Fachwerkhaus gekauft und saniert

Eiterfelder Narren engagieren sich für kulturelles Erbe

Eiterfelder Karnevalisten: Präsidiumsmitglied Mathias Herber (von rechts) erläutert seinen Kollegen Alexander Hübbe und Torsten Buchmann sowie Prinzessin Lea und Prinz Daniel die geplanten Renovierungsmaßnahmen. Foto: Winfried Möller / NH

Eiterfeld. Der Eiterfelder Carneval Verein hat ein denkmalgeschütztes Gebäude erworben und saniert es jetzt für eigene Zwecke.

Der Eiterfelder Carnevalverein (ECV) ist nicht nur in der fünften Jahreszeit aktiv. „Vereinsarbeit braucht Räumlichkeiten“, drückt es Mathias Herber aus Reckrod, mit Alexander Hübbe und Torsten Buchmann Präsident des ECV, aus.

Requisiten, Bilder Dokumentationen und vieles mehr wollen in der Zeit zwischen Aschermittwoch und dem 11. November eines jeden Jahres untergebracht werden. Außerdem braucht man einen Versammlungsraum, denn die Fastnachtszeit mit ihren vielen Veranstaltungen will geplant sein. Dazu gehört auch eine gute Jugendarbeit, um immer auf genügend Nachwuchs zurückgreifen zu können.

Bis zum Jahre 2008 nutzte der 550 Mitglieder zählende Verein das ehemalige Schwesternhaus in Eiterfeld. Mit der Neugestaltung des Pfarrgemeindezentrums wurde das Gebäude in den Neubau integriert und in der Folge der Mietvertrag gekündigt. Auf Grund einer Zwangsversteigerung konnte der ECV die beiden Obergeschosse des verschindelten Fachwerkhauses erwerben, ebenso das Untergeschoss nach Verhandlungen mit den Eigentümern. Dass sich der Verein damit auch jede Menge Arbeit aufgeladen hat, stellte sich erst bei näherer Betrachtung heraus.

Das Gebäude gehört zu den denkmalgeschützten Gebäuden der Marktgemeinde. Vermutlich wurde es in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erbaut. Es gehörte dem jüdischen Bürger Abraham Katz und ist landläufig unter dem Namen „Katze Hall“ bekannt.

Das vollständig verkleidete Gebäude war einst ein Wohn- und Wirtschaftshaus mit Laden im Erdgeschoss und rückwärtigem Wirtschaftsbau, bei dem noch die Fachwerkstruktur sichtbar ist. Der jüdische Bürger Ignaz Lomitz, der es übernahm, betrieb einen Futtermittelhandel. In der Nazizeit fiel das zweistöckige, giebelständige Haus, das auf einem niedrigen Steinsockel mit einem Anbau steht, der die Sackgasse überspannt, an einen ortsansässigen Bürger. Es besaß ursprünglich ein quer zur Hauptachse gerichtetes Dach.

Mit dem ehemaligen Schwesternhaus und dem modernen Kubus des Pfarrsaals bildet es ein ortsbildprägendes Ensemble. Historisch ist es ebenfalls von Bedeutung: Es zeugt von dem einstmals regen jüdischen Gemeindeleben in Eiterfeld, denn sowohl die Synagoge als auch die Mikwe sind durch Baumaßnahmen verschwunden.

Auf einer Nutzfläche von 250 Quadratmetern haben die Vereinsmitglieder schon viel gearbeitet. So wurden die sanitären Anlagen auf den neuesten Stand gebracht und die Nachtspeicherheizung durch eine Gastherme ersetzt. Zur Beheizung der Räume mussten neue Leitungen und Heizkörper installiert werden. Im Jahr 2015 wurde zudem das Dachgebälk ertüchtigt und die Dachfläche neu eingedeckt.

Die weiteren Planungen sehen vor, die historische Fassade zum Marktplatz originalgetreu wiederherzustellen. Ein erster Schritt dazu ist die Fachwerksanierung der stark geschädigten Konstruktion im Bereich der Tordurchfahrt. Diese wird derzeit durch aufgebrachte Spanplatten vor weiterem Verfall gesichert. 

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