„Bärenstarker“ hat 130 PS 

Er liebt den alten Schlüter: Karl Steinert geht mit dem Trecker auf Spazierfahrt

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Karl Steinert kriegt noch immer Gänsehaut, wenn er den Sechszylinder seines 36 Jahre alten Schlüter 1250 TVL Super Spezial startet, wie hier auf seinem Hof in Kirchheim-Heddersdorf.

Karl Steinert aus Heddersdorf hat es mit seinem Schlüter 1250 TVL Super-Spezial schon bis an den Strand von Sankt Peter-Ording geschafft.

„Ich krieg noch immer Gänsehaut und die Haare stellen sich auf, wenn ich nach einer längeren Pause zum ersten Mal den Motor wieder starte“, schwärmt Karl Steinert und klettert aus dem Führerstand seines Schlüter 1250 TVL Super-Spezial.

Und tatsächlich, auch bei Nicht-Traktor-Fans geht der Pulsschlag leicht nach oben und ein leichtes Vibrieren macht sich in Brust und Bauch bemerkbar, wenn der Sieben-Liter-Sechs-Zylinder mit sattem, sonorem Sound zum Leben erwacht. Auch die Maße sind recht beachtlich: Rund 5,5 Tonnen schwer, über 4,50 Meter lang, 2,30 Meter breit, 2,50 Meter hoch und Hinterräder, so hoch fast wie ein ausgewachsener Mann. Bis zu 40 Stundenkilometer schafft das 130 PS starke Dieselungetüm.

Im Jahr 2003 hat der Heddersdorfer Karl Steinert den „Bärenstarken“ – so werden die Schlüter-Kulttraktoren von Insidern genannt – für weniger als 10 000 Euro gebraucht gekauft. Jetzt, teilweise restauriert und mit generalüberholtem Motor, schätzt der Eigner den Wert auf 50- bis 60 000 Euro. „Die ersten sechs Jahre war der Schlepper noch in der Landwirtschaft eingesetzt, jetzt dient er nur noch zum Spazierenfahren“, erzählt der 72-jährige Schlüter-Fan. Und einige Reisen hat er auch schon unternommen. Bis an den Strand von Sankt Peter-Ording hat er es geschafft. Dieses Jahr hat er bisher nur kleinere Ausfahrten absolviert, etwa nach Bad Wildungen-Wega auf eine Landwirtschaftsausstellung, nach Florsheim und Jesberg zu Dorfjubiläen oder auch nach Liebenstein und Vacha.

Am Strand von St. Peter-Ording im Mai 2015: der Heddersdorfer Karl Steinert mit seinem Schlüter.

Geärgert hat ihn, dass er sich nicht rechtzeitig um einen Platz im Hessentagsumzug gekümmert hat. Und geärgert hat ihn jetzt zum ersten Mal sein Liebling. Ausgerechnet das Highlight für dieses Jahr, ein riesiges Schlütertreffen in der Nähe von Zürich, musste Steinert mit dem Pkw vor seinem Wohnwagen antreten, weil der Schlüter ein Loch im Tank hatte. Dort hat er dann zwar all seine Treckerfreunde getroffen und wurde auch ausgiebig bedauert. Aber es gab auch Häme, denn: „Ein Schlüter geht nicht kaputt.“

„Macht nix“, sagt der Schlüter-Karl, „das kleine Leck ist bald wieder dicht, und spätestens am Lollsfestzug sind wir wieder dabei, mein Bärenstarker und ich.“

Ein Treffen der Schlüter-Freunde findet am 7. und 8. September auf dem Campingplatz Seepark Kirchheim statt. Los geht es am Samstag um 14 Uhr und am Sonntag um 10 Uhr mit einem Gottesdienst. lö

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