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Kahlschlag im Glaamer Grund: Zwei Dutzend Bäume fallen an der Landesgrenze für den Umweltschutz

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Zwei Dutzend Bäume und einige Büsche wurden am Ortsrand von Unterbreizbach gefällt, um Baufreiheit für eine Maßnahme von K+S zu schaffen.
Zwei Dutzend Bäume und einige Büsche wurden am Ortsrand von Unterbreizbach gefällt, um Baufreiheit für eine Maßnahme von K+S zu schaffen. © Thomas Klemm

Eine Rodungsaktion in Unterbreizbach sorgt für Aufsehen: Dort hat eine Firma im Auftrag von K+S zwei Dutzend Bäume gefällt - allerdings im Interesse des Umweltschutzes.

Unterbreizbach/Glaam – Eine Rodungsaktion in Unterbreizbach sorgt für Aufsehen: Auf einer Fläche von rund 2100 Quadratmetern hat eine Firma im Auftrag des Düngemittelherstellers K+S zwei Dutzend Bäume und zahlreiche Büsche an einem Steilhang am Ortsausgang von Unterbreizbach in Richtung Landesgrenze Thüringen/Hessen gefällt.

Die Gemeinde Unterbreizbach, der die Fläche gehört, war in dieses Verfahren zwar eingebunden, wurde aber von der Fällaktion dennoch überrascht „Wir wurden erst im allerletzten Moment von der Aktion in Kenntnis gesetzt“, übte Bürgermeister Roland Ernst Kritik. Freilich war die Gemeindeverwaltung im Vorfeld der Rodungsaktion am Rande des sogenannten Glaamer Grundes um eine Stellungnahme gebeten worden. Und die fiel auch positiv aus, „weil es sich ja im Grunde genommen um eine Verbesserung des Umweltschutzes handelt“, so Bürgermeister Ernst.

Nahezu alle Quellen in dem Kali-Dorf, die aus dem Grundwasser gespeist werden, sind schwermetall- und salzbelastet. Grund ist die Steinsalzhalde des Philippsthaler Kaliwerkes Hattorf. „Im Bereich der sogenannten Quelle 12 treten salzhaltige Wässer zutage. Diese sollen gefasst und entsorgt werden, bevor sie an die Oberfläche gelangen, um ihre weitere Ausbreitung zu verhindern“, erklärt K+S-Pressesprecher Marcus Janz. Dazu werde an dem Steilhang eine sogenannte Liniendrainage in den Untergrund eingebaut. Damit könnten die salzhaltigen Wässer aufgefangen und abgepumpt werden.

Es sei davon auszugehen, dass die Salzkonzentration der Wässer im Zusammenhang mit der Halde Hattorf im Norden der Quelle stehe. Aktuell werde im Mittel ein täglicher Quellaustritt von rund zehn Kubikmetern gemessen. „Die tatsächlich zu fassenden Mengen werden wir erst ermitteln können, wenn die Drainage in Betrieb geht, da Schätzungen aufgrund der spezifischen Eigenschaften des Kluftgrundwasserleiters Buntsandstein ungenau sind“, führt der Unternehmenssprecher weiter aus. „Aus Gründen der Arbeitssicherheit bei der Bauausführung war es notwendig, den gesamten Steilhang oberhalb der geplanten Liniendrainage zu roden“, erklärt Janz.

Im Vorfeld sei ein landschaftspflegerischer Begleitplan erstellt und von den zuständigen Behörden genehmigt worden. Zusätzlich sei das Areal bei einer ökologischen Baubegleitung begutachtet und die Rodungsarbeiten freigegeben worden.

Die Arbeiten an dem Drainagebauwerk sollen im Sommer aufgenommen werden und bis Ende des Jahres abgeschlossen sein. Neben der Drainage werde das Unternehmen auf einem gegenüberliegenden Grundstück, das sich mittlerweile im Eigentum von K+S befindet, eine Fläche für Container vorbereiten, in denen das gefasste Quellwasser für den Abtransport per Lastwagen gesammelt werden soll.

Für die Rodung am Glaamer Grund, für den Bau der Drainage, Container sowie für die Wiederaufforstung rechnet der Konzern mit Kosten von rund einer Million Euro. Die Bäume sollen laut K+S-Sprecher Janz an derselben Stelle wieder gepflanzt werden. (Thomas Klemm)

Bislang floss das belastete Wasser in den Breizbach

Die Salzbelastung der Quelle 12 ist laut K+S-Sprecher Marcus Janz seit April 2017 bekannt. „Seither wurden erhebliche Anstrengungen unternommen, um den Zustrom zur Quelle zu unterbinden. Dazu gehören der Bau von Drainagen im Bereich Wolfsgraben sowie von insgesamt sieben Sicherungsbrunnen. Hinzu kommen zahlreiche Untersuchungen mittels Quellenkartierung der Universität Jena, Geoelektrik und Grundwassermessstellen, um die Wege der Sickerwässer aus der Halde festzustellen und die Gegenmaßnahmen zielgerichtet zu planen“, erklärt der Unternehmenssprecher. Zwischenzeitlich sei eine provisorische Fassung der Quelle 12 errichtet worden, von der aus die Wässer bislang in den nahen Breizbach geleitet werden. Alle Maßnahmen seien vom Thüringer Landesamt für Umwelt, Bergbau und Naturschutz (TLUBN) und im Rahmen des sogenannten Bewertungsgremiums geprüft und genehmigt worden. Dieses Gremium, bestehend aus Unterer Naturschutzbehörde des Wartburgkreises, der Gemeinde Unterbreizbach, dem TLUBN und K+S, treffe sich seit 2017 in regelmäßigen Abständen.  tk

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