Sommerinterview mit Bürgermeister Hermann-Josef Scheich

Gewerbesteuer sorgt für "blaues Auge" bei Eiterfelds Gemeindefinanzen

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Der Amtsrichter: Bürgermeister Hermann-Josef Scheich zusammen mit der Figur des Amtsrichters in der Ortsmitte von Eiterfel d. Die Bronzefigur steht vor dem alten Amtsgericht, in dem die Sitzungen der gemeindlichen Gremien stattfinden. Bis zum Jahre 1999 war in dem Gebäude die Gemeindeverwaltung untergebracht.

Im Sommerinterview mit der HZ sprach Eiterfelds Bürgermeister Hermann-Josef Scheich über die Auswirkungen der Corona-Krise auf die Gemeindepolitik und wie das Virus sein Leben verändert hat.

Trotz der Corona-Krise zeigte sich Eiterfelds Bürgermeister Hermann-Josef Scheich im Sommerinterview mit unserer Zeitung zuversichtlich.

Wie ist die Marktgemeinde Eiterfeld bisher durch die Corona-Krise gekommen?

Im Großen und Ganzen haben wir es bisher ganz gut gemeistert. Was Probleme bereitete, waren die eingeschränkten Öffnungszeiten der Verwaltung. Ganz schwierig war auch die Zeit mit der Notbetreuung in den Kindergärten und das damit verbundene langsame Öffnen hin zum Regelbetrieb, was zu vielen Schwierigkeiten geführt hat. Die wirtschaftlichen Auswirkungen der Krise werden wir voraussichtlich erst im kommenden Jahr spüren.

Zu welchen internen Veränderungen im Verwaltungsablauf hat Corona geführt?

Die Türen zu den Fluren sind weiterhin noch geschlossen und Termine werden telefonisch vereinbart oder es wird auch schon einmal auf Klopfzeichen geöffnet, damit es auf den Fluren nicht zu Staus kommt. Die Bürger gehen damit sehr diszipliniert um. Das hatte ich so nicht unbedingt erwartet. Masken tragen, eintragen in Listen. Das ganze Prozedere stößt auf eine gute Akzeptanz. In der Verwaltung selbst, haben wir im Zweischichtbetrieb gearbeitet, damit im Quarantäne-Fall nicht alle zuhause bleiben müssen. Uns steht daher nicht die volle Leistungsfähigkeit zur Verfügung.

Wie ist es aktuell um die Gemeindefinanzen bestellt?

Bei der Gewerbesteuer hält es sich mit zinslosen Stundungen und Herabsetzungen der Vorauszahlungen in Grenzen. Da sind wir Stand jetzt noch recht zufrieden. Aber wir gehen davon aus, dass es im Jahr 2021 schwieriger wird. Die nächste Herbstschätzung wird wohl von Rückgängen bei den Einkommens- und Umsatzsteueranteilen ausgehen. Bei der Gewerbesteuer hoffe ich, mit einem blauen Auge davon zu kommen.

Liegen derzeit einzelne Projekte auf Eis?

Bei uns gibt es aktuell keine Veränderungen und Verschiebungen. Es soll alles wie geplant umgesetzt werden. Wir haben eher das Problem, aufgrund der guten Auftragslagen im Handwerk, Betriebe zu bekommen. Dadurch kann es bei dem einen oder anderen Projekt von uns ungewollt zu Verzögerungen kommen.

Eiterfeld ist mit Blick auf das Gewerbegebiet ja ein riesiger Wirtschaftsstandort. Wie geht es den Unternehmen?

Das ist auch für uns immer die Schlüsselfrage hinsichtlich der Gewerbesteuer. Die Handwerksbetriebe haben wie erwähnt volle Auftragsbücher. Und auch im Bereich der Industrie schaut man recht optimistisch nach vorn. Das habe ich aus vielen Gesprächen so mitgenommen.

Wie sehr hat sich Ihr persönliches Leben durch Corona verändert?

Viele offizielle Termine und Vereinsjubiläen sind weggebrochen. Ich denke da nur an 100 Jahre VfL Eiterfeld, 100 Jahre Blau-Weiß Großentaft. Alles musste abgesagt werden. Und ganz schlimm natürlich der komplette Ausfall der Veranstaltungen zur 1175 Jahrfeier von Eiterfeld. Von daher ist Hermann-Josef Scheich an den Wochenenden mehr Familienvater.

Wie verbringen Sie den Sommer?

Mit einem kleinen Urlaub. Voraussichtlich in Leipzig. Die große Tour in die USA zum 30. Geburtstag der Tochter im September wird wohl ausfallen müssen. Wir wollten mit ihr und dem anderthalb Jahre alten Enkel im Wohnmobil von Washington, wo sie derzeit mit ihrer Familie lebt, zu den Niagara-Fällen.

Wie geht es in der Gemeindepolitik nach der Sommerpause weiter?

Die Weiterführung des Gewerbegebiets wird uns ebenso beschäftigen wie die Ortsmitte im Kernort Eiterfeld, das Voranbringen des Wohnbaugebiets und natürlich auch die energetische Sanierung unserer gemeindlichen Einrichtungen. Wir haben für Kläranlagen und Wasserwerke, die viel Energie verbrauchen, Konzepte erarbeitet, wie wir das künftig eindämmen können. Nach den Sommerferien werden wir die Ausschüsse über die ersten Ergebnisse unterrichten.

Wenn Sie sich aktuell etwas wünschen dürften, was wäre das?

Auch wenn es ein wenig abgedroschen klingt: Gesundheit. Wenn die Corona-Zeit einmal vorüber ist, sollten wir ab und zu daran denken, dass nicht alles selbstverständlich ist. Und das wir alle zusammenhalten müssen.

Zur Person:

Hermann-Josef Scheich ist 61 Jahre alt und in Eiterfeld-Leimbach aufgewachsen. Nach der Mittleren Reife absolvierte er eine Ausbildung zum Energieanlagenelektroniker. Ende der Siebzigerjahre machte er in Bad Hersfeld sein Fachabitur im Bereich Technik. Danach studierte er an der Fachhochschule in Gießen Elektrotechnik. Von 1986 bis 1994 arbeitete Scheich bei der Telekom im Bereich Satellitenfunk. Von 1994 bis 2000 war er beim Gewerbeaufsichtsamt des Regierungspräsidiums in Fulda tätig. Seit dem 1. August 2000 ist Scheich Bürgermeister der Marktgemeinde Eiterfeld. Er ist seit 1986 verheiratet, hat drei Töchter und drei Enkelkinder. Seine Hobbys sind das Segeln, das Rad- und Skifahren sowie das Wandern.

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