Der Ransbacher Manfred Schmelz bastelt seit 50 Jahren Segelschiffe

Modellbau mit der Zahnarzt-Pinzette

Das Bild zeigt den 71-jährigen Modellbauer Manfred Schmelz aus Hohenroda-Ransbach mit einem Modell des englischen Kriegsschiffs Sovereign of the Seas – Stapellauf: 16. Oktober 1637. Das bis dahin größte Kriegsschiff der Welt hatte 102 Kanonen, verteilt auf drei Geschützdecks, an Bord.
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Modellbauer aus Leidenschaft: Der Ransbacher Manfred Schmelz mit dem englischen Kriegsschiff Sovereign of the Seas.

Der 71-jährige Manfred Schmelz aus Ransbach ist Modellbauer aus Leidenschaft: Ein zeitintensives Hobby, das viel Fingerspitzengefühl, einen wachen Blick und innere Ruhe verlangt.

Ransbach - Vor 50 Jahren hat er während eines Aufenthalts in einer Zahnklinik damit angefangen. Gegen die Langeweile im Krankenbett bastelte er ein Unterseeboot aus Plastik zusammen. Daran erinnert sich Manfred Schmelz noch ganz genau, so als wäre es erst gestern gewesen. „Weil der Plastikkleber so intensiv gerochen hat, haben sich meine Zimmergenossen beim Arzt beschwert. Das U-Boot habe ich aber fertiggestellt“, schmunzelt Schmelz.

Fortan wagte er sich an schwierigere Modelle heran. Segelschiffe – und zwar die Nachbauten alter Kriegsschiffe – haben es ihm dabei besonders angetan. An fünf Tagen pro Woche arbeitet er für mehrere Stunden an verschiedenen Modellen – „je nachdem, wie ich Lust und Laune habe. Es ist und bleibt ja schließlich ein Hobby.“

Wenn er sich jedoch in seiner Mietwohnung an die kleine Werkbank setzt und loslegt, dann taucht er ab in diese andere Welt. Dann lässt er sich durch nichts und niemanden auf der Welt aus der Ruhe bringen. Selbst die schrille Türklingel ignoriert er dann. Akribisch arbeitet er an den Modellen. Das ist auch notwendig, denn manche Bauteile sind so klein, dass sie nur unter einer speziellen Lupe zu erkennen und auch zu greifen sind. Dabei setzt Manfred Schmelz auf Instrumente, die er von seinem Zahnarzt erhalten hat.

Insbesondere eine große Spezialpinzette hilft ihm sehr. „Damit kann ich sogar Haare problemlos aufnehmen“, erklärt er. Diese Pinzette nutzt er, um die Segel und die Takelage der Boote anzubringen. Das sind aus seiner Sicht die kniffligsten Momente, während das Zusammensetzen des Rumpfs der Arbeitsschritt ist, an dem der meiste Dreck anfällt. „Da muss immer wieder geschliffen werden, bis alles ganz exakt zusammenpasst. Das ist eine bisweilen sehr staubige Angelegenheit“, verdeutlicht Schmelz.

Aktuell hat er gleich mehrere Modelle in Arbeit. Vor ihm auf der Werkbank ist derzeit die Niña eingespannt. Sie war neben der Santa Maria und der Pinta eines der drei Schiffe, mit denen Christoph Kolumbus zu seiner Reise nach Ostasien aufbracht. Die Niña wurde 1491 das erste Mal zu Wasser gelassen. In Arbeit sind zudem die Pinta sowie das englische Kriegsschiff Sovereign of the Seas. Folgen soll schon bald die Santa Maria. Das wird noch etwas dauern, denn für die etwas mehr als einen Meter großen Modelle rechnet Schmelz mit jeweils 1800 bis 2000 Arbeitsstunden.

Einer Herausforderung möchte sich der Modellbauer aus Ransbach noch stellen. „An einem Buddelschiff – einem zum Teil in einer Flasche gefertigten Segelboot – werde ich mich irgendwann einmal auch noch versuchen.“

Insgesamt 19 Schiffsmodelle – darunter das Segelschulschiff Gorch Fock – hat er in 50 Jahren fertiggestellt. Die Bausätze bestellt er sich bei einem namhaften Anbieter von Modellbau-Artikeln.

Sein Prunkstück fertigte Schmelz aber vor vielen Jahren gemeinsam mit seinem kürzlich verstorbenen Bruder Dieter. Damals nahmen die beiden den Bauplan einer spanischen Galeere zur Hand und vergrößerten ihn um ein Vielfaches. „Das Schiff war nachher vier Meter groß. Insgesamt zehn Jahre hat es gedauert, bis wir es komplett fertig hatten. Und dann musste ich die über einen Meter hohen Segel wieder komplett kappen, um die Galeere überhaupt aus meiner damaligen Wohnung zu bekommen. Was habe ich da seinerzeit geflucht. Aber während der Arbeit an dem Schiff habe ich mir all die Jahre darüber gar keine Gedanken gemacht“, erinnert sich der leidenschaftliche Modellbauer und lacht. (Mario Reymond)

Zur Person:
Manfred Schmelz lebt in Hohenroda-Ransbach und feiert am morgigen Sonntag seinen 72. Geburtstag. Der aus Großenlüder-Bimbach stammende Modellbauer aus Leidenschaft verpflichtete sich nach seiner Volksschulzeit bei der Bundeswehr – für insgesamt 15 Jahre. Im Anschluss an diese Zeit schloss er eine Lehre zum Kraftfahrzeugmechaniker ab und absolvierte anschließend die Meisterprüfung im Kraftfahrzeughandwerk.

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