Großfeuer in Goßmannsrode

Brandexperte: Es war alles ganz anders

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Freispruch für den Angeklagten: Die Ursache des Großbrandes in Goßmannsrode im Mai vergangenen Jahres ist unklar. Den zunächst verdächtigten Nachbarn trifft jedoch keine Schuld.

Überraschende Wende im Prozeß um den Großbrand von Goßmannsrode: Freispruch für den Angeklagten.

Es muss alles ganz anders gewesen sein. Dabei schien ganz schnell festzustehen, wer für das Großfeuer verantwortlich war, das am Morgen des 25. Mai 2019 im Kirchheimer Ortsteil Goßmannsrode eine alte Scheune und das angrenzende Wohnhaus komplett zerstörte – der Sachschaden summierte sich auf 600 000 Euro – und bei dem eine 82-jährige Frau erst in letzter Minute gerettet werden konnte.

Verdächtig hatte sich der 56 Jahre alte Nachbar gemacht, der an diesem Tag auf dem Grundstück nebenan Unkraut abflämmte. Beim Eintreffen der Polizei war die Gasflasche notdürftig versteckt, die Feuerlanze aber noch offen sichtbar.

Fahrlässige Brandstiftung lautete deshalb der Vorwurf der Staatsanwaltschaft in Fulda, doch der wurde jetzt einkassiert: So wie zunächst ermittelt worden war, kann das Feuer nicht entstanden sein. Der Nachbar wurde jetzt von Strafrichter Michael Krusche ohne Einschränkungen freigesprochen und ist damit voll rehabilitiert.

Wie es zu dieser überraschenden Wendung kam, berichtet sein Verteidiger, der Rechtsanwalt Artak Gaspar aus Niederaula. Gaspar beauftragte einen Experten, den schließlich auch das Gericht als Sachverständigen zuließ. Dem anerkannten Fachmann mit mehr als 20 Jahren Berufserfahrung gelang es, die bisherigen Ermittlungsergebnisse komplett zu widerlegen: Weder die Zeit noch die Stelle des Ausbruchs konnten stimmen, und die Annahme, dass in der Scheune keine Stromleitungen liegen würden, stimmte ebenfalls nicht.

Das Feuer war kurz nach zehn Uhr bemerkt worden, angeblich von außen über einen verkohlten Balken ins Innere gelangt. Besagter Balken war allerdings nur verrußt und nach einem Regen wieder hell.

Tatsächlich verkohltes Holz im Innern musste nach den Erkenntnissen des Experten schon zwei Stunden früher Feuer gefangen haben. Auch verortete er den Brandherd innerhalb der Scheune, in der sich eine Hebebühne, Fahrzeuge und andere Geräte befanden.

Richter Krusche wollte den Brandermittlern der Kripo im Nachhinein keinen Vorwurf machen: Der Nachbar habe zunächst wohl selbst angenommen, den Brand verursacht zu haben und sich deshalb auch verdächtig verhalten.

Wie das Feuer nun wirklich entstanden ist, konnte allerdings auch der Sachverständige nicht sagen. Funkenflug von außen ins Innere? Ein verschmortes Kabel? Und spielte das kleine Heckenschnitt-Feuer, das in 80 bis 200 Meter Entfernung bemerkt worden war, eine Rolle?

Das waren Fragen, auf die es auch nach der Beweisaufnahme keine sicheren Antworten gab. Am Ende rückte denn auch die Vertreterin der Staatsanwaltschaft von ihrem Vorwurf der Brandstiftung ab und beantragte wie Verteidiger Gaspar Freispruch, den schließlich auch Richter Krusche verkündete.

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