Barkasse rausputzen: Der Neu-Kirchheimer Jürgen Krafft hat viele aufregende Pläne

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Er hat noch viel vor: Jürgen Krafft, der neue Besitzer der bisherigen Schreinerei Schrön in Kirchheim will aus diesem ehemaligen DDR-Grenzschiff ein komfortables, hochseetüchtiges Freizeit-Reiseschiff für bis zu sechs Personen machen. 

Kirchheim. Eigentlich war er nur nach Kirchheim gekommen, um eine Maschine aus der Schreinerei Schrön zu erwerben, und dann gehörte ihm plötzlich der gesamte Betrieb. 

Und jetzt lebt der Berliner Jürgen Krafft nicht nur hier, er hat auch noch ein für Kirchheimer Verhältnisse riesiges Schiff in die Autobahngemeinde bringen lassen. Ghost heißt die Barkasse bezeichnenderweise, 13 Meter lang, drei Meter breit, 4,30 Meter hoch und neuen Tonnen schwer ist sie seit ein paar Tagen ein wenig versteckt hinter einer Halle auf dem weitläufigen Gelände der Schreinerei wie in einem Trockendock aufgestellt.

Bis sie wieder Wasser unter dem Kiel hat, soll sie sich in ein hochwertiges, komfortables und hochseetüchtiges Schiff gewandelt haben, in dem bis zu sechs Personen bequem über die Ozeane dieser Welt schippern können.

Gebaut wurde das DDR-Grenzpolizeischiff 1954 als Stromaufsichtsboot – vermutlich für die Elbe – im VEB Berlin Köpenick. Ein Jahr später entstand der Kajütenaufbau mit Einrichtung in der VEB Bootswerft Postelwitz in Bad Schandau. Nach der Wende ließ irgendjemand aus unerklärlichen Gründen die aus Mahagoni-Holz bestehende Kajüte durch einen Stahlaufbau ersetzen. Als Motor, der in einem – für Schiffe dieser Größenordnung sehr seltenen – abgeschotteten Maschinenraum untergebracht ist, diente zunächst ein Sechszylinder Horch, der irgendwann durch einen 150 PS starken Vierzylinder Schönebecker-Diesel ersetzt wurde. Versorgt wird die Maschine aus einem 3000 Liter Tank. Eine weitere Besonderheit ist, dass der Rumpf nicht verschweißt, sondern vernietet ist.

Zwei Jahre wird es wohl dauern, schätzt Krafft, bis die Grundsanierung des Bootskörpers und die Teil-Erneuerung des Motors und der Bordelektronik abgeschlossen sind. In dieser Zeit soll auch der Stahlaufbau voraussichtlich wieder durch eine ansehnliche Holzkajüte ersetzt werden und in deren Inneren sollen Kojen, Kombüse, eine bequeme Messe und was man sonst noch so braucht entstehen.

Ob der Schreinermeister und Diplom-Ingenieur Holzbautechnik dann selbst mit der Barkasse in See stechen wird oder sie zum Verkauf anbietet, ist noch nicht ganz klar. Auch weil er noch viele Ideen hat, wie die Schreinerei, in der hauptsächlich hochwertiges Mobiliar und Innenausbauten entstehen sollen, noch genutzt werden kann.

Damit der Zeitplan für den Umbau eingehalten werden kann und die Arbeiten in der Schreinerei zügig vonstatten gehen, sucht der Betrieb „Krafftholz“ dringend qualifizierte Mitarbeiter und Auszubildende, auch im „Dualen System“.

Im Übrigen ist die „Ghost“ nicht das erste Schiff, das der sozial engagierte Weltenbummler und Visionär aus Berlin herrichtet. In der Vergangenheit hat er mit seinem Berliner Team einen 40-Tonnen Aalschokker umgebaut, der zurzeit in Mohnheim am Rhein als Museumsschiff eingerichtet wird.

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