In Eiterfeld

Wolf: Diskussion um Abschüsse, Zäune und Schutzhunde

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Wer Schafe und Ziegen hält – hier eine Herde am Hünfelder Weinberg –, dem stellen sich viele Fragen zum Umgang mit dem Wolf.

Eiterfeld – Die Frage nach dem Umgang mit dem Wolf bewegt weiterhin viele Schaf- und Ziegenhalter.

Das zeigte der große Andrang bei der Veranstaltung „Wolf und Herdenschutz in Deutschland“, zu der die Kreisbauernverbände Fulda und Hersfeld-Rotenburg kürzlich nach Eiterfeld eingeladen hatten: Rund 150 Zuhörer waren ins Bürgerhaus gekommen.

Dr. Hubert Beier, Geschäftsführer des Fuldaer Verbands, hieß nicht nur den Hauptreferenten des Abends, Friedrich Noltenius vom Landesjagdverband Sachsen, willkommen, sondern teilte der Versammlung auch mit, dass seine Versuche gescheitert seien, Klaus-Ulrich Battefeld, den Wolfsfachmann des Umweltministeriums, für den Abend zu gewinnen. Dieser habe unter Verweis auf Noltenius abgesagt. Auch ein Wolfsberater aus dem Forstbereich habe zunächst Interesse gezeigt, später aber seine Beinahe-Zusage zurückgezogen.

Auf dem Gebiet der Kreisverbände Hersfeld-Rotenburg und Fulda haben sich drei der vier in diesem Jahr in Hessen genetisch bestätigten Nutztierrisse durch Wölfe ereignet. Auf die Frage unserer Zeitung an das Umweltministerium, warum die Vertreter des Landes Hessen der Einladung der beiden Verbände nicht folgen wollten (oder durften), gab es keine Antwort.

Statt wolfskundiger Gäste aus Wiesbaden informierten die Schäfer Norbert Werner (Mittelkalbach) und Frieder Beyer, der eine Herde bei Friedewald hat, aus praktischer Sicht. Werner ist Eigentümer einer Herde, aus der im April drei Schafe nachweislich von einem Wolf gerissen worden waren. Das sei geschehen, obgleich die Tiere den geltenden Vorschriften entsprechend durch einen ordnungsgemäß aufgestellten 90-Zentimeter-Elektrozaun gesichert gewesen seien, unterstrich er.

Frieder Beyer berichtete über die Arbeit mit Herdenschutzhunden. Deren Einsatz sei, da sie auf Störungen beispielsweise durch Wanderer oder Radfahrer mit (die Herde schützender) Aggression reagierten, nur an abgelegenen Standorten möglich. Hinzu kämen die hohen Kosten. Diese bezifferte er für seine drei Hunde – die Tiere sollen nicht einzeln eingesetzt werden – in zwei Jahren auf rund 18 000 Euro. Schon der Kostenfaktor mache deutlich, dass der Einsatz von Herdenschutzhunden zumindest für die kleineren Betriebe und Nebenerwerbs-Tierhalter keine Lösung sein könne.

Hauptreferent Friedrich Noltenius stellte in einem breit angelegten Vortrag unter anderem die Entwicklung der Wolfsbestände und die Schäden, die an Nutztierbeständen bestehen, dar. Sein Vortrag ist auch im Internet unter wolfszone.de dokumentiert.

Noltenius zeigte auf, dass die Rückkehr des Wolfs nach Mitteleuropa und Deutschland nicht zuletzt eine Folge des Zusammenbruchs des Eisernen Vorhangs gewesen sei, denn damit sei auch die konsequente Bejagung der Tiere im östlichen Teil Europas zu Ende gegangen. Die Zahl der aktuell in Deutschland lebenden Wölfe gab er mit 1500 bis 1800 an. Aufgrund der hohen Vermehrungsrate von teils über 30 Prozent gehe er von mehr als 2000 Tieren im Jahr 2020 aus.

Noltenius betonte, dass es in den Beständen immer nur einzelne Rudel seien, die ihren Beuteschwerpunkt auf Schafe, Ziegen oder Kälber legten. Um den Wolfsbestand grundsätzlich ermöglichen zu können, warb Noltenius dafür, „gegen die vergleichsweise wenigen Wölfe, deren Beutespektrum unsere Weidetiere eindeutig einbezieht, aktiv und mit konsequenter Entnahme (also mit Abschüssen) vorzugehen.“ (zi)

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