Kirchheimer Ortsteil feiert sich selbst

Kemmeröder machen zum 700-jährigen Dorfjubiläum Gruppenbild mit fast allen Einwohnern 

Anlässlich des 700-jährigen Bestehens machten die Kemmeröder ein Foto mit den meisten Einwohnern. Fotos: Brunhilde Miehe

Kemmerode. Anlässlich des 700-jährigen Dorfjubiläums wurde im Kirchheimer Ortsteil Kemmerode ein Gruppenbild mit fast allen Einwohnern aufgenommen. 

Alle 75 Kemmeröder zu einem Zeitpunkt zum Stelldichein zu einer Fotoaufnahme zusammen zu bekommen, das war schier unmöglich, aber es konnten zumindest mal über zweidrittel der Einwohner vereint auf ein Foto gebannt werden. Und das Gruppenfoto machte der Kemmeröder Patrick Schwarz, der bei einer Drohnenherstellungsfirma arbeitet, mit einer Drohne aus der Luft – die „neue Zeit“ hat schließlich doch auch in dem kleinsten Ortsteil von Kirchheim Einzug gehalten.

1318 wurde Kemmerode erstmals urkundlich als Dorf des Gerichts Niederaula erwähnt, und zwar als die Gerichtsbarkeit von „Kemmenrod“ an derer von Hattenbach verpfändet wurde. Diese Angaben übernahm man aus der 1983 erstellten Chronik Kirchheims und diese sind darüber hinaus im Internet nachzulesen, weitere Forschungen wurden im Marburger Staatsarchiv nicht mehr unternommen.

Ja, das 700-jährige Bestehen der kleinen Gemeinde möchte man nicht „groß feiern“, kein großes Jubiläumsfest mit Attraktionen als Anziehungspunkt für die Bewohner der Region ausrichten. „Wir feiern uns selbst!“, meinte Manuela Stolle lakonisch. Demzufolge möchte man im Laufe des Jahres kleinere Stelldicheins arrangieren, bei denen die Kemmeröder mal zusammen unter sich feiern, sich bei Unterhaltung näherkommen und die Dorfgemeinschaft festigen. Für den Herbst ist noch ein Kartoffelfest geplant und nun hat man anlässlich der Fotoaufnahme ein Grillfest arrangiert.

Liebevoll gestaltet: Das Hinweismotiv zum 700-jährigen Jubiläum von Kemmerode.

So ganz „sang- und klanglos“ wollte man das 700-jährige Bestehen schließlich auch wieder nicht verstreichen lassen. Mitglieder des Ortsbeirats und weitere Bürger kamen überdies zu dem Entschluss, wenigstens mit einem großen Schild Außenstehende, meist wohl Durchfahrende, auf das Jubiläum hinzuweisen. Da Strohballenfiguren mittlerweile vielerorts präsentiert werden, hat man in Abweichung dazu auf den Ballen eine Bank platziert, auf der ein älteres Ehepaar und auf der anderen Seite junge Leute, gleichsam Abbilder von Vorfahren, positioniert sind – die Altvorderen wollte man doch nicht ganz vergessen und auf diese Weise einbeziehen.

Claudia Kupfer hatte die Beschriftung 700 Jahre über einem alten Dorfbild gestaltet, die Kostüme für die Puppen stammen aus dem Fundus von Marianne Honstein und so hat man schließlich mit vereinten Kräften ein sehr ansprechendes Hinweismotiv geschaffen. In Anbetracht der historischen Zäsur werde das Gruppenbild mit vielen Dorfbewohnern wohl als Zeitdokument für die Nachwelt für künftige Generationen von immer wachsender Bedeutung sein, das stellte mit gewisser Genugtuung Ortsvorsteher Ralf Hellwig fest, und dem stimmten alle Kemmeröder einmütig zu. (bm)

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