Verbale Peitschenhiebe

Fränkisches Theater mit "Wer hat Angst vor Virginia Woolf" in Eiterfeld

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Klar ist auch von Liebe die Rede. Aber selbst die innigste Umarmung von George und Martha erinnert mehr an zwei Ertrinkende, die sich aneinanderklammern. Von links: Nick (Lukas Redemann), Martha (Sandra Lava), George (Ingo Pfeiffer), Putzi (Anna Schindlbeck).

Eiterfeld – Gut besucht war die Theatervorstellung „Wer hat Angst vor Virginia Woolf“, gespielt vom Fränkischen Theater Schloss Maßbach.

Einen Klassiker auf die Bühne zu bringen, der so bekannt ist wie Edward Albees Stück und zudem mit Elisabeth Taylor und Richard Burton in den Hautprollen verfilmt wurde, ist eine Herausforderung. Die wurde von den eindrucksvollen Schauspielern des Fränkischen Theaters souverän gemeistert. Und viele Eiterfelder ziehen es vor, Theater live auf der Bühne zu erleben und nicht alleine vor dem Bildschirm. Die Fans aus Eiterfeld und dem Umland freuen sich immer auf ihr Theater und spendeten auch diesmal viel Applaus. Vor oder nach der Vorstellung steht zudem das Bürgerhausrestaurant mit einer breiten Speisekarte bereit.

Martha (Sandra Lava) und George (Ingo Pfeiffer) sind ein Ehepaar mittleren Alters, dessen Träume unerfüllt geblieben sind. Nichts ist da von gemeinsamen Zielen geschweige denn von ehrenamtlichen Arbeiten in Vereinen oder der Kirche. Die Zwei führen einen Rosenkrieg auf der Bühne, der sich gewaschen hat. Verbale Peitschenhiebe reißen tiefe Wunden. Gegenseitige Schuldzuweisungen vergiften die Seele: „Ich bin nicht der Trottel, zu dem du mich gemacht hast.“ Zynisch und sarkastisch bekämpfen sich hier zwei Egomanen. Der konsumierte Alkohol wirkt dabei als Verstärker. George schießt mit einem Gewehr. Anstatt einer Kugel fliegt eine Blume aus dem Lauf: „Hast du gedacht, ich bring dich um .... mach dich nicht lächerlich ... noch nicht mal das kriegst du hin.“

Mitten in das verbale Gemetzel kommen Gäste: Putzi (Anna Schindlbeck) und Nick (Lukas Redemann) sind ein junges Paar, relativ frisch verheiratet. Anstatt sich nun vor dem Besuch zusammenzureißen, setzen Martha und George noch einen drauf und benutzen die Zwei als Zuschauer. Martha und George produzieren sich als stünden sie auf einer Bühne. Bald wird das junge Paar aus seiner Zuschauerrolle gerissen, voll in den Konflikt der Gastgeber einbezogen und soll Stellung beziehen.

Klar ist auch von Liebe die Rede. Aber selbst die innigste Umarmung von George und Martha erinnert mehr an zwei Ertrinkende, die sich aneinander klammern.

Temporeich inszeniert hat das Stück Susanne Pfeiffer, das abstrahierte Bühnenbild wurde von Patrick Schmidt geschaffen, um die Dramaturgie kümmerte sich Sebastian Worch.

Die Theaterreihe geht weiter am 4. Mai mit „Honig im Kopf“. (chd)

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