Sprengungen für den Kalkkiesabbau

Ufhausen: Häuser zittern am Steiger

Hier zittert die Erde: Sprengungen im Steinbruch am Steiger sind auch im Ort deutlich zu spüren. Foto:  Sabrina Mehler/nh

Ufhausen. In Ufhausen erzittern immer wieder die Häuser. Grund dafür sind Sprengungen im nahen Steinbruch am Steiger am Rande des Orts.

Laut Regierungspräsidium (RP) Kassel liegen die Erschütterungen aber innerhalb der zulässigen Grenzwerte.

Die FWG-SPD-Koalitionsfraktionen hatten die Sprengung kürzlich in der Gemeindevertretersitzung zum Thema gemacht. Mittels einer Anfrage wollten sie unter anderem wissen, ob die Druckwellen möglicherweise durch andere Sprengtechniken abgeschwächt werden können. Denn diese Druckwellen seien in den Häusern in Ufhausen „deutlich spürbar“, betonen FWG und SPD. Die Bewohner befürchteten sogar, dass durch die Erschütterungen Schäden an ihren Gebäuden entstehen könnten.

Der Steinbruch am Steiger nahe dem Sportplatz in Ufhausen ist im Jahr 1975 erschlossen worden. Dort wird unter anderem Kalkschotter abgebaut. Genutzt wird die Fläche sowohl von der Eiterfelder Firma Giebel als auch von der einst in Ufhausen gegründeten, heute in Hünfeld ansässigen Firma Bock. Derzeit führe aber nur das Eiterfelder Unternehmen Sprengungen durch, berichtete Bürgermeister Hermann-Josef Scheich (parteiunabhängig).

Für die Beantwortung der Anfrage hatte die Marktgemeinde das Regierungspräsidium als Genehmigungs- und Überwachungsbehörde um eine Stellungnahme gebeten. Demnach habe der Steinbruch eine immissionsschutzrechtliche Genehmigung gemäß dem Bundesimmissionsschutzgesetz, unterstrich Scheich in der Gemeindevertretersitzung. Bereits im damaligen Genehmigungsverfahren sei geprüft worden, ob durch den Betrieb „schädliche Umwelteinwirkungen“ verursacht werden könnten. Damals seien „bestimmte Nebenbestimmungen“ festgelegt worden, die Scheich beziehungsweise das RP jedoch nicht näher ausführten.

Keine Gefährdung

Zudem würden Vor-Ort-Termine wahrgenommen und vom Betreiber beziehungsweise dem Sprengberechtigten stichprobenartig Dokumente angefordert, die Daten über die geplanten Sprengungen enthalten. Diese werden darauf geprüft, ob es Abweichungen von den genehmigten Bedingungen gibt. „Nach bisheriger Aktenlage wurden keine Anhaltspunkte festgestellt, die erwarten lassen, dass der Schutz der Allgemeinheit gefährdet ist“, zitierte Scheich das Schreiben des Dezernats Immissionsschutz und Energiewirtschaft beim RP Kassel. Die Behörde nahm auch Stellung dazu, ob eine andere Sprengtechnik eventuell für weniger Erschütterungen im Ort sorgen könnte. Ganz zu vermeiden seien diese aber nicht, heißt es beim RP. Eine Verringerung von „Schwinggeschwindigkeiten“ könne theoretisch erzielt werden, wenn die Sprengstoffmenge reduziert wird - oder wenn der Abstand der Sprengstelle zum Immissionsort erhöht wird. Auch könnten unter anderem Verzögerungssprengungen angewendet werden, lauten die Tipps.

Das RP macht aber auch klar, dass „aus immissionsschutzrechtlicher Sicht“ in erster Linie maßgeblich sei, dass die Richtwerte für die Schwinggeschwindigkeiten eingehalten werden. Selbst eine Erhöhung der Sprengstoffmengen oder die Änderung anderer „Sprengparameter“ seien dann nicht unzulässig - auch nicht aufgrund von „stärker spürbaren Erschütterungen“. Der Betreiber habe grundsätzlich das Recht, die zulässigen Richtwerte für die Schwinggeschwindigkeiten auszuschöpfen - soweit kein anderes Recht dies begrenze.

Eine Anfrage unserer Zeitung zu den Sprengungen an die Firma Giebel blieb urlaubsbedingt unbeantwortet.

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