Schwurgericht in Fulda:

Prozess um Messerstecherei in Kirchheim: Todesursache war Verbluten

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Der Prozess um die Messerstecherei in Kirchheim geht weiter.

Fulda. Im Prozess um die Messerstecherei von Kirchheim scheint es so, als habe der angeklagte Eritreer zum Kerngeschehen der tödlichen Auseinandersetzung vor dem Fuldaer Schwurgericht die Wahrheit gesagt.

Nach einem Gutachten des Landeskriminalamtes zu Blutspuren auf der Kleidung des verstorbenen Somali und den Erkenntnissen des Rechtsmediziners Prof. Dr. Christoph Birngruber aus Giessen gibt es keine Hinweise auf ein Messergefecht unter den beiden somalischen Mitbewohnern des Angeklagten.

Unbeantwortet bleibt allerdings die Frage nach dem Motiv, warum der Eritreer am 3. September vergangenen Jahres in der Gemeinschaftsunterkunft in der Breslauer Straße mit einem Küchenmesser erst den 32 Jahre alten Somali attackierte und danach dessen 25-jährigen Landsmann.

Ob der erste Angriff wie vom Angeklagten behauptet von dem älteren Somali ausging und der Eritreer diesem das Messer entwinden konnte, bevor er seinerseits zustach, das ist ungeklärt – aber nach der Aussage des Rechtsmediziners auch nicht ausgeschlossen. Dass es unter den drei Asylbewerbern gelegentlich Streit gab, hatten Nachbarn und Betreuer berichtet.

In dem Verfahren hatte es zwischenzeitlich Irritationen gegeben, weil der 39 Jahre alte Eritreer vor dem Haftrichter in Bad Hersfeld von einer Auseinandersetzung unter den beiden Somali berichtet hatte. Diese denkbare Variante hatte die Verteidigung durch mehrere Beweisanträge abgeklopft.

Sicher ist nach Professor Birngrubers Gutachten auch, dass der 32-Jährige durch mehrere Messerstiche in den Magen und die untere Hohlvene verblutet ist. Sein anschließender Sprung durch das geöffnete Küchenfenster aus dem 1. Stock ins Freie hatte auf diese Verletzungen keinen Einfluss mehr.

Mit der Vernehmung einer Ärztin zu den Folgeschäden für den jüngeren Somali, dessen rechte Hand wegen durchschnittener Sehnen nahezu unbrauchbar ist, wird die Beweisaufnahme in diesem Prozess am Montag vermutlich abgeschlossen.

Die Plädoyers von Staatsanwalt Andreas Hellmich, Verteidiger Christian Kusche und der Vertreterin der Nebenklage sollen unmittelbar folgen. Ein Urteil könnte dann am Mittwoch nächster Woche verkündet werden.

Die Kammer mit ihrem Vorsitzenden Josef Richter muss dann entscheiden, ob sich der Eritreer tatsächlich wie angeklagt des Totschlags und des versuchten Mordes schuldig gemacht hat – im Extremfall würde das eine lebenslange Freiheitsstrafe bedeuten.

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