Einmalig und individuell 

Hünfeld: Goldschmiedemeisterin Gudula Emig designt Schmuck

+
Am Werktisch sitzen und die eigenen Entwürfe zu individuellen Schmuckstücken ausarbeiten ist die Vorliebe von Gudula Emig. Hier lötet sie ein Silbercollier.

Hünfeld. Sie ist Goldschmiedemeisterin aus Leidenschaft: Gudula Emig aus Hünfeld. Dort betreibt sie ihr eigenes Geschäft.

„Proportionen, Harmonie und Symmetrie sind das Geheimnis eines gelungenen Schmuckstückes. Diese Perfektion und Schönheit strebe ich an, um die Kundenwünsche zu erfüllen und etwas Einmaliges und Individuelles zu schaffen“. Mit diesen Worten beschreibt Gudula Emig ihren Berufsalltag. 

Die 52-Jährige ist Goldschmiedemeisterin in ihrem eigenen Geschäft in Hünfeld, in dem sie vorrangig Gold, Silber, Platin und Palladium verarbeitet. 

Edelsteinlager als Basis 

Ihr persönlicher Favorit ist das 750er Gelbgold, „das lässt sich schön verarbeiten und hat einen strahlenden Glanz“. Ihre Lieblingssteine sind Turmaline und Opale. Aus dem umfangreichen Edelsteinlager mit u.a. Diamanten, Saphiren, Rubinen, Smaragden, Bernstein und Perlen fertigt Gudula Emig Colliers, Ringe, Armbänder oder Ohrringe. Der hochwertigste Stein bisher war ein Diamant mit drei Karat. 

Emigs Meisterstück: Collier, Armband und Ring bestehen aus 750er Gelbgold mit einer Eismatt-Oberfläche und Goldberyll.

Die kreative Designerin entwirft und fertigt tragbaren, ausgefallenen Schmuck von konservativ bis extravagant, aus günstigem Silber- bis hochwertigen Goldschmuck für jedermann zu erschwinglichen Preisen. Die Kunden sind zwischen 16 und 95 Jahre alt. Sie können aus der Kollektion auswählen oder auch ein individuelles Schmuckstück anfertigen lassen. „Am Werktisch zu sitzen und die Entwürfe auszuführen, das ist meine Passion. Punkt, Linie, Fläche, Raum - alles muss harmonisch sein und die Sinne ansprechen“, sagt Gudula Emig.

Ihre Vorliebe fürs Handwerk entdeckte die Geschäftsfrau während der Tischlerlehre, die eigentlich einem Medizinstudium vorausgehen sollte. Da sie schon immer künstlerisch begabt war, wählte sie schließlich einen Beruf, der das handwerkliche und schöpferische Geschick in sich vereint: Goldschmiedin. Als Meisterin machte sie sich Ende 1995 in Hünfeld am Fuldaer Berg selbstständig. 

Erbstücke umarbeiten 

Nach den detaillierten Skizzen werden die Schmuckstücke angefertigt.

1998 erfolgte die Ausbildung zur Fachberaterin für historischen Schmuck, mit der sie Restaurierungsarbeiten vornehmen kann. Deshalb liegt einer ihrer Schwerpunkte auch in der Umarbeitung von geerbten Schmuck oder Trauringen. Einen alten Ehering zum Beispiel zersägt sie in vier Teile und gestaltet daraus einen neuen Anhänger mit einem Stein. Die ursprüngliche Gravur bleibt dabei zur Erinnerung sichtbar. „Schmuck ist immer emotional beladen, gerade bei der Umarbeitung von Erbstücken“, weiß die Designerin. 

Auch aus alten Uhren fertigt Gudula Emig neue Schmuckstücke. Sie erinnert sich an ein Uhrenarmband aus 750er Weißgold, dem die Uhr fehlte. Die wertvollen Bänder erhielten von der Goldschmiedin ein passendes Gehäuse und Ziffernblatt, das Uhrwerk lieferte ein Uhrmachermeister. Mit ihm arbeitet sie auch zusammen, wenn es um Neuanfertigungen von besonderen Uhren-Einzelstücken geht. Ihre aufwändigste Arbeit war eine Armbanduhr in Wellenform, die sich die Besitzerin, eine begeisterte Skifahrerin, wünschte. 

Gudula Emig gestaltet besonders gerne auswechselbaren Schmuck. Sie entwirft Anhänger mit auswechselbaren Steinelementen oder Ohrringe mit austauschbaren Steinanhängern. „Individuelle Steine gehören in individuelle Fassungen“, ist die 52-Jährige überzeugt. Ringe für starke Gelenke Mit einem genialen System hilft die Handwerksmeisterin auch allen Ringträgern, deren Gelenke zu stark sind, um Trau- oder Schmuckringe zu tragen. Sie hat ein Verfahren erfunden, mit dem man wieder bequem Ringe tragen kann. Das An- und Ausziehen ist einfach und problemlos. „Wir entwerfen und fertigen Ringe mit diesem System in allen Edelmetall - Legierungen. Selbstverständlich ändern wir aber auch gerne vorhandene Ringe um“, sagt die Goldschmiedin. In ihrer Liebe zum filigranen Handwerk findet sie Erfüllung. 

„Ich bin immer von schönen Dingen umgeben“. Im Berufsalltag wird sie unterstützt von ihrer rüstigen 75-jährigen Mutter Frauke, die die Buchführung des Geschäfts macht. „Ohne sie geht gar nichts“. Eine Fachverkäuferin für Schmuck steht Gudula Emig seit 23 Jahren zur Seite; „sie gehört mit zum Inventar“, schmunzelt die Unternehmerin. In den vergangenen 23 Jahren hat die Goldschmiedemeisterin stets Nachwuchs ausgebildet, um die Handwerkskunst weiterzugeben. Der neunte Lehrling beginnt im Sommer die Ausbildung. Über 30 Bewerbungen aus ganz Deutschland gab es im Vorfeld. „Leider bildet in Deutschland kaum noch jemand Goldschmiede aus“, bedauert die Hünfelderin. (red)

Kommentare