HZ-Sommerinterview mit Bürgermeister Andre Stenda

Hohenroda sieht keine Vorteile in Gemeindefusion mit Nachbarn

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Wo andere Urlaub machen: Bürgermeister Andre Stenda lebt im Feriendorf Schwarzengrund bei Oberbreitzbach. Auf der Insel im unteren der beiden Teiche fand im vergangenen Jahr die standesamtliche Trauung mit seiner Frau Olivia statt.

Im HZ-Sommerinterview steht diesmal der Bürgermeister von Hohenroda, Andre Stenda, Rede und Antwort. 

Die Teiche im Hessen-Hotelpark Hohenroda im Schwarzengrund sind für Bürgermeister Andre Stenda ein besonderer Ort: Vor einem Jahr hat er hier seiner Frau Olivia das Ja-Wort gegeben. Gleich nebenan lebt Stenda seit seinem Amtsantritt im September 2013 in einem der Ferienhäuser. Wir sprachen mit dem 34-Jährigen über die aktuelle Situation.

Sie leben da, wo andere Ferien machen. Brauchen Sie überhaupt Urlaub?

(lacht) Daheim ist es doch immer noch am schönsten. Wir können die Natur direkt vor unserer Haustür genießen. Durch die Krise wird noch mal besonders deutlich, wie schön es hier ist.

Wie ist Hohenroda bislang durch die Corona-Pandemie gekommen?

Wir haben natürlich auch mit allen krisenbedingten Fallstricken zu kämpfen gehabt. Im Vergleich zu den großen Städten sind wir aber sehr gut weggekommen. Alle waren sehr diszipliniert, trotz manchmal täglicher Änderung der Vorgaben. Unsere ländlichen Strukturen sind natürlich ein großer Vorteil - während des Lockdowns konnte man sich hier aus dem Weg gehen.

Bringt Corona die stabile Finanzlage der Gemeinde in Gefahr?

Wir arbeiten auch weiterhin strikt an der finanziellen Zukunft für Hohenroda. Die Corona-Krise bringt da natürlich nachhaltige Schwierigkeiten mit sich. Was die Gewerbesteuer-Zahlen angeht, sollte man erst mal die August-Steuerschätzung abwarten. Weitere Sorgen machen mir die Einkommen- und Umsatzsteueranteile. Wir haben einen Einkommensteueranteil von 1,6 Millionen Euro kalkuliert. Nach bundesweiten Schätzungen gehen wir jetzt von einem Rückgang um 230 000 Euro aus – da ist noch mal richtig Sprengstoff drin. Alle Kommunen werden finanziellen Schaden nehmen. Aber wir sind verhältnismäßig gut aufgestellt und haben vorbeugend vieles getan.

Hat Corona Auswirkungen auf Projekte wie den Rathaus-Neubau, die Tagespflege oder den Straßen- und Kanalbau in Ausbach?

Momentan nicht. Wir haben auch in der Krise an den laufenden Projekten gearbeitet und keine Zeit verloren. Wir hoffen, dass bis zum Ende des Jahres die Bauarbeiten an der Gemeindeverwaltung weitestgehend fertiggestellt sind. Der Umzug ist für kommendes Frühjahr geplant. Die Pläne für die Tagespflege wurden nun anlässlich des Bauleitverfahrens veröffentlicht. Auch die Arbeiten in Ausbach liegen absolut im Zeitplan.

In Hauneck wurden Pläne für ein auch auf Demenzkranke ausgerichtetes Pflegezentrum vorgestellt. Steht das in Konkurrenz zum geplanten Demenzdorf in Mansbach?

Wenn ich es richtig verstanden habe, ist dort nicht das gesamte Projekt auf Demenz ausgerichtet. Wir wollen uns aber speziell diesem Krankheitsbild widmen. Deshalb sehe ich keine Konkurrenz in dem Haunecker Projekt. Nach der ersten Offenlegung mussten die Pläne aufgrund der Stellungnahmen der Denkmalbehörde und des Naturschutzes überarbeitet werden. Jetzt wird das Projekt wieder an Dynamik gewinnen.

In einer Stellungnahme hat Hohenroda Bedenken gegen den Windpark zwischen Mansbach und Oberbreitzbach geäußert, würde vom Bau aber finanziell profitieren. Auf welche Genehmigungsentscheidung des Regierungspräsidiums hoffen Sie?

Uns war es wichtig, unsere Bedenken zum Naturschutz im Vorhinein zu äußern. Dass dort der Rotmilan fliegt, ist bekannt. Gegenüber anderen Windpark-Projekten bestehen bei diesem Vorranggebiet durchaus Vorteile. Und die Energiewende ist politisch gewollt. Der Windpark bringt natürlich entsprechende Belastungen mit sich. Wenn er kommen sollte, ist es wichtig, dass für die breite Masse auch Vorteile aufgeboten werden. Wir warten gespannt auf die Entscheidung, die letztendlich nicht in unserer Hand liegt.

Ihr Amtskollege aus Schenklengsfeld setzt auf die Reaktivierung der Kreisbahn-Gleise für den Güterverkehr. Wie steht Hohenroda als Streckenanrainer dazu?

Aus unserer Sicht müssen zunächst noch viele offene Fragen geklärt werden, bevor man sich für oder gegen ein Infrastrukturprojekt in dieser Größenordnung entscheidet. Wir warten zunächst auf die angekündigten Gutachten zum Streckenzustand und zu den finanziellen Auswirkungen.

In den meisten Ortsteilen können die Bewohner nicht mehr alle Waren des täglichen Bedarfs kaufen. Sehen Sie eine Chance, die Nahversorgung zu verbessern?

Wir haben in Hohenroda durchaus verschiedene Einkaufsmöglichkeiten, um den vorrangigen Bedarf abzudecken. Dennoch beobachten wir ständig den Markt und führen verschiedene Gespräche. Derzeit beispielsweise entwickeln sich andernorts spannende Pilotprojekte für autonome Geschäfte ohne Personal. Andererseits sind selbst innerhalb eines Ortes mit Supermarkt die meisten Kunden bequem und nehmen das Auto. Ob man dann drei oder fünf Kilometer zum Einkaufen fährt, fällt letztlich kaum ins Gewicht. Zudem muss man abwarten, wie sich das Thema Internetshopping entwickelt, auch wenn wir natürlich den lokalen Einkauf befürworten.

Die Proteste gegen die Schließung der Sparkassen-Filiale in Ransbach sind eher verhalten ausgefallen. Sind solche kleinteiligen Strukturen womöglich nicht mehr zeitgemäß?

Eine Bank, deren Anteilseigner der Landkreis ist, sehe ich schon in der Verantwortung, ihre Strukturen in der Fläche zu erhalten. Ich spreche da für alle Kommunen, die im Regen stehen gelassen werden. Natürlich wird die Digitalisierung auch in diesem Bereich Fortschritte machen. Dennoch ist der Rückzug für mich ein Unding.

Auf die Fusionsbestrebungen aus Schenklengsfeld haben Sie eher skeptisch reagiert. Kann Hohenroda auf Dauer eigenständig existieren?

Wir haben in den vergangenen Jahren die interkommunale Zusammenarbeit, insbesondere mit Friedewald, aber auch den anderen Nachbarkommunen der nördlichen Kuppenrhön, immer weiter vorangebracht, um nicht immer auf uns allein gestellt zu sein und Synergien zu nutzen. Den eigenständigen Charakter sollten wir dabei aber nicht aufgeben. Die Gebietsreform von 1972 ist noch nicht überall verwunden. Eine zweite Gebietsreform wäre da kontraproduktiv. Bei einer Fusion müssten beide Partner einen Vorteil haben. Den sehe ich für uns bei einer Fusion mit Schenklengsfeld derzeit noch nicht.

Vom Trend zum Urlaub in Deutschland profitieren die heimischen Beherbergungsbetriebe offenbar kaum. Werden touristisch die falschen Schwerpunkte gesetzt?

Bei den Übernachtungszahlen sind wir in Hohenroda kreisweit unter den top Vier. Natürlich geprägt durch das Tagungs-Geschäft des Hessen-Hotelparks, wo der Betrieb jetzt zum Glück nach Corona wieder anläuft. Wir arbeiten daran, die Region weiterhin zu stärken. Dabei wollen wir die ehemalige innerdeutsche Grenze als grünes Band und den Kalibergbau touristisch stärker als bisher in den Fokus rücken.

Wie hat sich Ihr persönliches Leben durch Corona verändert?

Ich komme aus einer Großfamilie und war schon immer ein Familienmensch. Durch Corona blieb einerseits mehr Zeit, sich der Familie zu widmen. Ich bin aber auch ein Mensch, der gerne in den Vereinen unterwegs ist. Nachdem uns dieses gesellschaftliche Leben durch den Lockdown genommen worden ist, weiß man das dadurch noch mal mehr zu schätzen.

(Das Interview führte Jan-Christoph Eisenberg)

Zur Person:

Andre Stenda (34) ist in Trendelburg (Kreis Kassel) aufgewachsen. Nach dem Abitur absolvierte er eine Ausbildung zum Industriekaufmann und zeitgleich ein Bachelorstudium der Betriebswirtschaftslehre. Nach dem anschließenden Masterstudiengang der Personalwirtschaftslehre arbeitete Stenda bei der Kasseler Verkehrs- und Versorgungs-GmbH, zuletzt als Leiter der Kreditorenbuchhaltung. Parallel engagierte er sich kommunalpolitisch bei den Freien Wählern. 2013 wurde Andre Stenda mit 70,7 Prozent der Stimmen zum Bürgermeister von Hohenroda gewählt und 2019 mit 90,1 Prozent der Stimmen im Amt bestätigt. Er setzte sich jeweils gegen zwei Mitbewerber durch. Der 34-Jährige kickt in seiner Freizeit für die alten Herren Hohenroda sowie die Bürgermeister-Nationalmannschaft und engagiert sich in der Feuerwehr Oberbreitzbach. Weitere Hobbys sind Joggen und Radfahren.

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