Volles Haus beim Forum der Hersfelder Zeitung

Kontrovers, aber nicht deftig: Diskussion der Bürgermeisterkandidaten in Hohenroda

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Im Gespräch: Amtsinhaber Andre Stenda, HZ-Redaktionsleiter Kai A. Struthoff, Uwe Metz und Frank Gössel (von links) diskutierten im Mansbacher Bürgerhaus.Um das ganze Foto zu sehen, klicken Sie bitte auf das Kreuz. 

Beim Bürgermeisterforum der Hersfelder Zeitung in Mansbach sind die drei Kandidaten für das Bürgermeisteramt erstmals direkt aufeinander getroffen. Es wurde munter diskutiert.

 „Warum wären gerade Sie der beste Bürgermeister für Hohenroda?“ Zum Abschluss forderte HZ-Redaktionsleiter Kai A. Struthoff von Frank Gössel, Uwe Metz und Andre Stenda noch einmal Klartext.

So deftig wie beim politischen Aschermittwoch in Bayern war es zuvor beim Diskussionsforum der Hersfelder Zeitung zur Bürgermeisterwahl in Hohenroda im Mansbacher Bürgerhaus zwar nicht zugegangen, dennoch hatten die drei Bewerber um den Chefsessel in der Gemeindeverwaltung rund eineinhalb Stunden lang engagiert und zuweilen auch kontrovers über die Zukunft der Kuppenrhön-Gemeinde diskutiert – sich bei manchen Themenfeldern jedoch auch eher gegenseitig bestärkt als voneinander abgegrenzt.

Amtsinhaber Andre Stenda führte vor allem die Erfolge der vergangenen Jahre ins Feld, an die der gebürtige Trendelburger in einer zweiten Amtszeit anknüpfen möchte. Zumindest am Applaus gemessen, schien er dabei die Mehrheit der Zuhörer auf seiner Seite zu haben.

Uwe Metz warf seine Verwaltungserfahrung an der Spitze der Bad Salzunger Polizeiinspektion in die Waagschale und schrieb sich eine bessere Einbindung der Bürger in die Gemeindepolitik auf die Fahnen. Frank Gössel wiederum präsentierte sich als unkonventioneller Netzwerker.

Reizthema Straßenbeitrage

Beim Thema Straßenbeiträge sahen zwar alle drei Bewerber vor allem das Land in der Pflicht. An der Frage, ob die Gemeinde die Streichung der Beiträge auch aus eigener Kraft stemmen könnte, schieden sich jedoch die Geister. Im Gegensatz zu vielen anderen Kommunen könne sich Hohenroda die Abschaffung sehr wohl leisten, meinte Uwe Metz: „Man muss es aber auch wollen“, betonte der 55-Jährige. Angesichts hoher Umlageverpflichtungen und eines vergleichsweise knappen Haushaltsüberschusses sah Amtsinhaber Stenda aktuell keinen Spielraum dafür, kündigte jedoch bei dauerhafter Verbesserung der Einnahme-Situation eine weitere Senkung des Anlieger-Anteils bis hin zur kompletten Streichung an. Als externer Bewerber fehle ihm für eine genauere Beurteilung der Finanzsituation aber der Einblick, räumte Frank Gössel ein.

Ansiedlung von Gewerbe

Grundsätzlich einig waren sich die drei Kandidaten auch darin, dass die Chancen, im großen Stil produzierendes Gewerbe in der Gemeinde anzusiedeln, wegen der Entfernung zu den großen Verkehrsachsen wohl eher schlecht stehen. Frank Gössel regte jedoch an, den ehemaligen Sportgasthof in Ransbach zum Pflegeheim umzubauen. Uwe Metz wünscht sich dort hingegen wieder eine touristische Nutzung und möchte in der Gemeinde moderne Dienstleistungsunternehmen ansiedeln. „Dazu brauchen wir aber eine gute Breitbandverbindung“. Andre Stenda hob in erster Linie Erfolge wie den Umbau des Schlosses Hohenroda zum Gästehaus, die Erweiterung der Firma AEM sowie das geplante Demenzdorf in Mansbach hervor, auf die er weiter aufbauen möchte.

Attraktiv für junge Leute

Um die Gemeinde attraktiv für junge Leute zu machen, schlug Uwe Metz eine „Jugendscheune“ vor. Unter Anleitung könnten Jugendliche ein leer stehendes landwirtschaftliches Anwesen zu einer Art Freizeitzentrum umgestalten. „Was ich selbst geschaffen habe, halte ich auch in Ehren“, unterstrich er. Andre Stenda hielt entgegen, dass es in Ausbach bereits einen funktionierenden Jugendtreff gebe. Ein entsprechender Raum in Oberbreitzbach werde hingegen nicht mehr frequentiert, weil die Nutzer „herausgewachsen“ seien. Er plädierte deshalb für eine Stärkung des Vereinslebens, um Jugendliche in die dörflichen Strukturen einzubinden. Auch Frank Gössel sah Geld für die Jugendarbeit dort besser angelegt.

Es gab auch unangenehme Fragen

Wenn Redaktionsleiter Kai A. Struthoff beim HZ-Forum den Bürgermeisterkandidaten auf den Zahn fühlt, müssen diese nicht nur angenehme Fragen beantworten – so auch in Hohenroda. 

Frank Gössel sah sich mit der Frage konfrontiert, wie er als kommunalpolitisch bislang unbeschriebenes Blatt und ohne Verwaltungserfahrung die Geschicke der Gemeinde lenken möchte („Durch meinen Job kann ich repräsentieren, verkaufen und Netzwerke aufbauen“). 

Uwe Metz musste erklären, warum er die Unterstützer des Amtsinhabers und einen Großteil der Mandatsträger von seinen Info-Veranstaltungen ausgeschlossen hatte („Die Veranstaltungen sind für Wähler, die ihre Entscheidung noch nicht getroffen haben“) und warum er seinen Traumjob als Polizeibeamter für den Chefsessel im Rathaus aufgeben will („Wer etwas bewegen will, muss die Wohlfühlzone verlassen“). 

Amtsinhaber Andre Stenda musste darlegen, ob es sich bei der kräftigen Gewerbesteuer-Nachzahlung nicht mehr um Glück als um seinen Verdienst handele („Damit waren zwei Jahre harter Arbeit verbunden“) und ob er sich als junger Politiker nicht zu Höherem berufen fühle. Stenda verneinte und legte an späterer Stelle – nach seinen Visionen für die Gemeinde in 30 Jahren gefragt – nach: „Mich finden Sie im Rathaus“.

Thema Nahversorgung

 Ob die Hohenrodaer Dinge des täglichen Bedarfs dann noch in der eigenen Gemeinde kaufen können werden, blieb offen: Die Ansiedlung eines Supermarktes oder Discounters sei angesichts der Gemeindegröße schwierig, räumte Andre Stenda ein. Neben dem Erhalt des letzten kleinen Edeka-Geschäfts in Ransbach hofft der Amtsinhaber darauf, dass mit dem Demenzdorf auch in Mansbach wieder ein Dorfladen entstehen könnte. Mit einem gemeinsam mit der Nachbargemeinde Friedewald betriebenen Bürgerbus möchte Stenda den ältern Einwohnern den Weg zum Einkaufen oder zum Arzt erleichtern. Dieser Idee wollte sich auch Uwe Metz nicht verschließen, äußerte mit Blick auf Kosten und Haftung aber rechtliche Bedenken. Frank Gössel brachte die Idee eines mobilen Supermarktes ins Spiel, der den Einwohner die Lebensmittel bis an die Haustür bringt. 

Ein Rathaus für alle?

„Interkommunale Zusammenarbeit: Ja, eine Verwaltungs- oder gar Gemeindefusion: Nein“, waren sich die drei Bewerber einig, als sie auf die geplanten oder bereits vollzogenen Rathaus-Neubauten der drei Kuppenrhön-Gemeinden angesprochen wurden. Uwe Metz äußerte jedoch die Befürchtung, dass das Land den Kommunen bei dieser Frage das Heft in absehbarer Zeit aus der Hand nehmen könnte

HZ-Forum zur Bürgermeisterwahl in Hohenroda

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