Pflegeprojekt

Ein Dorf für Demenzkranke in Mansbach geplant

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Wird ins Gesamtkonzept einbezogen: Bauplaner Karsten Kimpel (links) und Bürgermeister Andre Stenda auf dem Gelände des ehemaligen Mansbacher Tierparks, auf dem ein Demenzdorf entstehen soll. Im Hintergrund das zwischen 1577 und 1578 erbaute Geyso-Schloss.

Mansbach - Im Hohenrodaer Ortsteil Mansbach nehmen die Pläne für eine Fachpflegeeinrichtung speziell für das Krankheitsbild Demenz konkrete Formen an.

Mansbach –Rund 1,7 Millionen Menschen leiden in Deutschland unter Demenz. Mit zunehmendem Alter steigt die Wahrscheinlichkeit, dass das Krankheitsbild auftritt. Ein Drittel der Betroffenen lebt in Pflegeheimen, die jedoch nicht immer speziell auf die Bedürfnisse von Demenzkranken ausgerichtet sind.

Im Hohenrodaer Ortsteil Mansbach nehmen die Pläne für eine Fachpflegeeinrichtung speziell für dieses Krankheitsbild nun konkrete Formen an. Mit einem Bauleitverfahren will die Kommune zunächst die rechtlichen Voraussetzungen für das Projekt auf dem Gelände des früheren Tierparks schaffen. Mit dem Aufstellungsbeschluss rechnet Bürgermeister Andre Stenda im kommenden Monat. Sowohl ein Bauträger, der die gemeindeeigenen Flächen per Erbpachtvertrag übernehmen und die Gebäude errichten möchte, als auch ein potenzieller Betreiber seien inzwischen gefunden. Deren Namen möchte der Rathauschef bislang nicht öffentlich machen. Ihre bisherigen Entwürfe haben Bauplaner Karsten Kimpel und Architektin Nadja Huhle konkretisiert und den Denkmalschutz-Anforderungen angepasst. So ist die Bebauung ein Stück vom Geysoschloss weggerückt und soll überwiegend eingeschossig sein. Zweigeschossige Gebäude sind nur an den Rändern angedacht. Die benachbarte historische Bausubstanz wurde ins Gesamtkonzept einbezogen: Schloss und Nebengebäude sollen von der Eigentümer-KG gepachtet werden und das Entrée bilden. Dort sollen Verwaltung, Gemeinschaftsräume und Übernachtungsmöglichkeiten für Angehörige untergebracht werden. Neu im Konzept ist auch eine Palliativstation. „Die Bewohner sollen auch ihre letzten Lebenswochen in ihrer vertrauten Umgebung verbringen können“, erklärt Karsten Kimpel. In der ehemaligen Tierparkschänke, die erweitert und aufgestockt werden soll, sind Lager und Technikräume sowie die Küche vorgesehen. Herzstück der Anlage sind mehrere Apartmenthäuser mit Gemeinschaftsräumen, die Platz für 72 Bewohner bieten. „Ein Dorf im Dorf“, verdeutlicht Bürgermeister Andre Stenda.

Vorbild ist Deutschlands erstes Demenzdorf in der Nähe von Hameln. Das steht mitunter in der Kritik, weil die Anlage von einem Zaun umgeben ist. In Mansbach sollen vor allem natürliche Gestaltungselemente dazu beitragen, dass die Bewohner nicht die Orientierung verlieren, erklärt der Bürgermeister: „Eine ansprechende Umgebung ist wichtig“. Auch Planer Karsten Kimpel betont, dass das Demenzdorf keine geschlossene Einrichtung sei, sondern in die örtlichen Strukturen eingebunden werde.

Etwa 70 Arbeitsplätze sollen laut Bürgermeister entstehen. Die Gemeinde arbeite bereits an Wohn- und Baumöglichkeiten für Mitarbeiter und Angehörige. Bis zum rechtskräftigen Bebauungsplan werde das Bauleitverfahren etwa ein Jahr in Anspruch nehmen. Mit den Bauarbeiten fürs Demenzdorf kann dann nach Einschätzung von Planer Karsten Kimpel voraussichtlich Ende 2020 begonnen werden.

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