, und bei den Kollegen auf den Raststätten gar nicht gern gesehen, weil das Kühlaggregat die ganze Nacht lang Lärm macht. Aber Kontakte mit anderen Fahrern gäbe es so wieso kaum mehr. „Spricht ja kaum noch einer Deutsch“.

Mit der Verpflegung gäbe es keine Probleme, sagt Traub, und will jetzt erst mal im Rewe eine Vesper einkaufen. Auch mit den vielen geschlossenen Raststätten sei er bislang gut klar gekommen: „Man muss halt die Augen offen halten.“ Von den vielen Lobeshymnen an die Trucker bezüglich der „Retter und Helden in schwierigen Zeiten“ hat er im Radio gehört. „Hab’ ich was davon?“, fragt er, greift symbolträchtig an die rechte Gesäßtasche seiner Hose und macht sich gut gelaunt auf den Weg zum Supermarkt.

Und dann ist da noch ein junger Fahrer, der gerade in seinen weißen Solo-Lkw klettert. Der will eigentlich gar nichts sagen „zu dem Mist“, und ein Bild von ihm in der Zeitung lehnt er kategorisch ab. Aber dann kommt doch noch so viel: Er heißt Klaus, kommt aus Melsungen und ist nur im Nahverkehr unterwegs. „Von mir aus können die alle Rasthäuser und Lokusse zumachen“, sagt er lapidar, „ich bin abends zu Hause. Da wartet meine Liebste mit einem leckeren Essen und außerdem“, ergänzt er und lacht er verschmitzt, als er die Tür zu seinem Fahrerhaus zuzieht, „bietet Duschen zu Hause ja auch noch ganz andere Möglichkeiten.“ lö

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