„Es braucht Zeit, Muße und Ruhe“

Eiermalerin Marion Zinßer ist seit 32 Jahren beim Ostermarkt in Kirchheim dabei

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Zum 32. Mal stand Marion Zinßer mit ihren filigran bemalten Eiern auf dem Ostermarkt in der Kirchheimer Scheune an der Aula. Jedes Ei, ob in Wachs- oder Tuschetechnik ist in Handarbeit hergestellt und somit ein Unikat.

Seit 32 Jahren bietet Marion Zinßer ihre filigran bemalten Eiern auf dem Ostermarkt in der Kirchheimer Scheune an der Aula an.

Mehr als drei Jahrzehnte ist es her, dass dem Kirchheimer Bertold Schmidt im Bad Hersfelder Hotel zum Stern eine junge Frau auffiel, die dort Ostereier bemalte, wie er es noch nie gesehen hatte. Keine Frage, diese Künstlerin braucht er für seinen geplanten Ostermarkt.

So stand Marion Zinßer am vergangenen Wochenende am 32. Ostermarkt zum 32. Mal an ihrem mittlerweile angestammten Platz im Café der Scheune an der Aula in Kirchheim, umgeben von Hühner-, Gänse-, Enten- und Puteneiern und manchem mehr was eine feste Schale hat, die man bemalen kann. Bemalt sind die meisten Eier mit der sogenannten Wachsreservierungstechnik mit Ornamenten, Motiven und Sprüchen in altdeutscher Sütterlinschrift, die ihren historischen Ursprung in Mardorf-Erfurtshausen im Amöneburger Becken haben.

Bei der Reservierungstechnik geht es im Prinzip darum, Farbe von bestimmten Bereichen, Flächen oder Linien fernzuhalten. Mit einer alten Schreibfeder schreibt Zinßer mit ruhiger Hand Ornamente und Texte mit heißem Wachs auf die rohen Eier. Nachdem das getrocknet ist, werden die Eier für ein paar Minuten in ein nicht zu heißes Farbbad gelegt. Danach wird das Wachs leicht erwärmt und abgerieben. Die beschriebenen Linien erscheinen nun in der Farbe des Eies und jetzt kann das Werk noch fixiert oder lackiert werden.

Gelernt hat Marion Zinßer diese alte „Marburger Technik“ von ihrer Mutter. Die hatte vor langer Zeit mit ihrem Frauenverein bei einer Meisterin dieser Technik und Institution unter Ostereiersammlern, Auguste Mann aus Mardorf, einen Ostereiermalkurs absolviert. „Mein erstes Ei habe ich 1980 bemalt“, erzählt die Künstlerin. „Das hat damals mehrere Stunden gedauert.“ Heute braucht sie rund eine Stunde pro Ei. Immer wieder zeigen sich Interessenten überrascht, dass Zinßer volle, rohe Eier verwendet. Denen erklärt sie dann: „Das volle Ei ist eines der stabilsten Gebilde und ein Symbol der Fruchtbarkeit. Diese ganze Mär mit Eiern und faul und stinkig ist Unsinn. Das Eiweiß verdunstet durch die Schale und was zurückbleibt, ist der Dotter. Das Ei trocknet in sich aus und konserviert sich selbst“. Das älteste Ei in ihrem Besitz stamme aus dem Jahr 1946 und sei bis heute bestens erhalten. Auf Wunsch bläst die Malerin die Eier aber auch aus und versieht sie mit einem Bändchen zum Aufhängen.

Überlieferte Sprüche aus dem Amöneburger Becken in altdeutscher Schrift zieren die Eier von Marion Zinßer. Links ein Ei mit Wachsaufschrift, rechts das fertige, gefärbte Exemplar.

Außer den Wachseiern hat Zinßer noch Eier im Angebot, die mit bunter Tusche bemalt sind. Hier kommen die gleichen überlieferten, aber auch moderne Motive zum Einsatz. Das Arbeiten mit Tusche sei dabei fast noch schwieriger als die Wachstechnik, erklärt Zinßer. Auf jeden Fall braucht man eine ruhige Hand und ein gutes Auge – seit Kurzem mit Brille – um die filigranen Kunstwerke herzustellen. „Es braucht Zeit, Muße und Ruhe“, erklärt Zinßer, die meist im Januar anfängt ihre Kollektion für diverse Ostermärkte herzustellen, und da sitzt sie dann, malt und färbt, führt den Besuchern ihre Technik vor und beantwortet die immer wieder gleichen Fragen. „Aber nach Ostern, da pack ich dann erst mal alles weg, bis zum nächsten Jahr.“ Viele ihrer Kunden seien wahre Eiersammler, weiß Zinßer und hat noch eine kleine Anekdote parat: „Überreichte ein junger Mann –- etwa beim Fensterln – - seiner Angebeteten zehn rot gefärbte Eier, so galt das quasi als Eheversprechen“. Für sechs Euro kann man ein Ei erwerben. die größeren und aufwendigeren Exemplare können aber auch schon mal 50 Euro kosten.

Wenn Marion Zinßer keine Ostereier bemalt, dann verkauft die gelernte Groß- und Außenhandelskauffrau Brennstoffe in Alsfeld. Die 53-Jährige wohnt in Antrifttal Ohmes zwischen Alsfeld und Marburg, ist verheiratet und hat keine Kinder. Sie liebt Radfahren in der Natur und „alles, was irgendwie mit Kreativität zu tun hat“, auch mal Stricken oder „Töpfern“ mit Fimo-Knete.

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