Bürgermeister will Kostenschätzung abwarten

Stillgelegte Bahnstrecke: Viele Fragen sind in Hohenroda noch offen

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Zukunft ungewiss: Eine Prognose, ob und wie die ehemalige Kreisbahnstrecke künftig genutzt wird, wollte Hohenrodas Bürgermeister Andre Stenda nicht abgeben. Die Gleise gehören nach wie vor dem Förderverein Werra-Fulda-Bahn, die Gemeinde verfügt über ein Vorkaufsrecht. Unser Bild zeigt das Ransbacher Bahnhofsgebäude, das der Gemeinde gehört und vom Verein Dorfkulturbahnhof genutzt wird.

Wohin die Reise für das stillgelegte Reststück der Hersfelder Kreisbahn in Hohenroda geht, ist noch offen. Das wurde in der jüngsten Sitzung des Gemeindeparlaments deutlich.

Bürgermeister Andre Stenda beantwortete dort eine Anfrage der SPD zum aktuellen Sachstand. Grundsätzlich seien demnach drei „Rs“ denkbar: „Renaturierung, Radweg und Reaktivierung“ – oder die Situation bleibe vorerst unverändert. Auf die Tagesordnung gebracht hatten die Sozialdemokraten ihre Anfrage, bevor die Reaktivierungs-Pläne des Schenklengsfelder Bürgermeisters Carl Christoph Möller öffentlich wurden. Abermals waren die Gemeindevertreter also mit einer unerwarteten Wendung konfrontiert.

Als der Förderverein Werra-Fulda-Bahn seine Strecke im Jahr 2017 auf Ebay verkaufen wollte, sah die Hohenrodaer SPD die Möglichkeit, einen sicheren und schöneren Radweg nach Philippsthal zu schaffen. Derzeit verläuft die Radroute über Feldwege durch Hohenroda, ab Ausbach müssen Radler ins Werratal die Kreisstraße benutzen. Um das zu ändern, hatten sich die Gemeindevertreter deshalb vor knapp drei Jahren für Gespräche mit Eisenbahnverein, Nachbarkommunen und Naturschutzverbänden ausgesprochen. Seither habe er auch zahlreiche Gespräche geführt, betonte der Rathauschef: Mit „einem großen Arbeitgeber“ über einen Radwege-Bau in Verbindung mit einer ökologischen Ausgleichsmaßnahme, mit dem niederländischen Investor, den der Bahnverein 2018 als Käufer präsentiert hatte, sowie mit Experten der GDL im Hinblick auf eine Reaktivierung.

Grundsätzlich zeigte sich der Rathauschef für eine Wiederaufnahme des Güterverkehrs offen – für eine realistische Beurteilung gelte es jedoch, die aus der Nachbargemeinde angekündigte erste Kostenschätzung abwarten. Alleine von den Gemeinden sei dieses Vorhaben wohl ohnehin nicht leistbar.

Erneute Kritik übte Stenda am Förderverein, der kürzlich mit einer Pressemittelung zur Reaktivierung vorgeprescht sei: Die Kommunikation des Vorstandes gehe gegen null. „Ich würde mir einen besseren Umgang wünschen.“

Eine Investitionssumme für einen möglichen Umbau zum Radweg sei bislang nicht ermittelt worden, erklärte der Bürgermeister auf Nachfrage. Entscheidender Faktor wären dabei aus seiner Sicht aber ohnehin eher die hohen Folgekosten für den Unterhalt der Bahnbrücken – was analog natürlich auch für eine etwaige kommunale Beteiligung an der Streckenreaktivierung gelten würde.

Eine an der Kreisbahn orientierte Radwegeführung – ob auf dem Bahndamm oder über Wege unmittelbar daneben – hätte aus Stendas Sicht noch einen weiteren Nachteil: Radtouristen würden dadurch nicht mehr durch die Hohenrodaer Ortsteile, sondern an ihnen vorbei geführt. (jce)

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