Lammfleisch hat Ostern Hochkonjunktur

Besuch bei den Osterlämmern: Die Käsmanns sind Schäfer aus Leidenschaft

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Aus der Region auf den Teller: Oliver (links) und Hubert Käsmann mit einem Schaf- und einem Ziegenlamm. 

Lammfleisch hat zu Ostern Hochkonjunktur, bei der Schäferei Käsmann im Eiterfelder Ortsteil Körnbach kommen Lämmer aber das ganze Jahr über auf die Welt.

Die ersten Osterlämmer erblicken schon kurz nach Weihnachten das Licht der Welt. Denn bis die Tiere schlachtreif sind und – pünktlich zu den Feiertagen – als Festtagsbraten enden, dauert es etwa vier Monate. Lammfleisch hat zu Ostern Hochkonjunktur, bei der Schäferei Käsmann im Eiterfelder Ortsteil Körnbach kommen Lämmer aber das ganze Jahr über auf die Welt. Insgesamt 900 Mutterschafe plus deren Nachwuchs umfasst die Herde von Hubert und Oliver Käsmann. Der 68-jährige Seniorchef und sein 47-jähriger Sohn betreiben die Schäferei hauptberuflich – was in der Region eher die Ausnahme ist. Die Käsmanns entstammen einer alten Schäferdynastie, die ursprünglich im benachbarten Arzell ansässig gewesen sei, berichtet Senior Hubert.

Der Stall „An der Trift“ am Ortsrand von Körnbach beherbergt im Winter Mutterschafe und Zuchtböcke. Auch ein Teil der Lämmer kommt hier zur Welt. Auf den Feldern und Wiesen rund um den Eiterfelder Ortsteil bringt der Familienbetrieb Mais- und Grassilage als Winterfutter ein. Die Weideflächen der Käsmanns liegen rund 20 Kilometer entfernt, rund um die Kreisstadt Bad Hersfeld. Schon seit 1957 sind die Schafe dort als tierische Landschaftspfleger im Einsatz. Zwischen dem Haunecker Ortsteil Rotensee und Beiershausen grasen die Merino- und Schwarzkopfschafe auf städtischen und privaten Wiesen, die teilweise nur schwer mit Maschinen zu bewirtschaften wären, oder sorgen im Dienste des Naturschutzs dafür, dass Biotope nicht verbuschen. „Die Rinderhaltung ist rückläufig, deshalb gibt es viel ungenutztes Gras“, erklärt Hubert Käsmann. Neben den Schafen gehört zum Betrieb auch eine Herde von 70 Ziegen, die in der Rhön Gehölze und Hecken zurückbeißen. Insgesamt umfassen die Weide- und Anbauflächen rund 160 Hektar.

Im Stall werden die Schafe mit Mais- und Grassilage gefüttert.

Für die Landschaftspflege erhalten Schäfer staatliche Subventionen. Im Gegensatz zu manchem Berufskollegen machten diese Zahlungen für den eigenen Betrieb nur etwa 40 Prozent des Einkommens aus, erläutert Hubert Käsmann. Rund 60 Prozent ihrer Einkünfte erwirtschafte die Schäferei durch den Verkauf schlachtreifer Lämmer. Den überwiegenden Teil der Tiere hole ein Großabnehmer ab. Um die Gunst der Verbraucher konkurriere das heimische Lammfleisch mit Importen aus Neuseeland, die in Supermärkten zu niedrigen Preisen angeboten werden. „Dort herrschen ganz andere Bedingungen und es gibt es riesige Flächen“, verdeutlicht Oliver Käsmann. In Deutschland mache den Schäfern vor allem die Bürokratie zu schaffen, ergänzt sein Vater. Der 68-jährige Seniorchef hofft, künftig mehr Lämmer direkt in der Region vermarkten zu können.

Das Lammfleisch verarbeitet Fleischermeister Friedrich Wolff in seiner Metzgerei in Bad Hersfeld.

Bereits jetzt arbeitet die Schäferei dafür mit Familie Wolff vom Bad Hersfelder Waldhotel Glimmesmühle zusammen: Nach der Schlachtung in einem EU-zugelassenen Betrieb in Malges verarbeitet Fleischermeister Friedrich Wolff die Lämmer in der Metzgerei des Hotels zu Fleisch- und Wurstwaren, die vor Ort sowie in einer Filiale im südhessischen Kriftel verkauft werden und auch im eigenen Restaurant serviert werden.

Wenn Hubert Käsmann seine Herde in Stadtnähe – etwa im Umfeld des Fuldasees – weiden lässt, seien die Tiere für Radfahrer und Fußgänger eine kleine Attraktion, berichtet der 68-Jährige schmunzelnd. Mit romantisch-verklärten Vorstellungen habe der Beruf jedoch wenig zu tun. „Schäfer ist kein Job, um schnelles Geld zu verdienen“ betont Oliver Käsmann: „Leidenschaft gehört schon dazu.“ (jce)

Hintergrund: Symbol für Vergebung der Sünden

Schon seit Jahrtausenden gilt das Schaf als Symbol des Lebens, weil es nicht nur Fleisch und Milch, sondern auch Kleidung in Form von Wolle liefert. Mit seinem weißen Fell steht das Lamm auch für Reinheit und die friedliche Lebensweise. In der Bibel ist mit dem Lamm eine vielfältige Symbolik verbunden. Es erinnert an das jüdische Passahfest, an dem zur Erinnerung an die Errettung der Israeliten aus Ägypten ein Lamm geschlachtet wird. An einer anderen Stelle werden einem Sündenbock die Sünden symbolisch aufgeladen. Endgültige Vergebung erfahren die Menschen dadurch, dass Jesus Christus durch seine Kreuzigung die Sünden der Welt auf sich nimmt. So sagt Johannes der Täufer zu Jesus: "Seht das Lamm Gottes, das hinwegnimmt die Sünden der Welt."

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