Handgemachte Rechen waren der Renner

Ausstellung zu Brauchtum, Handwerk und Sprache in Oberaula

Die Frauen der Trachtengruppe Oberaula: Das Foto stammt aus dem Jahre 1954. Die heutige Volkstanz- und Trachtengruppe gründete sich erst viel später, im Jahre 1998. Fotos:  privat

Oberaula. Brauchtum, Handel und Sprache: Unter diesem Motto steht in Oberaula eine neue Bilderausstellung im Jubiläumsjahr – der Ort feiert 1150-jähriges Bestehen.

Renate Willhardt, Brunhilde Miehe, Helmut Battenberg und Wolfgang Hartwig haben die Bilderschau konzipiert und zusammengestellt.

Gesteck aus Blumen und Perlen: die Schniertheit.

Darin stellt sich unter anderem die Volkstanz- und Trachtengruppe Oberaula vor, gegründet 1998 nach der erfolgreichen Premiere des Rechentanzes. Die Mitglieder präsentieren die Oberaulaer Hubbeltracht, pflegen die Mundart und den Volkstanz. Im Gegensatz zur benachbarten Schwalm mit ihrer farbenfrohen Tracht trägt man in Oberaula die Hubbeltracht. Sie zeichnet sich durch die schwarze Bänderhaube aus, die auch Hubbel genannt wird, erklärt Renate Willhardt, Vorsitzende der Trachtengruppe. Sie verhalf der Tracht zu ihrem Namen. Eine weitere Besonderheit ist die Schniertheit – ein Gesteck aus Blumen und Perlen, das den Kopfschmuck formt und den jungen Frauen und Mädchen vorbehalten ist.

Reiche Handwerkstradition

Reich war und ist Oberaula an Handwerk und Handwerksbetrieben: Spinnradmacher, Töpfer, Stellmacher, Schmied, Schuster und Rechenmacher, um nur einige zu nennen. Seinerzeit gab es den Brauer Johannes Hoffmann, genannt Bier Hein, der 1914 das letzte Einfachbier in Oberaula braute. In der Brauhausstraße in Oberaula ist heute das alte Brauhaus ein letzter Zeuge.

Ein Schandfleck dagegen ist das wenige Meter entfernt liegende ehemalige Wohnhaus des Bierbrauers, das vor Jahren an einen Interessenten aus Berlin verkauft wurde und seitdem praktisch dem Verfall preisgegeben ist.

Eine nicht geringe wirtschaftliche Bedeutung hatte das Handwerk des Rechenmachers. Als Hauptlieferant der Schwälmer Rechen galt die Firma Stein aus Oberaula, die seit drei Generationen Rechen für die Schwälmer Bauern anfertigte. Bei allen bunten Rechen malten sie eine rote Schlange, eine blaue und eine rote Drei auf die Rechengabel – als Werkstattzeichen. Während Johannes Stein bis zum Jahre 1952 die Rechen noch mit dem Hundewagen zur Kundschaft fuhr, hausierte sein Sohn Georg bis zu seinem Tod im Jahre 1980 mit einem Moped, an das er seinen kleinen Wagen anhängte.

Nach traditioneller Art

Obwohl man seit den 1950er-Jahren industriell hergestellte Serienrechen über den Handel beziehen konnte, bevorzugten die meisten Schwälmer Bauern die von den einheimischen Rechenmachern nach traditioneller Art handwerklich hergestellten Rechen. So hielten einige Rechenmacher ihr Handwerk aufrecht, wenngleich nur nebenberuflich. Die Firma Stein modernisierte ihren Betrieb.

Aber trotz aller Mechanisierung konnte das Rechenmachen nicht als Vollerwerbsbeschäftigung betrieben werden. Georg Stein arbeitete fortan als Steinrichter im Basaltwerk. Nach seinem Tod im Jahre 1980 blieb Sohn Karl Stein dem Handwerk treu – er stellte die traditionellen Rechen bis vor wenigen Jahren noch selber her.

Eröffnung am Samstag

Die Bilderausstellung wird am Samstag, 17. März, 14 Uhr, in der Brauhausgasse 8 eröffnet. Zu sehen ist sie jeweils Samstag und Sonntag von 14 bis 17 Uhr sowie donnerstags von 16 bis 19 Uhr. Der Eintritt ist frei. (sro)

Von Sandra Rose

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