Die weite Welt und wir

Ein Gefühl wie im Urlaub: Sascha Alles lebt und arbeitet in Abu Dhabi

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Sascha Alles lebt und arbeitet in Abu Dhabi. Das Bild zeigt den Kirchheimer inmitten von Sanddünen im Binnenland des Emirats. 

In unserer Serie „Die weite Welt und wir“ erzählt heute Sascha Alles, der in Abu Dhabi lebt und arbeitet, seine Geschichte.

50 Grad im Sommer und Sandstürme sind nicht nur in Waldhessen, sondern in ganz Deutschland eher selten – in seiner momentanen Heimat fühlt sich der gebürtige Kirchheimer Sascha Alles trotzdem richtig wohl. Seit knapp zehn Monaten lebt der 46-Jährige in Abu Dhabi, wo er für die Abu Dhabi National Oil Company, kurz: ADNOC, arbeitet. Das staatseigene Unternehmen zählt zu den größten Erdölproduzenten weltweit.

Das Riesenrad Abu Dhabi Eye mit einem Emiratie in typischer Landestracht im Vordergrund und Hochhäusern im Hintergrund.

Alles ist in Kirchheim aufgewachsen und hat später die Oberstufe am Obersberg in Bad Hersfeld besucht. Er begann zunächst ein Bergbau-Studium und wechselte dann zu Geologie. Nach dem Abschluss nahm er ein Angebot des Mineralölkonzerns Exxon Mobil an, der in Europa unter Esso firmiert. Sein Job dort führte ihn von 2014 bis 2017 zunächst von Hannover nach London und wieder zurück, von wo aus er allerdings weiter zwischen London, Moskau und Stavanger pendelte. „Auch das war eine Herausforderung für die Familie“, sagt der 46-Jährige mit Blick auf sein eher ungewöhnliches Lebensmodell jetzt.

Anfang 2019 erhielt er die Möglichkeit, sich bei der Abu Dhabi National Oil Company zu bewerben, wo er nun in Beraterfunktion und als Ausbilder tätig ist. „Ich sehe mich als eine Art Entwicklungshelfer“, erklärt der Ex-Kirchheimer. Denn obwohl das Land eine rasante Entwicklung hinter sich habe, gebe es in technischen Dingen noch Potenzial. „Die meisten kennen Dubai, aber Abu Dhabi ist vielen unbekannt“, sagt er. Auch ihm selbst sei das arabische Emirat damals völlig fremd gewesen. „Ich bin mit Wikipediainformationen hierher geflogen und mit sehr positiven Eindrücken zurückgekehrt.“

Die Stadt Abu Dhabi mit Blick auf das berühmte Emirates Hotel (vorn) und den Palast des Scheichs (im Hintergrund links, weißes Gebäude).

Ihn habe die Aufgabe gereizt, am Upper Zakum, dem größten, produzierenden Offshore-Ölfeld zu arbeiten, und gleichzeitig im Bereich Ausbildung und Entwicklung. Wenn Alles von seinem Beruf erzählt, ist seine Leidenschaft deutlich spürbar, wenngleich für Laien nicht alles gleich verständlich ist. Mit seiner Frau habe er schließlich das Für und Wider abgewogen. In seiner neuen Heimat auf Zeit fühlt sich der 46-Jährige wohl, von seiner Wohnung aus schaut er auf den Palast des Scheichs. „Das ist fast wie Urlaub“, sagt Alles, der sich selbst als Gastarbeiter bezeichnet.

Dass die Temperaturen in den Sommermonaten nachts nicht unter 30 Grad sinken, sei weniger ein Problem als die hohe Luftfeuchtigkeit. Arabisch spricht Alles bis auf wenige Worte nicht („das ist super schwierig“) – und dabei werde es wohl auch bleiben. Die Kommunikation im Job und im Alltag finde ohnehin auf Englisch statt, da in Abu Dhabi viele Nationalitäten zusammen arbeiten und leben. „Es gibt etwa 85 Prozent Ausländer hier“, weiß der Deutsche. Für seine Aufenthaltsgenehmigung muss er unter anderem einen Job und eine Krankenversicherung vorweisen.

Das muslimische Land erlebt der 46-Jährige als offen und respektvoll. Er berichtet von einer großen Toleranz anderen Kulturen und Nationalitäten gegenüber. Frauen nehmen selbstverständlich am öffentlichen Leben teil, es gibt Weihnachtsdekoration und in den Supermärkten extra Bereiche für Nicht-Muslime, wo es zum Beispiel Schweinefleisch zu kaufen gibt. Sogar ein Brauhaus sei vorhanden. Alkohol könnte Alles als Resident jedoch nur mit einer Lizenz erwerben, die übrigens je nach Gehalt auch ein bestimmtes Limit setzt. Gearbeitet wird von Sonntag bis Donnerstag, denn der Freitag gilt bei Muslimen als heilig.

Kamele auf dem Weg zum Kamelmarkt.

„Das Land hat viel Geld und das wird auch zum Großteil im Land investiert“, erzählt er – etwa in Bildung, Kultur, Energieversorgung, öffentlichen Nahverkehr und Tourismus. Was Alles stört, wenn man das so sagen kann, ist der noch mangelnde Umweltschutz. So werde weder Müll vermieden, noch Sprit gespart. Was er außerdem vermisst, sind neben Ahler Worscht und Eintracht-Frankfurt-Spielen natürlich Freunde und vor allem die Familie, mit der er jedoch regelmäßig ausführlich per Facetime oder Skype Kontakt hält. Alles’ Frau und seine beiden Töchter im Alter von zwölf und acht Jahren sollten eigentlich diesen Sommer nachkommen, doch die Corona-Pandemie und die mangelnde Reisefreiheit haben der Familie vorerst einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Hintergrund: Vereinigte Arabische Emirate (VAE)

Abu Dhabi ist sowohl die Hauptstadt des Emirats Abu Dhabi als auch der Vereinigten Arabischen Emirate (kurz: VAE). Die seit 1971 unabhängigen VAE sind eine Föderation von sieben Emiraten im Osten der Arabischen Halbinsel in Südwestasien. An der Küste des Persischen bzw. Arabischen Golfs, wie er in Abu Dhabi heißt, gelegen und mit einem Zugang zum Golf von Oman, grenzt das Land an Saudi-Arabien und Oman. Amtssprache ist Arabisch. Regiert werden die VAE als föderale konstitutionelle Monarchie, Staatsoberhaupt ist S.H. Präsident Scheich Khalifa bin Zayed Al Nahyan, zugleich Herrscher des Emirats Abu Dhabi. Neben Abu Dhabi gehören die Emirate Adschman, Dubai, Fudschaira, Ra’s al-Chaima, Schardscha und Umm al-Qaiwain dazu. Der Kern der Stadt Abu Dhabi mit rund 1,5 Millionen Einwohnern befindet sich auf einer etwa 70 Quadratkilometer großen Insel im Persischen Golf. Abu Dhabi gilt auch als wichtiges Wirtschafts- und Kulturzentrum. Im gesamten Emirat leben etwa 2,5 Millionen Menschen. Seit 2009 findet auf dem Yas Marina Circuit das Formel-1-Rennen „Der Große Preis von Abu Dhabi“ statt. 

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