Die weite Welt und wir

Von Ausbach nach Auckland: Lukas Trombach lebt in Neuseeland

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Lukas Trombach in Hobbiton, dem Filmset aus „Herr der Ringe“.

Der 29-jährige Lukas Trombach aus dem Hohenrodaer Ortsteil Ausbach lebt seit Dezember 2014 knapp 20 000 Kilometer entfernt in Neuseeland. Dorthin ging es für das Projekt "Doktor".

Wenn Lukas Trombach aus Ausbach in seiner „alten“ Heimat weilt, gibt es Mettbrötchen und Döner. Denn diese Speisen sind in seiner neuen Heimat kaum zu bekommen. Auch die nordhessische Stracke darf nicht importiert werden ... Der 29-Jährige lebt seit Dezember 2014 knapp 20 000 Kilometer entfernt in Neuseeland.

Wenn Lukas Trombach in der „alten“ Heimat weilt, stehen Mettbrötchen auf dem Speiseplan. 

Was ihn ausgerechnet dort hin verschlagen hat? „Das ist eigentlich eine ganz einfache Geschichte“, sagt Trombach selbst, der nach dem Abitur in Vacha an der Philipps-Universität in Marburg Chemie studiert hat. Sein Betreuer für die Masterarbeit habe ihm damals den Kontakt zur Massey Auckland University vermittelt und nach einer E-Mail sei schließlich alles ganz schnell gegangen. Mit dem Master-Abschluss in der Tasche ging es keine drei Monate später für das Projekt „Doktor“ nach Neuseeland.

Erster Heimatbesuch nach anderthalb Jahren

„Das war das erste Weihnachtsfest ohne Familie“, erinnert sich Trombach, der den Kontakt zu Familie und Freunden vor allem über das Internet hält. Etwa zehn Stunden beträgt die Zeitverschiebung zwischen Deutschland und Neuseeland. „Mit Mutti wird gesykpt“, verrät der Wahl-Aucklander lachend. Das erste Mal zurück nach Deutschland ging es erst nach anderthalb Jahren. Der Flug um die halbe Welt ist in der Regel teuer und strapaziös. Mit rund 30 Stunden je nach Verbindung müsse man rechnen. Inzwischen war Trombach vier oder fünf Mal auf Heimatbesuch, so ganz genau weiß er das selbst nicht mehr.

Weihnachtsbaum mal anders: Der Pohutukawa blüht in Neuseeland um die Weihnachtszeit in Strandnähe. 

Seinen Doktor hat der 29-Jährige in theoretischer Chemie gemacht. „Ich sitze nicht im Labor, sondern am Computer“, versucht Trombach zu erklären. Seit Mitte April dieses Jahres ist er fertig. Offiziell verliehen werde der Doktortitel aber erst kommendes Jahr, wenn die nächste Graduationszeremonie stattfindet – inklusive schwarzer Hüte, wie man es zum Beispiel auch aus US-amerikanischen Filmen kennt.

Zurzeit ist Trombach mit einer befristeten Post-Doc- Stelle weiter an der Universität beschäftigt, doch schon in Kürze steht ein Jobwechsel an: Dann tritt der Ausbacher eine neue, diesmal unbefristete Stelle als Software-Entwickler an. „Also keine Chemie mehr.“ Das Programmieren habe er sich übrigens selbst beigebracht.

Er schwärmt von Neuseeland

Eines wird jedenfalls schnell klar: Der Ausbacher möchte gerne in Auckland bleiben und kann sich auch vorstellen, dauerhaft in Neuseeland zu leben, wofür er dann jedoch eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung benötigen würde, die nach einem bestimmten Punktesystem vergeben würde. Zurzeit hält sich Trombach mit einem drei Jahre gültigen Arbeitsvisum in dem fernen Land auf, für das er unter anderem ein gefülltes Konto nachweisen musste. „Das Land hat alles: Berge, Meer und eine artenreiche Tierwelt“, schwärmt Trombach. Zudem sei es nie wirklich weit bis zum nächsten Strand. „Von Neuseeland habe ich inzwischen vermutlich mehr gesehen als von Europa“, gibt er zu. Vor allem die Südinsel habe er ausgiebig bereist.

Am Wasser: Das Bild zeigt die Skyline von Auckland. 

Auckland mit seinen zwei Häfen liegt im Norden der Nordinsel Neuseelands. Zwar sei die Stadt riesengroß, so Lukas Trombach, jedoch im Gegensatz zu anderen Großstädten nicht hoch bebaut. „Es gibt viele Ein- und Zweifamilienhäuser und so gut wie keine Hochhäuser.“ Der 29-Jährige lebt am nördlichen Rand Aucklands gemeinsam mit fünf Mitbewohnern in einem großen Haus.

Über die Frage, welches die größten Unterschiede zum Leben in Deutschland sind, muss Trombach länger nachdenken. „Die Leute hier fahren sehr gern und viel Auto“, sagt er schließlich, was aber sicher auch an den weiten Entfernungen liege. Außerdem sei der öffentliche Nahverkehr nicht besonders gut ausgebaut. „Das Leben hier ist ein bisschen teurer als in Deutschland“, fällt ihm dann noch ein. Für Mieten und Lebensmittel müsse man tiefer in die Tasche greifen, ein Bier koste beispielsweise das Doppelte.

Süßkartoffeln sind beliebt

Typisch eigene Küche gibt es laut Trombach in dem relativ jungen Land nicht allzu viel, sehr oft verarbeitet werde aber etwa Kumara, was auf Maori Süßkartoffel bedeutet. Sehr beliebt sei in Auckland auch Sushi, asiatische Restaurants seien überhaupt sehr häufig zu finden, wohingegen des den Dönerladen um die Ecke eben nicht gebe. Döner, Mett und Stracke gibt es dann beim nächsten Besuch in der „alten“ Heimat wieder.

In unserer Serie „Die weite Welt und wir“ erzählen Menschen aus dem Kreis Hersfeld-Rotenburg, die im Ausland leben, ihre Geschichte. Wenn auch Sie, liebe Leser, jemanden kennen, der ausgewandert ist oder seit längerer Zeit in einem anderen Land lebt, dann freuen wir uns über einen Kontakt.

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