50 Jahre „Rhönlinie“

Die Autobahn 7 zwischen Bad Hersfeld und Würzburg wurde am 30. Juli 1968 eröffnet

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Container als Rastanlage: Vor 50 Jahren wurde die „Rhönlinie“ für den Verkehr freigegeben. Der Bau der Tank- und Rastanlagen – hier: Großenmoor – folgte erst in den Jahren später. Bis dahin bewirtete man pausierende Autofahrer vorerst in Containern.

Hersfeld-Rotenburg. Ferienreisende sowie alle übrigen Verkehrsteilnehmer schätzen die A 7, die an der Grenze zu Dänemark beginnt und an der zu Österreich bei Füssen endet.

Diese Autobahn hat eine lange Geschichte. Lediglich in Teilabschnitten war sie früher einmal befahrbar. Der letzte vom Hattenbacher Dreieck über Fulda gen Süden sollte eigentlich erst Ende August 1968 eröffnet werden. Wegen des anstehenden Ferienverkehrs aus Richtung Norden aber drängte der ADAC auf einer frühere Freigabe – Ende Juli 1968.

Bereits in den 20er-Jahren machte man sich in dem als verkehrsarm eingeschätzten Nordhessen Gedanken über einen zügigen Verkehrsfluss auf Reichs- beziehungsweise späteren Bundesstraßen. Die „Rhönlinie“ sollte die Strecke Hamburg-München um 120 Kilometer verkürzen. Außerdem entsprach sie von Hamburg nach Basel über die ursprüngliche Route Gießen-Frankfurt-Mannheim einer Streckenentlastung.

Doch daraus wurde vorerst nichts, wie die Zeitgeschichte beweist. Zwischen 1937 und 1939 zum Beispiel entstanden schon mal mit einer geplanten Reichsautobahn vom Hattenbacher Dreieck in südliche Richtung aus großen behauenen Sandsteinblöcken Brückenbauwerke, die man in den 60er-Jahren noch zwischen Langenschwarz und Wehrda, dem Mahlertshof bei Burghaun oder im Michelsrombacher Wald noch vorfand. Im Zuge der „Neuausrichtung auf vorgesehenem Trassenverlauf“ wurden sie wieder abgerissen.

Zwischen 1936 und 1938, in der Zeit des Dritten Reiches, entwickelte man Autobahnprojekte auch als Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen für die deutsche Bevölkerung, später dann für Kriegsgefangene. Im Laufe der Kriegsjahre jedoch mussten Arbeiten an den Autobahnen eingeschränkt werden. Auf einigen von ihnen war bis dahin lediglich ein einspuriges Befahren über Schotterbelag möglich.

Stets wird die „Rhönlinie“ als eine wichtige Verbindung im deutschen Straßenverkehrsnetz herausgestellt. Bundesverkehrsminister Georg Leber äußerte sich so bei deren Freigabe. Sie galt damals als bedeutende Anbindung des Zonenrandgebietes an die deutschen Wirtschaftszentren. Heute führt sie mitten durch Deutschland und bietet der heimischen Bevölkerung schnelle Wege in sämtliche Himmelsrichtungen.

Während man vor 1968 noch von lediglich 17 000 Fahrzeugen innerhalb von 24 Stunden ausging, passieren heute etwa die Anschlussstelle/Brücke Hünfeld/Schlitz 48 600 (in beiden Richtungen) motorisierte Verkehrsteilnehmer. Davon machen 20,6 Prozent der Schwerverkehr einschließlich Busse aus.

Die stete Zunahme des Verkehrsaufkommens in den zurückliegenden Jahrzehnten hat Straßenbelägen sowie den Brückenbauwerken zugesetzt. Hier und dort entstanden auch dreispurige Fahrbahnen. Bereits nach 30 Jahren wurde die Spannbetonbrücke zwischen Michelsrombach und Oberrombach entfernt, da der Rost anfing, Beton vom eingesetzten Eisen zu sprengen. Während die Brückenpfeiler erhalten wurden, erfolgte ein komplett neuer Überbau.

2008 wurde auch die Autobahnbrücke an der Anschlussstelle bei Niederaula abgerissen und neu gebaut. Der Talbrücke zwischen Langenschwarz und Wehrda steht zwischen 2019 und 2022 ein Ersatzneubau mit rund 26 Millionen Euro Gesamtkosten bevor. (bh)

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