Gershäuser pflegen Tradition: Ein Birkenstamm zum Pfingstfest

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Schön begrünt: Heinrich und Gertrud Schenk aus Gershausen mit ihren Pfingstbäumchen.

Gershausen. Bräuche wandeln sich, passen sich in der Regel den jeweiligen Gegebenheiten der Zeit etwas an. Manche Gepflogenheiten haben aber eine längere Tradition als andere oder wurden zumindest in einigen Orten länger beibehalten als in anderen Dörfern. Wieder andere Sitten werden ganz aufgegeben oder Gepflogenheiten kommen neu auf, werden im Laufe der Jahre immer wieder gepflegt und so zum Brauch. So ist es auch mit den Bräuchen zu Pfingsten.

Solange sich die ältesten Bürgerinnen und Bürger von Gershausen erinnern, stellte man hier zum Pfingstfest einen „Pfingstbaum“ – ein Birkenstämmchen – vor die Haustüre. Diesen Brauch haben im Gershäuser Ortskern die Familien Schenk, Schreiber, Heß, Klotzbach und Faulhaber auch in diesem Jahr wieder eingehalten.

So fuhr auch der 84-jährige Heinrich Schenk mit seinem Traktor in den Wald und hat zur Freude seiner Frau Gertrud wieder Pfingstbäumchen geholt und vor dem Hauseingang platziert. Heinrich Schreiber, der gebürtig aus Breitenbach-Machtlos ist, erinnert sich, dass sie als Kinder ein „Pfingstmännchen“ in Buchenzweigen eingewickelt haben und damit durchs Dorf zogen. Dafür bekamen sie Spenden, die sie dann in einer Laubhütte verzehrten.

Dieser Brauch, der auch in einigen Dörfern der Schwalm und in anderen Landschaften üblich war und in einzelnen Gemeinden heute noch gepflegt wird, wurde aber in Machtlos bereits in den 1950er-Jahren aufgegeben. Unter anderem in Haunetal-Wetzlos war es laut Ingrid Weber bis in die 1950er-Jahre üblich, dass sich die Kinder mit Birkenzweigen eine „Pfingsthütte“ schmückten und darin ein bisschen feierten.

Während im Geisgrund einzelne Familien nur noch bis vor einigen Jahren einen Pfingstbaum aufstellten, hat sich dieser Brauch in Gershausen bis zur Gegenwart erhalten, wird zumindest im Ortskern noch von einigen alteingesessenen Familien ausgeführt.

Von Brunhilde Miehe

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