Gleichstromleitung soll durch Osthessen laufen

Thüringen will Suedlink-Trasse verschieben

Eiterfeld. Die umstrittene unterirdische Gleichstromtrasse Suedlink soll doch durch Osthessen verlaufen. Das schlägt zumindest die Thüringer Landesregierung jetzt offiziell vor. Der Netzbetreiber Tennet favorisiert derzeit einen Verlauf der Trasse, die Strom aus Windkraft von der Nordsee nach Bayern und Baden-Württemberg transportieren soll, durch Thüringen. Mit dem Vorschlag zur Trassenverschiebung will die Landesregierung in Erfurt das Erdkabelprojekt wieder loswerden.

Thüringens Infrastrukturministerin Birgit Keller (Linke) klagt, ein Verlauf durch Thüringen widerspreche dem vom Bund geforderten Gebot der Geradlinigkeit, also der Orientierung an den Luftlinien zwischen den Anfangspunkten Wilster und Brunsbüttel (bei Hamburg) und den Endpunkten in Großgartach bei Heilbronn (Baden-Württemberg) und Grafenrheinfeld bei Schweinfurt (Bayern). Das Erdkabel müsse westlich verlaufen – durch Hessen. Bundesländer haben das Recht, selbst Trassen vorzuschlagen.

Massiver Widerstand

Damit stößt Keller in Osthessen auf massiven Widerstand. Der von ihr vorgeschlagenen Verlauf würde vor allem den Vogelsbergkreis und den Main-Kinzig--Kreis betreffen. Eine Alternativroute ist weiter östlich vorgesehen und würde bei Bad Salzschlirf, Großenlüder und Hosenfeld auch den Landkreis Fulda betreffen. Der bisherige Alternativkorridor, den Tennet zur Thüringen-Trasse vorlegt hat, würde Eiterfeld, Burghaun und Hünfeld tangieren.

„Die Planung der Thüringer ist nicht fachlich und an der Sache orientiert, sondern politisch. Erfurt will sich die Trasse vom Halse schaffen“, sagt Fuldas Landrat Bernd Woide (CDU). Der Kreis Fulda werde im Verfahren vortragen, dass es in seinem Bereich massive Probleme gebe, die den Bau der Trasse hier unmöglich machten. Tennet plant durch den Kreis Fulda derzeit lediglich eine Alternativroute, bevorzugt wird Thüringen.

Die osthessischen Bundestagsabgeordneten äußern sich deutlich: „Der Vorschlag ist der durchsichtige Versuch, fachliche Argumente dem Sankt-Florians-Prinzip zu opfern. Die Entscheidung muss nach fachlichen, nicht nach politischen Kriterien fallen“, fordert Michael Brand (CDU). Überbündelung und größere Raumwiderstände in Osthessen sprächen klar für die Thüringen-Variante.

Birgit Kömpel (SPD) hat im Gespräch mit Tennet-Chef Lex Hartman gesprochen und erfahren, dass nach mehrfacher Prüfung die Alternativvariante durch den Kreis Fulda noch nicht einmal an dritter Stelle stehe.

Die ursprüngliche Planung für den Suedlink sollte, noch oberirdisch, durch den Landkreis Hersfeld-Rotenburg führen und zwar über Neuenstein, Kirchheim und Niederaula, wurde jedoch verworfen, unter anderem wegen heftiger Bürgerproteste. (vn) 

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