Immer wieder führt Fehlverhalten von Kraftfahrern zu Behinderungen

Rettungsgasse dicht: Einsatzkräfte auf A4 behindert

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Oft wird es eng: Immer wieder kommt es durch das Fehlverhalten von Kraftfahrern dazu, dass Rettungswagen nicht an die Einsatzstelle gelangen. Rettungsgassen werden oft nicht gebildet oder sofort von dreisten Verkehrsteilnehmern wieder zugefahren. 

Kirchheim. Bei Unfällen auf der A 4 rund um Kirchheim und Bad Hersfeld kamen die Einsatzkräfte in den vergangenen Tagen nur auf Umwegen und mit Verspätung zu den Unfallorten oder blieben in den Staus auf den völlig zugestellten Autobahnen komplett stecken.

Lastkraftwagen, verteilt über sämtliche Fahrstreifen, Personenwagen, die sinnlos die Spuren wechseln und quer zur Fahrtrichtung die Strecke versperren, Fahrer, die ihre Autos „mitten auf der Gasse“ abgestellt haben, derweil sie im Wald pinkeln oder ihren Vierbeiner auf dem verstopften Highway ausführen, Autofahrer, die einfach nicht an den linken oder rechten Fahrbahnrand steuern: das sind die Situationen, die die Fahrer von Polizeiautos, Rettungswagen und Feuerwehrfahrzeugen regelmäßig zur Verzweiflung bringen.

Video: Fehlende Rettungsgasse behindert Einsatzkräfte

23.03.2018, Hessen, Wiesbaden: Ein Polizeibeamter sitzt in einem Polizeifahrzeug in dem eine Action-Cam an der Frontscheibe montiert ist. Damit könnten die Beamten auf dem Weg zum Einsatzort ohne Zeitverlust das Einhalten der Rettungsgasse dokumentieren und das Filmmaterial nach dem Einsatz sichten. Foto: Andreas Arnold/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Immer wieder sorgen fehlende Rettungsgassen nach Unfällen auf der Autobahn für Chaos und Verspätungen bei den Einsatzkräften. Auch auf der A4 rund um Kirchheim und Bad Hersfeld gab es zuletzt wieder Probleme.

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In dem Wissen, dass sie weiter vorne dringen gebraucht werden, ein Mensch dort möglicherweise gerade um sein Leben ringt, verlieren sie wertvolle Zeit im wilden Verkehrswirrwarr, in dem weder Blaulicht noch Martinshorn ein Durchkommen ermöglichen. Und haben sie es endlich geschafft, dann sehen sie in ihren Rückspiegeln, wie besonders dreiste Fahrer versuchen, in ihrem Windschatten an den Anfang des Staus zu gelangen, ein paar noch Schlimmere durch die Rettungsgasse entgegen der Fahrtrichtung die nächste (letzte) Ausfahrt zu erreichen versuchen oder sich im besten Fall die Gasse einfach wieder schließt. Danach wird es immer schwieriger für nachfolgende Kollegen oder Abschleppwagen durchzukommen, weil der Raum zum Platz machen und zum Rangieren immer enger wird. Am Ende schaden sich die „Stauer“ dabei nur selbst, denn wo keiner mehr durch kommt, kann auch keiner mehr aufräumen und die Fahrbahn wieder frei geben.

„Dabei ist es so einfach“, sagt Jürgen Gleitsmann vom Sonderdienst der Autobahnpolizei Bad Hersfeld: „Wer auf der linken Spur fährt, fährt nach links bis an die Leitplanke, alle anderen – egal ob zwei, drei oder noch mehr Fahrstreifen – fahren nach rechts.“ Wichtig dabei sei, die Rettungsgasse bereits zu bilden, wenn sich ein Stau abzeichne und nicht zu warten, bis von hinten „Blaulicht droht“. Auch nach dem Durchfahren der Einsatzfahrzeuge muss die Rettungsgasse in jedem Fall offen gehalten werden.

Wie der Polizeisprecher Jürgen Gleitsmann und sein Kollege Carsten Sippel sowie Sebastian Sommer von der Feuerwehr ihre Einsätze auf der A 4 erlebt haben, sehen sie in einem HZ-„Spezial“-Video.

Die rechtliche Grundlage und Strafen

Seit dem 14. Dezember 2016 ist die Bildung einer Rettungsgasse in § 11 Abs. 2 der Straßenverkehrsordnung (StVO) wie folgt geregelt: „Sobald Fahrzeuge auf Autobahnen sowie auf Außerortsstraßen mit mindestens zwei Fahrstreifen für eine Richtung mit Schrittgeschwindigkeit fahren oder sich die Fahrzeuge im Stillstand befinden, müssen diese Fahrzeuge für die Durchfahrt von Polizei- und Hilfsfahrzeugen zwischen dem äußerst linken und dem unmittelbar rechts daneben liegenden Fahrstreifen für eine Richtung eine freie Gasse bilden.“ Die Standspur gilt gemäß § 2 Straßenverkehrs-Ordnung (StVO) nicht als Bestandteil der Fahrbahn und darf deshalb nicht regulär befahren werden. Nur im äußersten Ausnahmefall, bei Schrittgeschwindigkeit und entsprechend vorsichtiger Fahrweise darf die durchgehende Fahrbahnbegrenzungslinie zum Seitenstreifen überfahren werden, wenn nur dadurch eine ausreichend breite Rettungsgasse gebildet werden kann. Der Seitenstreifen darf hingegen benutzt werden, wenn er durch das Verkehrszeichen 223.1 zum regulären Befahren freigegeben ist oder die Fahrzeuge durch die Polizei dorthin geleitet werden. 

Wer bei Schrittgeschwindigkeit oder wenn sich die Fahrzeuge im Stillstand befinden die Rettungsgasse nicht vorschriftsmäßig bildet, begeht eine Ordnungswidrigkeit (§ 49 Abs. 1 Nr. 11 StVO) und muss mit einem Bußgeld in Höhe von 200 Euro und 2 Punkten im Fahreignungsregister rechnen. Bei Behinderung: 240 Euro, 2 Punkte, 1 Monat Fahrverbot. Mit Gefährdung: 280 Euro, 2 Punkte, 1 Monat Fahrverbot. Mit Sachbeschädigung: 320 Euro, 2 Punkte, 1 Monat Fahrverbot (Quelle: StVO). (lö)

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