Landwirt sucht Dialog mit den Verbrauchern

Agrarscout Sven Mares aus Soislieden ist Bauer und Botschafter

+
Im Gespräch: In der Sonderausstellung Erlebnisbauernhof der Grünen Woche in Berlin stellte sich Agrarscout Sven Mares (links) den Fragen der Besucher. Wegen der Gefahr der Afrikanischen Schweinepest wurden die echten Ferkel im Schweine-Mobil in diesem Jahr durch Plastikschweine ersetzt.

Soislieden. Der 26-jährige Landwirt Sven Mares aus Soislieden ist Agrarscout. Im Dialog mit Verbrauchern versucht er, Vorurteile gegen seinen Berufsstand auszuräumen. 

Geschundene Kreaturen in engen, dunklen Ställen und massiver Chemieeinsatz auf dem Acker: Solche drastischen Bilder prägen meist die öffentliche Wahrnehmung der modernen Landwirtschaft.

Pauschal und oft zu Unrecht werde sein Berufsstand dadurch an den Pranger gestellt, beklagt Sven Mares aus dem Hohenrodaer Ortsteil Soislieden. „Ich möchte, dass nicht nur über uns, sondern mit uns geredet wird“, betont der 26-jährige Landwirt. Deshalb engagiert er sich im Forum Moderne Landwirtschaft, einem Zusammenschluss von Verbänden, Organisationen und Unternehmen der Agrarbranche. Um Verbrauchern Einblicke in seine Arbeit zu geben, hat Mares sich im Jahr 2017 bei einer eintägigen Schulung in Münster zum Agrarscout ausbilden lassen. Die Feuertaufe folgte direkt danach bei einem Street-Food-Festival: „Nebenan wurde Pulled Pork verkauft und wir standen dort mit dem Schweine-Mobil, einem Anhänger mit nachgebautem Stallabteil und sechs echten Ferkeln. Eine einmalige Gelegenheit, eins zu eins ins Gespräch zu kommen, die gut ankam“, berichtet der 26-Jährige.

Messe ist die Königsdisziplin

Als „Königsdisziplin“ bezeichnet der Landwirt seinen jüngsten Einsatz als Agrarscout auf der Landwirtschafts- und Ernährungsmesse Grüne Woche in Berlin im Januar. Mit neun Berufskollegen stand er auf dem Erlebnisbauernhof in Halle 3 als Ansprechpartner für die Besucher zur Verfügung. Vielen Menschen fehle heute der Bezug zur Landwirtschaft und damit die Vorstellung davon, wie ihre Lebensmittel erzeugt werden, hat Sven Mares festgestellt. Dass es in der Branche auch Missstände gebe, will er weder verschweigen noch schönreden. Ihm gehe es aber darum zu zeigen, dass die meisten konventionellen Landwirte gute Arbeit leisten und qualitativ hochwertige Lebensmittel produzieren. 

Mit Fotos gibt der Agrarscout deshalb auch Einblicke in den eigenen Betrieb, den er gemeinsam mit seinem Vater und einem Angestellten bewirtschaftet. 180 Zuchtsauen leben in den Ställen des Hofes. Deren Nachkommen mästen die Landwirte im neuen Stall außerhalb der Ortslage. Das im Jahr 2014 fertiggestellte Gebäude bietet Raum für 1400 Schweine und wurde mit 20 Prozent mehr Platz, Liegeflächen mit geringerem Schlitzanteil im Spaltenboden und verschiedenen Beschäftigungsmaterialien nach Gesichtspunkten des Tierwohls geplant. Seine Schweine vermarktet Sven Mares regional über den Schlachthof in Fulda, der überwiegende Teil des Futters wird selbst angebaut.

Bei den Einsätzen als Agrarscout ergäben sich viele interessante Gespräche, die durchaus zum gegenseitigen Verständnis beitragen, fasst Sven Mares seine Erfahrungen zusammen. Dass männliche Ferkel nicht etwa aus Spaß kastriert werden, sondern um ungenießbares Fleisch durch Ebergeschmack zu vermeiden, sei vielen Verbrauchern nicht bewusst. Ebenso wenig, dass neue Ställe zwar für immer mehr Tiere ausgelegt, bei der Planung aber verstärkt Erkenntnisse zum Tierwohl berücksichtigt würden.

Dass sich vehemente Skeptiker dadurch nicht umstimmen lassen, ist Sven Mares durchaus bewusst – das sei aber auch nicht sein Anspruch. Von den großen Agrarkonzernen vor den Karren gespannt – wie Kritiker des Forums Moderne Landwirtschaft bemängeln – fühlt sich der Landwirt bei seinen Einsätzen nicht. Für ihn ist das Agrarscout-Programm vielmehr eine gute Möglichkeit, mit den Verbrauchern in den Dialog zu treten – und den möchte er auch in Zukunft fortsetzen.

Zur Person:

Sven Mares (26) ist im kleinsten Hohenrodaer Ortsteil Soislieden aufgewachsen. Nach seiner Ausbildung zum Landwirt hat er sich an der Fachschule für Agrarwirtschaft in Petersberg bei Fulda zum staatlich anerkannten Wirtschafter Fachrichtung Agrarwirtschaft weitergebildet. Gemeinsam mit seinem Vater und einem Angestellten führt er einen landwirtschaftlichen Betrieb mit 180 Zuchtsauen und 1400 Mastschweinen. Der 26-Jährige ist ledig und hat keine Kinder. In seiner Freizeit engagiert er sich als Vorsitzender des Mansbacher Turnvereins.

Hintergrund:

Organisationen und Unternehmen aus der Agrarbranche zusammengeschlossen, um über die Landwirtschaft und deren Produktionsmethoden zu informieren und zu deren positiver Wahrnehmung beitragen. Zu den knapp 50 Mitgliedern gehören unter anderem der Landmaschinenhersteller Fendt, die Chemie-Konzerne Bayer, BASF und Monsanto, der Düngemittelhersteller K+S, Nord- und Südzucker, die Deutsche Landwirtschaftsgesellschaft und zahlreiche Branchenverbände aus den Bereichen Landwirtschaft, Tierzucht und Pflanzenbau. FML-Vorsitzender ist der Präsident des Deutschen Bauernverbandes, Joachim Rukwied. Zentrales Projekt ist der Erlebnisbauernhof auf der Grünen Woche mit Tieren, Ställen, Ackerflächen und modernen Maschinen.

Kommentare