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„Noch besser als gedacht“: K+S stellt erste Ergebnisse zur Haldenabdeckung vor

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Der Versuch läuft: Seit Anfang August wird eine 100 Meter lange und bis zu 25 Meter hohe Flanke am Fuß der Abraumhalde des K+S-Standorts mit Abdeckmaterial aus Müllverbrennungs-Schlacke und Braunkohlenasche beschüttet. 

Hohenroda/Philippsthal.  Mit den ersten Ergebnissen  eines sogenannten Halbtechnischen Versuchs zur Haldenabdeckung sind die Verantwortlichen bei K+S durchaus zufrieden.

Seit Anfang August erprobt der Düngemittelhersteller  am Standort Hattorf die Abdeckung und Begrünung der Abraumhalden. Das berichteten Dr. Frank Wolf und Dr. Sascha Vensky von der K+S-Umweltabteilung während einer Informationsveranstaltung in der Ausbacher Hofreite. Sowohl der Böschungswinkel als auch die Schütteigenschaften des als Abdeckmaterial verwendeten Gemischs aus 90 Prozent Schlacke aus der Hausmüllverbrennung und zehn Prozent Asche aus der Braunkohleverbrennung seien noch besser als gedacht, erklärten die K+S-Vertreter. Mit einem sogenannten Bandabsetzer lasse sich das Material zielgenau bis an die anvisierte Linie des Haldenfußes schütten. „Ich persönlich bin überrascht, dass es so gut funktioniert, betonte Dr. Sascha Vensky. Hauptsächlich wegen des steilen Böschungswinkels scheidet eine herkömmliche Abdeckung der Halden für das Unternehmen aus. Zudem seien dafür laut K+S nicht genügend Bauschutt und Erdaushub verfügbar. In ihren mineralischen Eigenschaften glichen die nun verwendeten Stoffe Basalt, wiesen allerdings einen höheren Schwermetallgehalt auf, verdeutlichte Dr. Frank Wolf. Entscheidend sei allerdings nicht der fest gebundene, sondern der wasserlösliche Anteil, der unter 0,1 Prozent liege. Wegen dieses Austrages soll das aufgefangene Haldenwasser in den ersten Jahren in einer Aufbereitungsanlage behandelt werden.

Insgesamt 40 000 Tonnen werden während des Halbtechnischen Versuchs auf die 100 Meter breite und 12 bis 25 Meter hohe Flanke am Fuß der Halde Hattorf aufgebracht. Dabei geht es vor allem um technische Aspekte wie Beschüttung, Begrünung, Mischung und Bewässerung. Während der Versuchsphasen wird das Abdeckmaterial per Lastwagen angeliefert. Im Regelbetrieb soll die Schlacke per Bahn transportiert werden. Pro Werktag und Standort werden dann ein Eisenbahnzug mit 1400 Tonnen Schlacke und sieben Lastwagen mit insgesamt 140 Tonnen Braunkohlenasche benötigt. Dazu seien zwar Veränderungen an den Gleisanlagen auf dem Werksgelände erforderlich, die Strecke nach Gerstungen müsse jedoch nicht ausgebaut werden, betonten die K+S-Vertreter.

Nach Tests im Gewächshaus und dem Langzeit-Lysimeterversuch zur Verdunstungsleistung ist der auf etwa vier Monate angelegte halbtechnische Versuch die dritte Testphase zur Haldenabdeckung.

Im Anschluss ist ein Großversuch an einer Flanke der Wintershaller Halde in Heringen geplant, der 2021 in den Regelbetrieb übergehen könnte. Ob dieser Zeitplan allerdings gehalten werden kann, ließen die K+S-Vertreter am Dienstagabend offen. Schon der halbtechnische Versuch war rund zwei Jahre später gestartet als ursprünglich geplant. Grund seien die umfangreichen und zeitintensiven Genehmigungsverfahren, so Dr. Frank Wolf. Die geplante Haldenabdeckung ist zentraler Bestandteil des Masterplans Salzreduzierung der Flussgebietsgemeinschaft Weser - einem Zusammenschluss der Bundesländer Bayern, Bremen, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Bis Ende 2027 soll die Salzbelastung in der Weser schrittweise reduziert werden. Durch die Abdeckung und die Verdunstungsleistung der Pflanzen soll weniger Salz aus den aufgehaldeten Rückständen ausgewaschen werden. Das an der Halde entstehende Abwasser soll dadurch um bis zu 80 Prozent reduziert werden. Umweltverbände stehen den Vorhaben allerdings kritisch gegenüber. Die geplante Begrünung der beiden Abraumhalden der Standorte Hattorf (Philippsthal/Hohenroda) und Wintershall (Heringen) dauert laut K+S voraussichtlich bis zum Jahr 2075. Der Kali-Bergbau im Werra-Revier endet nach derzeitigem Stand bereits 15 Jahre früher – im Jahr 2060. (jce)

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