"Sind nicht Mädchen für alles"

Kirchheimer Feuerwehren: Zu viele Aufgaben sorgen für Verdruss 

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Mit Brandschutzehrenzeichen in Silber und Gold wurden ausgezeichnet (von links im Bild mit Urkunde): Mathias Reinmöller, Dieter Hühn (Gold), Andy Battenberg, Jörg Dippel, Achim Steinert (Gold), Christina Hehr, Anke Reuber und Benjamin Frankenstein. Auch mit dabei waren (von links): Landrat Dr. Michael Koch, Bürgermeister Manfred Koch, Gemeindebrandinspektor Thomas Schneemilch und Kreisbrandmeister Udo Mohr. 

Das Ehrenamt stößt an seine Grenzen hieß es bei der gemeinsamen Jahreshauptversammlung der Kirchheimer Feuerwehren. Man könne nicht Mädchen für alles sein.

Drei Sturmtiefs, mehrere heftige Gewitter mit Starkregen und Überschwemmungen, viele Einsätze auf den Autobahnen, Arbeiten, die eigentlich nicht in den Aufgabenbereich der Feuerwehr fallen und leichtsinnige Bürger, die sich und andere in Gefahr gebracht haben, haben die Feuerwehren im Kreis und besonders auch die in Kirchheim im vergangenen Jahr in Atem gehalten. Das berichtete Gemeindebrandinspektor Thomas Schneemilch bei der Jahreshauptversammlung der Kirchheimer Wehren am Freitagabend im Heddersdorfer Dorfgemeinschaftshaus.

Der extreme Sommer, immer mehr Aufgaben und „Nebentätigkeiten“ auch in den Bereichen Verwaltung, Wartung und Herstellung ständiger Einsatzbereitschaft hätten gezeigt, dass das Ehrenamt hier an seine Grenzen stößt. So hätten sich bereits Arbeitskreise gebildet, in denen nach Wegen gesucht wird, sich den veränderten Gegebenheiten und Ansprüchen in vielerlei Bereichen anzupassen. Bezüglich schwieriger Wasserversorgung müsse hier auch über deutliche Veränderungen in den Fuhrparks nachgedacht werden.

Unterstützung erhielt Schneemilch durch Bürgermeister Manfred Koch. Es könne nicht sein, dass Feuerwehrleute unter Lebensgefahr während eines Sturmes Bäume von Straßen entfernten, nur damit diese offen gehalten werden könnten. Ebenso wenig seien die Ehrenamtlichen für Straßensperrungen zuständig. Im Gegenteil seien sie dafür weder ausgerüstet noch ausgebildet. Auch dass die speziellen Förderungen für Autobahn-Feuerwehren stark reduziert wurden oder durch Auflagen und Vorgaben am Ende zu Mehrkosten führten, monierte Koch.

Er bezeichnete die momentane Situation als „Gemischtwarenladen, der aus Aufgaben besteht, die sonst keiner erledigen will und man deshalb nach den Ehrenamtlichen ruft.“ Interkommunale Zusammenarbeit, die Bildung von Zweckverbänden und mögliche Einstellungen hauptamtlicher Mitarbeiter seien daher auf Bürgermeisterebene im Gespräch und auch der Kreis müsse sich der Thematik annehmen, appellierte Koch an den anwesenden Landrat, Dr. Michael Koch, wo er offene Türen einrannte.

Der Einsatz im Seulingswald habe gerade gezeigt, mit welcher Professionalität die Einsatzkräfte die Lage unter Kontrolle gebracht hätten, sagte der Landrat. Es sei aber auch deutlich sichtbar gewesen, wie schnell man hier an seine Grenzen kommen könne. „Mit etwas weniger Glück hätte das auch ganz anders ausgehen können.“

„Man weiß gar nicht, was man noch alles machen soll“, echauffierte sich auch der Feuerwehrverbandsvorsitzende, Thomas Daube, nach den Steilvorlagen von Manfred Koch und Thomas Schneemilch, und brachte es auf den Punkt: „Wir können nicht das Mädchen für alles sein.“ 

Feuerwehr Kirchheim in Zahlen:

158 Männer und 16 Frauen sind in der Kirchheimer Feuerwehr aktiv, das sind zehn weniger als im vergangenen Jahr. Die Jugendfeuerwehr wuchs um zwei Mitglieder (aus der Bambinigruppe) auf 37. Bambinis gibt es noch 21, ein Minus von drei zum Vorjahr. 

Die Alters- und Ehrenabteilung schrumpfte um achte Personen auf 143 und der Verein zählte mit 345 Mitgliedern ein Plus von fünf. Insgesamt gehören der Feuerwehr damit 720 Mitglieder an, 14 weniger als im Vorjahr.

159 Einsätze kamen zusammen – 81 Hilfeleistungen, 49 Brandeinsätze und 29 Fehlalarmen –, dabei wurden 2423 Stunden geleistet. In 376 Übungsdienste und andere Aktivitäten (mit Bambini, Jugendfeuerwehr, Brandschutzerziehung usw.) wurden 9405 Stunden Investiert, 671 Stunden wurden für Lehrgänge und Seminare aufgebracht. 590 Stunden flossen in Gerätewartung und Atemschutz. 

Insgesamt leistete die Kirchheimer Feuerwehr (ohne Verwaltungsaufgaben) im vergangenen Jahr 13 089 Stunden. (lö)

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