Stutz ist froh, sie zu haben

Vier Flüchtlinge lernen bei Kemmeröder Tief- und Straßenbauunternehmen

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Die Messlatte liegt hoch für Sher Ahmad Hakimi, Ashequallah Noori, Meron Berhane-Gebreigziabbher und Abdul Halim Kharrotay. Marenge und Björn Stutz (von links) sind froh darüber, dass die Vier die Ausbildung zum Straßenbauer in ihrem Betrieb absolvieren. Meron hat nach zweijähriger Ausbildung kreisweit die beste Abschlussprüfung abgelegt. 

Kemmerode. Insgesamt 16 Auszubildende beschäftigt derzeit die Firma Stutz GmbH, Tief- und Straßenbau, in Kirchheim-Kemmerode in den Bereichen Straßenbau, Baugeräteführer, Land- und Baumaschinenmechatronik und im kaufmännischen Bereich. Vier von ihnen sind Flüchtlinge. 

Der 30-jährige Meron Berhane-Gebreigziabbher kommt aus Eritrea, ist seit etwa vier Jahren in Deutschland und wohnt jetzt mit Frau und zwei Kindern in Bad Hersfeld. Er spezialisiert sich momentan im dritten Ausbildungsjahr auf den Bereich Straßenbau. Den Abschluss als Tiefbaufacharbeiter hat er als kreisweit Bester absolviert.

Aus Afghanistan kommen Abdul Halim Kharrotay, 25 Jahre, der 28-jährige Sher Ahmad Hakimi und Ashequallah Noori, 22 Jahre. Die drei sind unabhängig voneinander vor zwei bis drei Jahren nach Deutschland geflüchtet und über die Erstaufnahmeeinrichtung Gießen auf einigen Umwegen nach Kirchheim gekommen. Über das Bildungszentrum Bau Osthessen in Bebra (BBO), die sogenannte Lehrbaustelle, kamen die vier jungen Männer zunächst als Praktikanten nach Kemmerode und absolvieren jetzt ihre Ausbildung als Straßenbauer.

Zunächst habe es seitens der Belegschaft einige Vorbehalte gegenüber den Flüchtlingen gegeben, was aber in erster Linie auf Kommunikationsprobleme zurückzuführen sei, berichtet Juniorchef Björn Stutz: „Unsere Arbeit auf Straßen und Autobahnen ist nicht ungefährlich. Da ist es ein Problem, wenn man seine Mitarbeiter wegen Verständigungsproblemen nicht vor Gefahren warnen kann.“

Mittlerweile sind die Azubis fest integriert, was nicht zuletzt daran liegt, dass sie ihre Deutschkenntnisse auf verschiedenen Wegen ständig verbessern. Problematisch sei lediglich das Erreichen der verschiedenen Schul-, Ausbildungs- und Weiterbildungsorte, erläutert Marenge Stutz. Hier seien die Azubis auf den öffentlichen Nahverkehr angewiesen und das sei schwierig und sehr zeitaufwendig.

„Wir sind sehr froh, dass wir sie haben“, sagt Seniorchef Hans-Georg Stutz und verweist auf die Probleme, deutsche Azubis für das Baugewerbe zu gewinnen. Zudem lobt er die große Lern- und Arbeitsbereitschaft und den Einsatzwillen der Flüchtlinge, weil auch schlimme Erlebnisse während der Flucht die jungen Männer geprägt hätten.

Betroffenheit macht sich breit in der Gesprächsrunde, als Meron, Abdul, Sher und Ashequallah erzählen von Todesangst, von stundenlangem Treiben auf dem Mittelmeer in einem überfüllten Schlauchboot mit defektem Motor, von Menschen, die direkt rechts und links neben ihnen erschossen wurden, oder von Leidensgenossen, die plötzlich aus der Gruppe heraus verschleppt oder verhaftet wurden, und von denen sie danach nie wieder etwas gehört oder gesehen haben. (lö)

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