Anlagen sind 238 Meter hoch

Windpark bei Hohenroda: Fast so hoch wie der Soisberg

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Im Morgennebel: Auf den Flächen hinter dem Hohenrodaer Ortsteil Mansbach in Richtung der aus dem Nebel ragenden Abraumhalde des K+S-Standorts Hattorf sollen sechs Windräder gebaut werden.

Hohenroda. Sechs Windkraftanlagen sollen zwischen Mansbach und Oberbreitzbach gebaut werden. Jetzt der Projektierer den betroffenen Ortsbeiräten die Pläne vorgestellt.

Die Pläne für einen Windpark in der Gemeinde Hohenroda haben Fabian Stöhr und Daniel Hühmer vom Projektierer Pure New Energy AG (PNE) aus Cuxhaven am Dienstag in einer gemeinsamen Sitzung der betroffenen Ortsbeiräte von Mansbach, Oberbreitzbach und Glaam vorgestellt. Wir beantworten die wichtigsten Fragen:

Was genau plant das Unternehmen?

PNE möchte zwischen Mansbach, Oberbreitzbach und der Landesgrenze zu Thüringen sechs Windräder vom Typ Nordex N149 mit 146 Metern Nabenhöhe errichten. Sie sind inklusive Rotorblättern 238 Meter hoch und haben eine Leistung von jeweils 4,5 Megawatt. Laut Investor wird der Windpark pro Jahr 71 Millionen Kilowattstunden Strom erzeugen – genug, um rein rechnerisch 20.000 Haushalte zu versorgen. 

Über eine Kabeltrasse in die Nachbargemeinde Philippsthal soll der Strom ins Netz eingespeist werden. Ob die Kapazität des Umspannwerks bei Gethsemane dafür ausreicht, steht noch nicht fest. Das Unternehmen will den Windpark zunächst selbst betreiben, schließt aber einen späteren Verkauf nicht aus – wobei PNE dann wohl weiterhin die Betreuung übernehmen wird.

Wie ist der aktuelle Planungsstand?

Das 94 Hektar große Areal ist im Regionalplan als Vorrangfläche für Windräder ausgewiesen. Vor dem Baubeginn steht jedoch ein Genehmigungsverfahren nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz (Bimsch). Dabei dürfen auch Gemeinden, Behörden und Naturschutzverbände, aber auch Privatleute Stellungnahmen abgeben. Am Ende entscheidet das Regierungspräsidium Kassel.

Wie sieht der Zeitplan für das Projekt aus?

Im August hat PNE den Genehmigungsantrag eingereicht. Das Verfahren wird wohl etwa ein Jahr lang dauern. PNE muss zudem an einer Ausschreibung zur Einspeisevergütung teilnehmen. In Betrieb gehen die Windräder deshalb wohl erst Ende 2020.

Welche Belastungen sind zu erwarten?

Neben dem Eingriff in Natur und Landschaftsbild verursachen Windräder Schall und Schattenwurf. PNE muss nachweisen, dass die Grenzwerte eingehalten werden. Eine Anlage soll nachts im schallreduzierten Modus mit verringerter Leistung laufen. Die umliegenden Orte dürfen maximal 30 Minuten pro Tag und 30 Stunden pro Jahr durch Schattenwurf belastet werden.

Die Planer gehen jedoch nur von jährlich rund acht Stunden aus. Eine Abschaltautomatik soll die Rotoren gegebenenfalls stoppen. Auch von April bis Ende August muss der Betreiber die Windräder tagsüber wohl abstellen. Dann nämlich brütet in den angrenzenden Wäldern der Rotmilan.

Profitiert die Gemeinde Hohenroda finanziell?

Für den Windpark wurde ein Flächenpool gebildet. Von den Pachteinnahmen – 45.000 Euro pro Jahr und Anlage – sollen so nicht nur die Eigentümer profitieren, auf deren Flurstücken die Türme tatsächlich stehen, anteilig auch deren Nachbarn. Mit Wegeparzellen und einer Ackerfläche ist auch die Gemeinde Hohenroda beteiligt und erwartet jährlich 25.000 Euro Pacht. 

Über eine Vereinbarung mit den Finanzbehörden am PNE-Hauptsitz Cuxhaven oder einer Tochterfirma wolle man eventuelle Gewerbesteuerzahlungen möglichst komplett nach Hohenroda fließen lassen. Sowohl der Betreiber als auch die Grundstücks-Verpächter zahlen Beiträge für einen Förderverein, der das Geld – jährlich bis zu 60.000 Euro – für gemeinnützige Zwecke in den betroffenen Orten verwendet. Die Mitgliedschaft ist allerdings freiwillig.

Wie reagierten die Ortsbeiräte?

Bedenken äußerten die Mitglieder vor allem wegen der Veränderungen im Landschaftsbild. Addiert auf die Geländehöhe seien die Rotorspitzen fast so hoch wie der Soisberg, rechnete Emil Kümmel aus Mansbach vor. Die Frage, ob die Gemeinde den Windpark befürwortet oder ablehnt, stand allerdings nicht zur Debatte – sondern lediglich, ob sie im Fall einer Verwirklichung in Form von Pachteinnahmen profitiert. Alle drei Ortsbeiräte empfahlen der Gemeindevertretung daher einstimmig, den entsprechenden Pachtvertrag mit der PNE abzuschließen.

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