Zweieinhalb Jahre Jugendstrafe

Faustschlag vor der Disco kostet Augenlicht

Fulda. Weil er einen 34-Jährigen so schwer verletzt haben soll, dass dieser auf einem Auge erblindete,wurde ein 20-jähriger Osthesse  zu zweieinhalb Jahren Jugendstrafe verurteilt.

Von Hanna Wiehe

Nach Auffassung des Fuldaer Jugendschöffengerichts unter Vorsitz von Richter Christoph Mangelsdorf geschah am 27. Dezember 2015 Folgendes: Das Opfer und ein 41-Jähriger fuhren zu einer Diskothek in Hohenroda-Ausbach. Dort wollte der Jüngere etwas mit seiner Freundin bereden.

Der Ältere wartete auf den Jüngeren außerhalb des Gebäudes. „Beim Herausgehen des Geschädigten mag dann eine Rempelei passiert sein“, sagte Mangelsdorf. Danach sei der 34-jährige Thüringer jedoch gegen 2.30 Uhr von verschiedenen Menschen auf der Straße geschlagen worden und wurde bis zum Auto, das etwa 100 Meter entfernt geparkt war, von mehreren Leuten verfolgt und angegriffen.

Nicht zu klären

Wer diejenigen waren, die den Mann schlugen, ließ sich nach Auffassung des Gerichts auch nach der Vernehmung mehrerer Zeugen nicht eindeutig klären: Vor Gericht waren – neben dem 20-Jährigen – noch vier weitere Heranwachsende aus Fulda, Künzell und Schlüchtern angeklagt. Sie alle wurden jedoch freigesprochen, weil sich nicht feststellen ließ, wie und ob sie im Einzelnen beteiligt waren.

Der 20-jährige Osthesse, der letztlich verurteilt wurde, hatte jedoch ein Geständnis abgelegt – vor einem Polizeibeamten und auch vor Gericht. Er erklärte, von einem Unbekannten geschlagen worden zu sein und dann seinerseits zugeschlagen zu haben. Es habe jedoch zuvor schon einen Streit gegeben, zu dem er lediglich dazugekommen sei.

Keine Erinnerung mehr

Für das Gericht stand fest: Bei diesem Faustschlag verlor das 34-jährige Opfer das Augenlicht auf dem linken Auge. Nicht prüfen ließ sich jedoch, ob er vor oder nach diesem letzten Schlag noch einmal angegriffen wurde. Angeblich hatte ihm eine Frau ein Bein gestellt, als er nach dem Schlag aufs Auge dem Täter folgen wollte. Außerdem habe diese ihm danach in den Unterleib getreten.

Das hatte das Opfer auch bei der polizeilichen Vernehmung angegeben, vor Gericht konnte es sich jedoch nicht mehr gut an die inzwischen drei Jahre zurückliegende Tat erinnern.

Ungeklärt blieb auch, wie der anfängliche Streit vom Zaun gebrochen wurde: Laut Anklage war das Opfer beim Herauskommen aus der Disko von einem Mann angesprochen worden, der ihn auch geschlagen haben soll. Ob das jedoch derjenige war, der jetzt vor Gericht stand, konnte nicht geklärt werden.

Staatsanwältin Heike Meeuw-Wilken hatte in ihrem Plädoyer härtere Strafen gefordert – auch, weil die Angeklagten teilweise vorbestraft sind. Für den Haupttäter forderte sie drei Jahre Jugendstrafe.

Die Verteidiger waren anderer Ansicht: Rudolf Karras, Anwalt des 20-Jährigen, plädierte, seinen Mandanten wegen fahrlässiger – nicht schwerer – Körperverletzung zu verurteilen. Die Verteidiger der anderen vier Angeklagten forderten Freisprüche – mit Erfolg.

Von Hanna Wiehe

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