Eine Leidenschaft, die ihr Leben prägt

Eva Dostler aus Rotterterode und ihre Vierbeiner betreiben Zughundesport

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Gleich geht es los: Eva Dostler bereitet Alaskan-Husky Sepp vor. Das Geschirr muss gut sitzen, um die Kraft optimal zu nutzen und um Verletzungen zu vermeiden. Die Leinen haben Rückdämper. 

Eva Dostler ist auf den Hund gekommen, um genauer zu sein: den Zughundesport. Schnee gibt es in der Region zwar eher selten, doch der Sport kann auch im Grünen betrieben werden.

Die 32-Jährige ist dann im Laufschritt, auf dem Rad oder Trike unterwegs, die Tiere laufen mit beeindruckender Zugkraft vorweg.

Fasziniert habe sie dieser Sport schon seit über zehn Jahren, erzählt sie, eine Tour im schwedischen Tiefschnee war und ist ihr großer Traum. Doch erst als es sie im Jahr 2014 beruflich wieder nach Bad Hersfeld verschlug, stand fest: „Ein Hund muss her!“

Im bayerischen Wald, auf einem Hof mit mehr als 50 Huskys, ließ sich Dostler die Grundlagen des Zughundesports erklären und schloss den Kurs nach einer Woche mit dem „Musher-Diplom“ ab. Musher ist der Fachausdruck für den Menschen, der das Hundeschlittengespann lenkt. „Man lernt zum Beispiel, wie die Zughunde für ihren Einsatz gefüttert und gewässert werden müssen“, erklärt Dostler, die mit ihren Vierbeinern einen speziellen Trainingsplan absolviert. Ausdauer und Kraft müssen die Hunde ebenso trainieren wie ihr Frauchen. Aber auch die Regeneration sei extrem wichtig, betont selbiges.

Tierisch schnell: Dieses Foto ist beim 3. Dog & Sport Trainingscamp 2018 in Oberhof am Lütsche Stausee in Thüringen entstanden.

Wenn Dostler von „ihrem“ Zughundesport spricht, klingt das nicht nur ziemlich professionell, der 32-Jährigen ist die Leidenschaft wie ins Gesicht geschrieben. „Gerade im Schlitten ist das einfach ein tolles Gefühl“, schwärmt die Rotterteröderin. „Man hört nur die Atmung der Hunde, deren Pfoten und die Kufen im Schnee. Ein Gefühl, das mit Geld nicht zu bezahlen ist.“ Nach dem ersten Kurs im bayerischen Wald kaufte Dostler das erste Equipment und besuchte einen Einsteigerkurs bei Frankfurt. „Ein ordentlicher Aufbau ist das A und O“, weiß Dostler heute. Und nach und nach lerne man immer mehr dazu. Eine goldene Regel klingt auch für Laien logisch: „Verliere nie dein Gespann.“

Drei Hunde hat die junge Frau inzwischen: die geschätzt vier Jahre alte sibirische Husky-Hündin Erna vom Tierschutzverein, den fünf Jahre alten Australian Shepherd Adam und den erst ein Jahr alten Alaskan-Husky Sepp, der von Anfang an an den Zughundesport gewöhnt wurde. Einspannen sollte man Hunde unter zwölf Monaten allerdings noch nicht.

Der Zughundesport ist für Dostler eigentlich nur ein Hobby, aber eines, das längst den Alltag prägt. Ihren Urlaub nutzt sie für Trainingscamps. Zu Hause ist das Gespann meist in den Wäldern zwischen Rotterterode und dem Eisenberg unterwegs. Passanten seien meist überrascht und oft interessiert, sagt Dostler. Ihre Zughunde können das sechs- bis achtfache ihres Körpergewichts ziehen und werden auf gerader Strecke bis zu 30 km/h schnell. Ganz ungefährlich ist das Ganze nicht. Auf dem Rad oder Trike ist deshalb ein Helm Pflicht. Auch Dostler ist schon gestürzt, bis jetzt aber mit einer Ellenbogenprellung davon gekommen. „Man muss lernen, die Hunde zu lesen und immer bremsbereit sein“, sagt sie. Gelenkt werden die Hunde mithilfe von bestimmten Kommandos.

An ihr erstes Rennen mit Hund – ein Matschlauf in der Gruppe – kann sich die Rotterteröderin noch gut erinnern, vor allem an den überwältigenden Zieleinlauf. Auch einen Triathlon hat sie gemeinsam mit ihrem tierischen Partner schon absolviert. Weil ihre Hunde nicht reinrassig sind, startet sie bei Rennen in der sogenannten offenen Klasse. Üblich sind Sprint, Mitteldistanz und Langdistanz, wobei Dostler bisher nur Kurzstrecken läuft oder fährt. Es sei auch nicht der sportliche Erfolg, der für sie zähle, sondern das gemeinsame Erlebnis. „Man bestreitet den Weg als Team.“ Mit dem umfangreichen Regelwerk kennt sich die 32-Jährige aus, denn für den Verband der deutschen Schlittenhundesportvereine ist sie auch als Rennrichterin tätig. Die Saison in Deutschland geht je nach Wetter etwa von Ende September oder Anfang Oktober bis Ostern. „Ideale Temperaturen sind zwischen minus und plus zehn Grad“, so Dostler mit Blick auf das Wohl der Tiere, das für sie immer an erster Stelle steht.

Hintergrund: Der Zughundesport

Ob Canicross, Skijöring oder klassische Schlittenrennen: Der Zughundesport ist vielfältig und umfasst verschiedene Disziplinen, die je nachdem im Grünen oder auf Schnee betrieben werden. Mensch beziehungsweise Sportgerät und Tier sind dabei immer mit einer Leine verbunden. 

Der Verband Deutscher Schlittenhundesport Vereine (VDSV) – der eigenen Angaben nach Europas größter Schlittenhunde-Sportverband mit über 40 Vereinen und mehr als 1700 Mitgliedern ist – listet folgende Zughundesportarten auf: CaniX - Run (Laufen mit Hund), CaniX - Bike (Bikejöring mit geländegängigem Rad), CaniX - Scooter I (mit Tretroller), Scooter II und Trike (mit Dogscooter oder Trike und zwei Hunden), Wagen und Trike (mindestens drei Hunde), Skijöring (mit Skatingski und ein bis zwei Hunden), Pulka (mit Lastenschlitten zwischen Tier und Mensch, der auf Skatingski steht, ein bis vier Hunde) und Schlitten (mindestens zwei Hunde). 

Im Zughundesport sind verschiedene Hunderassen vertreten. Klassische Schlittenhunde sind Sibirischer Husky, Alaskan Malamute, Grönländer und Samojeden, aber auch Hounds oder belgische Schäferhunde sind bei Wettkämpfen am Start. Weitere Informationen online unter vdsv.de.

Zur Person: Eva Dostler

Eva Dostler (32) ist im Kirchheimer Ortsteil Rotterterode aufgewachsen und lebt auch heute noch dort. Nach der Mittleren Reife an der Gesamtschule in Niederaula absolvierte sie ihre Ausbildung als Bankkauffrau bei der Sparkasse in Bad Hersfeld. Anschließend arbeitete sie sieben Jahren lang bei der Sparkasse in Frankfurt und ist inzwischen Sparkassenbetriebswirtin. Seit 2014 ist sie wieder in Bad Hersfeld beschäftigt. Nebenberuflich betreibt die 32-Jährige seit einem Jahr eine Physiotherapiepraxis für Hunde, mit der sie auch die Tiere anderer Hundesportler betreut. Wer sich mit ihr über den Sport austauschen möchte, findet alle Kontaktdaten auf evas-hundephysio.de. (nm)

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