50-jähriges Jubiläum

Disco Red Apple: Start mit sechs Lautsprechern

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Seit 50 Jahren ihr Arbeitsplatz: Irmtraud Mähler (rechts) gehört seit dem ersten Öffnungstag im Mai 1970 zum Team der Diskothek Red Apple. Karl Asbach, der Sohn des Gründers Heinrich Asbach, hat die Entwicklung seit seiner Kindheit miterlebt.

Die legendäre Disco "Red Apple" in Ausbach feiert ihren 50. Geburtstag - mit einer großen Party am 28. März.

Sein wohl größter Coup gelang Heinrich Asbach 1976: Für seine Ausbacher Diskothek verpflichtete der findige Gastwirt damals dank der Kontakte seines Discjockeys Eckhard Zoll die aufstrebende Band Boney M.

Holte die Stars in die Region: Red-Apple-DJ Eckhard Zoll (links) mit der Sängerin Jennifer Rush sowie Sänger und Produzent Fancy. Fotos: Discothek Red Apple

Das Gastspiel der international erfolgreichen Formation des Produzenten Frank Farian sowie der wegen des großen Andrangs in die Friedewalder Festhalle verlegte Auftritt der US-amerikanischen Sängerin Jennifer Rush im Jahr 1986 sind nur zwei von unzähligen Anekdoten aus 50 Jahren „Red Apple“. Unter diesem – vom Ausbacher Rotapfel inspirierten – Namen wird die Diskothek von der Familie Asbach seit dem 1. Mai 1970 betrieben.

Volles Haus: Viel Betrieb herrscht auf diesem Foto aus den 1980er Jahren im Red Apple.

Mit den US-Soldaten war die Disco-Welle in den 1960er Jahren auch in die osthessische Provinz geschwappt. Auch Heinrich Asbach erkannte den Trend, funktionierte den Tanzsaal der Gastwirtschaft kurzerhand zur provisorischen Disco um. Auf der Hannovermesse kaufte der heute 79-Jährige im Frühjahr 1970 schließlich die erste eigene Musikanlage: Sechs 80-Watt-Lautsprecher, zwei Plattenspieler, Mischpult und Verstärker – das Red Apple war geboren.

Legte den Grundstein: Heinrich Asbach eröffnete die Disco vor 50 Jahren.

Seit dem ersten Öffnungstag gehört Irmtraud Mähler zum Team der Kult-Disco. Über Jahrzehnte versorgte sie die Gäste an der Haupttheke mit Getränken, seit rund zwei Jahren arbeitet die 80-Jährige überwiegend an der Garderobe. Dreimal pro Woche – mittwochs, freitags und samstags, sei in den Anfangsjahren geöffnet gewesen, erinnert sich die wohl dienstälteste Disco-Bedienung der Region, die noch immer Spaß am Umgang mit jungen Leuten hat. „Um 19.30 haben wir die Tür aufgemacht, um 20 Uhr war es voll“. Getrunken wurde vor allem Fassbier und – passend zum Namen der Betreiber – Asbach-Cola.

Dass sich die Diskothek im 850-Seelen-Dorf in der Gemeinde Hohenroda über fünf Jahrzehnte gehalten hat, erklärt Karl Asbach, Sohn des Gründers und Ehemann der heutigen Betreiberin Martina Mathies-Asbach, so: Seine Familie habe immer versucht, am Puls der Zeit zu bleiben, und kontinuierlich Technik und Ausstattung erneuert.

So gehörten die Gastronomen zu den ersten, die dank großer Fritteuse die hungrigen Discogänger mit Pommes frites versorgten. Fertig geschnittene Kartoffel-Stäbchen gab es damals noch nicht: „Drei Frauen aus der Nachbarschaft haben Kartoffeln geschält und ich stand als Kind an der Pommes-Presse“, blickt der 54-Jährige zurück. Mehrfach wurde während der vergangenen 50 Jahre um-, an-, und ausgebaut, renoviert, in Ton- und Lichtanlage sowie in Wärmedämmung und Lärmschutz investiert.

Teil des Erfolgs sei auch das eingespielte Team, betont Karl Asbach – neben Irmtraud Mähler halten der Disco weitere Mitarbeiter teils seit Jahrzehnten die Treue.

Im Herbst 1990 entging das Red Apple nur knapp einer Katastrophe: Vermutlich wegen eines technischen Defekts war außerhalb der Öffnungszeit ein Brand ausgebrochen. Die Feuerwehr verhinderte zwar Schlimmeres, die nach Komplettumbau gerade wieder eröffnete Disco war trotzdem verrußt und musste in Rekordzeit renoviert werden.

Die meisten Großraum-Discos, die dem Red Apple in den 1980er und 1990er Jahren Konkurrenz machten, haben ihre Pforten längst wieder geschlossen. Geburtenschwache Jahrgänge und ein verändertes Freizeitverhalten durch Smartphones und Internet zählten heute zu den Herausforderungen, denen sich der Familienbetrieb stellt.

Gefeiert wird der runde Geburtstag der Diskothek am Samstag, 28. März, mit Musik aus fünf Jahrzehnten und einer Blues-Brothers-Actionshow. Die Jubiläumsparty ist fast ausverkauft, nur wenige Restkarten gibt es noch ab 19.30 Uhr an der Abendkasse.

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