Todesstreifen

30 Jahre Grünes Band: Natur überwindet Grenzen

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Unterwegs auf dem Grünen Band: Der Bahnhof in Wenigentaft war der Endpunkt der geführten Wanderung von Naturschützern und Pressevertretern, mit der der BUND und das Bundesamt für Naturschutz daran erinnerten, dass aus dem ehemaligen Todesstreifen eine einzigartige Naturlandschaft wurde. Mit von der Partie waren auch Kathrin und Uwe Heinig vom Rhönhof mit den Eseln Eddi und Eros. 

Mansbach – Die innerdeutsche Grenze, der sogenannte „Todesstreifen“, war jahrzehntelang eine sicht- und spürbare Wunde – gerade im Grenzgebiet zwischen Hessen und Thüringen.

Wenigentaft/Mansbach – Die innerdeutsche Grenze, der sogenannte „Todesstreifen“, war jahrzehntelang eine sicht- und spürbare Wunde – gerade auch im Grenzgebiet zwischen Hessen und Thüringen.

Auch 30 Jahre nach der Öffnung der Grenze ist die Narbe in der Landschaft noch deutlich wahrzunehmen. Trotzdem ist hier in den vergangenen drei Jahrzehnten etwas Einzigartiges gewachsen: Der einzige Nationalparkverbund Deutschlands, eine naturnahe Landschaft, in der der Dreiklang aus Natur, Kultur und Erinnerung eine ganz eigene Bedeutung bekommt. Das wurde bei der „Vier-Elemente-Reise“ deutlich, die der Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND) und das Bundesamt für Naturschutz organisiert hatten, um einen Einblick in die Entwicklung des Grünen Bandes zu geben.

Drei Tage lang waren Naturschützer und Pressevertreter gemeinsam zwischen dem bayerisch-sächsisch-tschechischen Dreiländereck und dem Werrabergland unterwegs, um das Gebiet in Augenschein zu nehmen, das Dr. Liana Geidezis, Leiterin des BUND-Fachbereichs Grünes Band als „Schatzkammer der Artenvielfalt“ bezeichnete.

Dabei machten sie auch an der Brücke der Einheit zwischen Vacha und Philippsthal und in Wenigentaft Station, wo neben einer Wanderung mit den Eseln Eros und Eddi vom Rhönhof in Hillartshausen auch ein Picknick mit regionalen Spezialitäten auf dem Programm stand.

Geidezis appellierte ebenso wie auch Matthias Kirsten vom Bund-Kreisverband Wartburgkreis an die Verantwortlichen in der Politik, den Schutz des Grünen Bandes weiter auszubauen. Zwar seien mittlerweile immerhin rund 70 Prozent des früheren Grenzstreifens unter strengen Naturschutz gestellt worden, aber es gäbe nach wie vor Lücken von rund 170 Kilometern.

Ein zusammenhängendes Schutzgebiet, so Liana Geidezis, würde zahlreichen seltenen Arten und auch den Wanderschäfern, die mit ihren Tieren die Landschaft pflegten, erweiterte Bewegungsmöglichkeiten bieten. Matthias Kirsten und der Leiter der Verwaltungsstelle Thüringen des Biosphärenreservats Rhön berichteten als Zeitzeugen aus der Anfangszeit der grenzübergreifenden Aktivitäten zum Schutz der einzigartigen Kultur- und Naturlandschaft.

In Wenigentaft stellten Berthold Jost und Christian Curschmann von der Point Alpha-Stiftung ihre Arbeit in der Gedenkstätte vor, die auch Workshops zur Spurensuche im Grünen Band beinhaltet.

Während der vier Kilometer langen Wanderung unter der fachkundigen Führung von Reiner Cornelius gab es viele verborgene Kleinigkeiten zu entdecken, die noch heute an die Teilung erinnern: Kolonnenwege, Grenzpfeiler mit Stacheldrahtresten, die an der Buchenmühle den Verlauf der ehemaligen Grenze über eine Streuobstwiese hinweg markieren, ein Grenzstein, der die Aufschrift „DDR“ trägt, die Ulster, die sich, ehemals durch Steine kanalisiert, mittlerweile zum Teil selbst renaturiert hat und ein aufgelassener Rangierbahnhof, an dem die Vegetation allmählich die Oberhand über einige Meter noch vorhandene Gleise gewinnt. Immer wieder – bedingt durch den mäandernden Grenzverlauf – wechselten die Wanderer von Hessen nach Thüringen und wieder zurück. Der Verlauf des früheren Grenzstreifens ist noch heute in der Landschaft zu sehen. Gerade dieser Streifen, der weitgehend frei ist von Wald, bietet als wertvolles Kalkmagerrasenbiotop zahlreichen selten gewordenen Tier- und Pflanzenarten Lebensraum. (uj)

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