Porträt Birgit Kircher

Kinderturnen: Klettern, Springen und Spaß haben

Eiterfeld - Birgit Kircher bietet seit fast 26 Jahren Kinderturnen über den VfL Eiterfeld und seit 22 Jahren Eltern-Kind-Turnen über die Volkshochschule an.

„Hurra, wir sind jetzt da, hurra wir sind jetzt da, wir hüpfen wie ein Gummiball …“, schallt es aus einer Vielzahl von Kinderkehlen. Jede von Birgit Kirchers Kinderturnstunden beginnt und endet mit einem gemeinsamen Lied. Das gibt den Kindern Struktur und bringt Ruhe in die Gruppe, damit gemeinsam gestartet werden kann. Danach erklärt Birgit Kircher die einzelnen Turn-Stationen. Da gibt es alte Fahrradschläuche, die zwischen den Holmen eines Barren hängen und über die die Kinder laufen oder eine selbstgebaute Wippe. Dafür liegt ein Turnbock umgedreht auf dem Boden, darüber eine Bank. Wenn sich die Kinder über die Bank bewegen, kippt diese nach vorn. Insgesamt gibt es vier bis sechs solcher Stationen.

Sicherheit an den Geräten ist das oberste Gebot. Allerdings heißt das nicht, dass zum Beispiel beim Eltern-Kind-Turnen, die Kinder an der Hand über ein Gerät geführt werden sollen. Kircher möchte den Kindern ermöglichen, so viel wie möglich selbst zu machen. „Viele Eltern trauen ihren Kindern viel zu wenig zu“, so die erfahrene Übungsleiterin.

Birgit Kircher bietet seit fast 26 Jahren Kinderturnen über den VfL Eiterfeld und seit 22 Jahren Eltern-Kind-Turnen über die Volkshochschule an. Insgesamt turnt sie mit 182 Kindern pro Woche, die zwischen eineinhalb und sieben Jahren alt sind.

„Eltern sollten ermutigen, unterstützen und aufpassen, aber ihr Kind nicht einschränken. Wenn sie etwas alleine machen, merken die Kinder am besten, dass sie aufpassen müssen“, sagt Birgit Kircher.

Birgit Kircher nahm vor über 26 Jahren selbst mit ihren Zwillingen am Eltern-Kind-Turnen und am Kinderturnen teil. Die damalige Leiterin Sigrid Hartmann war gerade dabei, sich beruflich zu verändern und suchte Unterstützung. „Du bist schon lange genug dabei, du kannst doch eine Gruppe übernehmen“, mit diesen Worten von Sigrid Hartmann begann die Laufbahn von Birgit Kircher als Übungsleiterin, und viele Lehrgänge und Lizenzen folgten.

Dass sie mit Herzblut dabei ist, zeigt sich auch darin, dass sie sich extra eine berufliche Tätigkeit gesucht hat, die mit ihrem sportlichen Engagement vereinbar ist. Jeden Nachmittag ist sie in einer Turnhalle in Eiterfeld, Rasdorf, Künzell oder Mackenzell mit den Kindern aktiv. Dabei ist nicht die präzise Ausführung von Turnübungen wichtig, sondern es geht um den Spaß an der Bewegung. In Zeiten, in denen Kinder viel Zeit in der Betreuung oder vor dem Fernseher beziehungsweise Computer verbringen, statt Abenteuer auf dem Spielplatz zu erleben, ist die Eiterfelderin froh mit ihrem Angebot, einen Beitrag gegen den Trend zu setzen.

Ein vierjähriger Junge ist ihr bis heute im Gedächtnis geblieben. Dieser traute sich trotz dicker Matte nicht ein oder zwei Stufen an der Sprossenwand hochzuklettern. Er hatte einfach zu große Angst. Diese hatte sich durch seine übervorsichtige und ängstliche Mutter auf ihn übertragen. Nach einem Jahr regelmäßigen Kinderturnen, viel Geduld und Hilfestellung kletterte und tobte der Junge genauso ausgelassen wie seine Altersgenossen durch die Halle. Diese Erlebnisse bestätigen Birgit Kircher. Sie freut sich auch, dass immer mehr Väter oder Großeltern mit den Kindern in die Turnhalle kommen.

VON KRISTIN KEIDEL

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