Eine kleine ökologische Sensation

Biber siedelt an der Aula bei Kirchheim

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Staustufe: Jagdpächter Arnold Diebel ist sich sicher, dass es sich bei dem Damm aus Zweigen, Ästen Schlamm und Steinen in der Aula oberhalb von Frielingen um einen Biberdamm oder eine im Bau befindliche Biberburg handelt. Er glaubt, dass es seit 100 Jahren der erste Biber ist, der sich hier ansiedelt.

Frielingen. Eine kleine, ökologische Sensationan der Aula: In der Nähe des Kirchheimer Ortsteils Frielingen ist offenbar ein junger Biber dabei, sich eine neue Heimat zu schaffen.

Schon vor einiger Zeit hatten Landwirte bemerkt, dass sich hier die Aula aufstaute und nur wenige Meter von den ersten Häusern entfernt ein dickes Geflecht aus Ästen und Zweigen quer durch den Bachlauf verlief und somit den Weg des Wassers empfindlich versperrte.

Der informierte Jagdpächter Arnold Diebel identifizierte die Sperre nach ausführlicher Begutachtung als einen im Bau befindlichen Biberdamm. „Es handelt sich hier vermutlich um einen Jungbiber, der im Mai, als der neue Nachwuchs kam, aus dem Revier der Eltern verjagt wurde, und der sich jetzt hier sein neues, eigenes Revier aufbaut“, erklärt Diebel. Wie alt das Tier genau ist, lässt sich nicht sagen. Oft schon nach einem Jahr, spätestens aber mit Erreichen der Geschlechtsreife mit drei Jahren werden die Tiere aus dem elterlichen Revier vertrieben. Bis zu 100 Kilometer können die Pflanzenfresser dann an Flüssen oder Seen entlang wandern, bis sie mit dem Bau eines Dammes beziehungsweise einer Biberburg beginnen und einen Partner suchen.

Indiz für den nächtlichen Nager: Bis zu 50 Zentimeter dicke Bäume können Biber nach diesem typischen Muster in nur einer Nacht fällen.

Das Abnagen von Zweigen, Ästen und Abholzen von Bäumen dient dabei nicht nur der Materialbeschaffung und der Ernährung, es ist auch nötig, um die Zähne kurz zu halten. Bis zu 50 Zentimeter dicke Bäume können die Tiere in einer Nacht fällen. Die Biberburg selbst besteht dann aus einer bis zu 1,20 Meter langen Höhle, die über Wasser liegt, aber nur durch einen Zugang unter Wasser erreichbar ist und immer über zahlreiche Fluchtröhren verfügt. Dabei ist der Damm so konstruiert, dass die Tiere durch Öffnen oder Schließen den Wasserstand regulieren können. Dabei kommen Deutschlands größte Nagetiere bis zu 20 Minuten ohne Luftholen aus.

Wie es jetzt mit dem Bau in Frielingen weiter gehen wird, ist nicht vorhersehbar. „Es kann sein, dass das Tier den Standort wieder aufgibt und weiter zieht“, sagt Diebel. „Es kann aber auch sein, dass er den jetzt rund einen Meter hohen Damm weiter aufbaut.“ Dann könnte das Bauwerk über die Uferbegrenzung hinaus wachsen und die Aula würde die anliegenden Wiesen überfluten.

Bejagt werden darf der Biber nicht, weil er besonders geschützt ist. „Auch das Abreißen des Dammes kann den Biber nicht verjagen“, weiß Diebel. „Dann nämlich glaubt der Biber, er habe schlecht gebaut und konstruiert einen neuen Damm, besser, größer und massiver als der erste.“

Der Jagdpächter steht der Ansiedlung eher positiv gegenüber: „Vermutlich hat seit 100 Jahren kein Biber hier an der Aula gesiedelt“. Bleibt ab zu warten, wie die Landwirte und Anwohner reagieren, falls Wiesen oder Gärten demnächst unter Wasser stehen.

Von Bernd Löwenberger

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